logo

Fachbeitrag

Wie der Bitcoin Washington trotzt

Am ersten Juli 1944 trafen sich Vertreter aus 44 Staaten im Mount Washington Hotel in New Hampshire, um das monetäre System der Nachkriegszeit zu schaffen.

Benjamin L. Brückner am 14. Mai 2022

An der legendären Bretton Woods Konferenz, rund um das nach ersten amerikanischen Präsident George Washington benannte Mount Washington Skigebiet, wurden unter anderem der Internationale Währungsfonds (IWF) sowie die Weltbank kreiert. Beide Institutionen haben noch bis heute ihren Hauptsitz in Washington DC. Auch wurde bei Bretton Woods 1944 der US-Dollar zur globalen Leitwährung erkoren. Dabei wurde der Wert des US-Dollars an den Wert von Gold gekoppelt – der sogenannte Goldstandard. Alle anderen Währungen wurden in einem System von fixen Wechselkursen an den US-Dollar gekoppelt. So wurde bei Bretton Woods beispielsweise festgelegt, dass man für einen Dollar 4.31 Schweizer Franken, 1.19 französische francs oder 0.70 CFA-franc (den francs der ‘französischen afrikanischen Kolonien’) erhalten solle. Mit diesem System der fixen Wechselkurse funktionierte die monetäre Welt für die nächsten knapp 30 Jahre, bis Nixon 1971 den Goldstandard aufgab. Neu galt das Fiat (‘es werde Geld’) Prinzip, nach welchem einzig die US-Zentralbank bestimmt wie viele US-Dollars es gibt. 1973 wurden dann auch die fixen Wechselkurse aufgegeben, und fast alle Währungen wurden frei handelbar. Dies gilt allgemein als Ende des Bretton-Woods System.

Der inzwischen in ‘französische afrikanische Gemeinschaft’ franc umbenannten CFA-franc, von welchem man vor 78 Jahren 0.7 Stück für einen Dollar kaufen konnte, besteht heute weiterhin als Währung für eine Reihe zentral– und westafrikanischer Staaten. Heute ist der CFA franc jedoch nicht mehr an den Dollar, sondern an den Euro gebunden. Einer der Staaten, welche den CFA franc noch heutzutage verwendet, ist die Zentralafrikanisch Republik. Doch Ende Aprils 2022, kündigte der knapp 5–Millionen Einwohnerstaat an, nebst dem CFA-franc eine weitere Währung einzuführen, welche von manchen auch als digitales Gold betitelt wird: den Bitcoin.

Für die Einführung des Bitcoins erntet das zentralafrikanische Land scharfe Kritik vom Internationalen Währungsfonds (IWF), welcher, anders als der Goldstandard, die Auflösung des Bretton-Woods Systems überlebt hatte. Der IWF kritisiert hauptsächlich die hohe Volatilität des Bitcoins, welche ihn als Währung ungeeignet machen solle. Die Zentralafrikanische Republik erhofft sich jedoch, mit der Einführung des Bitcoins an der Speerspitze der Innovation in Afrika stehen zu können. Dies mag zweifelhaft erscheinen, da gemäss Daten der Weltbank, nur 10 % der Einwohner des Landes das Internet benutzen, welches eine Voraussetzung für den Gebrauch des Bitcoins darstellt. Auch mag es zweifelhaft erscheinen, da es Gerüchte darum gibt, dass der Bitcoin zur Bezahlung der im Land stationierten russischen Söldner dienen soll.

Nichtsdestotrotz bleibt es bemerkenswert, dass der Bitcoin vermehrt zu einer attraktiven Alternative zu der Dominanz des US-Dollars wird. So handelt es sich bei Bitcoin nicht um eine Fiat-Währung, sondern um eine Währung mit beschränkter Stückzahl und Energie als Gegenwert. Die beschränkte Stückzahl kann aufgrund der unterliegenden Blockchain Technologie durch niemanden verändert werden. Eine beschränkte Stückzahl oder ein unterliegender Gegenwert existiert heutzutage weder beim US-Dollar noch beim Euro. Somit basiert der Wert dieser beiden Währungen allein auf dem Vertrauen in die amerikanische und europäische Zentralbank. Dabei warnte bereits der amerikanische Präsident George Washington warnte vor einer solchen ungesicherten Fiat-Währung. So verglich Washington die Funktionsweise einer Fiat-Währung im politischen Körper, mit der Funktionsweise von Alkohol im menschlichen Körper – eine Aussage, die ruhig als Kritik aufgefasst werden darf.

