logo

«Absurde Situation»

Wenn die Ungetesteten testen

Wer sich nicht gegen Corona impfen lässt, der muss sich künftig vermehrt testen lassen – um einigermassen am sozialen Leben teilzunehmen. Doch was ist, wenn genau hier die Gefahr lauert?

Manuela Bruhin am 13. September 2021

Kein Restaurant. Kein Kino. Und schon gar kein Schwimmbad oder eine Veranstaltung. Der Druck auf die Ungeimpften steigt – spätestens seit heute Montag, wenn die Zertifikatspflicht ausgeweitet wird. Es führt kein Weg drum herum, sich ein Stäbchen in die Nase halten zu lassen, um eben doch eine Filmvorstellung oder einen Match zu besuchen. Und beim Test-Prozedere kann natürlich weder der Abstand eingehalten noch eine Maske getragen werden. Der Kunde, wenn man denn so sagen will, und die Testperson kommen sich also unweigerlich nah.

Doch genau hier liegt das Problem: Denn viele Tester und Testerinnen seien selber gar nicht getestet worden, wie uns eine Leserin aus der Region Wil erläutert. Dies wird von Bruno Rüegg, Verantwortlicher von xtrapharm, bestätigt. «Die MitarbeiterInnen in den Corona-Testzentren testen ungetestet. Es gibt keinen Anlass, dies vorzunehmen oder zu verlangen – analog allen Fachpersonen im Gesundheitswesen.»

Für unsere Leserin ist die Vorgehensweise blanker Hohn. Sie hat selber für viele Veranstaltungen, wie beispielsweise das Summerdays Festival oder FCSG-Spiele, Leute auf das Corona-Virus getestet. Sie musste das im Vorfeld bei sich selber aber nicht tun. «Das Ganze ist leider sehr unprofessionell geplant und organisiert», fasst sie es zusammen. Alleine im Mitarbeiterchat seien an die 60 TesterInnen – und keine von ihnen werde vor dem Einsatz selber auf das Corona-Virus getestet. Obwohl sie ja sprichwörtlich an der Quelle sitzen würden. Eine absurde Situation, wie sie es beschreibt.

«Durch meine Hände wandern Hunderte von Ausweisen und Krankenkassenkärtchen», so die Leserin. «Die Leute haben anschliessend ein gutes Gefühl, wenn sie negativ sind und eine Veranstaltung besuchen. Doch wir könnten das Virus genau so gut übertragen.» Die Vorgesetzten würden jedoch alles belächeln und überhaupt nicht ernst nehmen, so die Leserin weiter. «Es hat einfach nichts mehr mit gesundem Menschenverstand zu tun.»

Die Leserin hat nun die Nase voll. Sie wird sich einen anderen Job suchen. Als Testerin hat sie ohnehin nur als Übergangslösung gearbeitet. «Ich bin froh, wenn ich das ganze Affentheater nicht mehr mit ansehen muss.»

WERBUNG
Ostschweiz unterstützen

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.