Die Zentralafrikanische Republik ist bereits das zweite Land, nach El Salvador, welches den Bitcoin als Zahlungsmittel einführt. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Moment, denn es befreit El Salvador vom Stigma des monetärpolitischen Einzelgängers. Bereits Kohelet aus dem Alten Testament wusste «So ist's ja besser zwei als eins (…) Weh dem, der allein ist!» (4:9-10). Doch dürfte es nicht lange bei nur zwei Ländern bleiben – Panamas Legislative hatte bereits das Gesetz vorgelegt, nach welchem in Zukunft in Panama Bitcoin, so wie acht weitere Kryptowährungen als legale Zahlungsmittel akzeptiert werden sollen. So nachvollziehbar die Kritik der in Washington stationierten IWF Mitarbeiter am Bitcoin vielleicht im Moment scheinen mag, so unwahrscheinlich scheint es, dass die normalerweise im Schatten Washingtons stehenden Länder, sich die monetäre Politik von der im Schatten des Mount Washington gegründeten Organisationen wie dem IWF oder der Weltbank vorschreiben lassen.

WERBUNG
Shopping Arena Ladestationen 2022

Talks

Video-Talk mit Ipek Demirtas

«Die Obsession des Gewinnens muss in einem Unternehmen spürbar sein»

am 12. Mai 2022
Video-Talk mit Marc Weber

Werden Rechtsfälle dereinst mit Algorithmen gelöst?

am 17. Mai 2022
Video-Talk mit Kurt von Suso

«Das kann ein Mann alleine gar nicht alles erlebt haben…»

am 10. Mai 2022
Video-Talk mit Martin Rutishauser

«Das ist eine riesige Kiste, ja»

am 05. Mai 2022
Video-Talk mit Eva Crottogini

«Jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, sich auf diesem Wege auszudrücken»

am 04. Mai 2022
Video-Talk mit Sophia Sommer

Frau Sommers Trick, sich jünger oder älter zu machen

am 28. Apr 2022
Video-Talk mit Salomé Kora

«Es sind ja nur 12 Sekunden. Eigentlich müsste man gar nicht atmen»

am 21. Apr 2022
Video-Talk mit Marc Reinhardt

«Wer bist Du?» – «Ich bin Bryan Adams»

am 19. Mai 2022
Video-Talk mit Myriam Junod

«Immer mehr Menschen haben mentale Probleme»

am 14. Apr 2022
Video-Talk mit Marcel Baumer

«Ich habe meinen Bruder voll im Griff»

am 26. Apr 2022
Video-Talk mit Peter Roth

«Ein Klanghaus? Ich hatte ja keinen Plan!»

am 07. Apr 2022
Video-Talk mit Katharina Lehmann

«Wir exportieren das Ostschweizer Handwerk»

am 05. Apr 2022
Video-Talk mit Livia Fierz

«Zum Glück ist noch keine Kundin ein zweites Mal gekommen»

am 22. Mär 2022
Video-Talk mit Katrin Schatz

«Vielleicht ist es nur eine faule Ausrede, weil ich nichts weiss»

am 24. Mär 2022
Video-Talk mit Pablo Brägger

«Es war klar: Nach Tokio ist Schluss»

am 29. Mär 2022
Video-Talk

Geplant planlos: «Rexer & Millius» über Gott und die Welt

am 31. Mär 2022
Video-Talk mit Fabienne Kuratli-Suter

Ein Schicksalsschlag veränderte ihr Leben von heute auf morgen komplett

am 17. Mär 2022
Video-Talk mit Markus Bütler

Dieser Mann hat die Lakers von der grauen Maus zum hellen Stern geformt

am 15. Mär 2022
Video-Talk

Hier kommen die «alten weissen Männer»

am 10. Mär 2022
Video-Talk mit Max Lässer

«Es geht nicht um Sex. Es ist einfach scheisse allein im Bett»

am 08. Mär 2022
Video-Talk mit Luca Zimmermann

Rexer holt den «George Michael» aus diesem Manager

am 03. Mär 2022
Video-Talk mit Malin Altherr

Diese junge Frau ist ein Rohdiamant und wird es noch weit bringen

am 24. Feb 2022
Video-Talk mit Josip Sunic

Ein Studienabbrecher startet zum zweiten Mal durch

am 01. Mär 2022
Video-Talk mit Seraphine Benz

«Ein Model ist ein Kleiderständer»

am 22. Feb 2022
Video-Talk mit Hansruedi Felix

Rock’n’Roll trifft auf den christlichen Glauben

am 15. Feb 2022
Video-Talk «3x3»

EU, Verkehrskollaps und leere Büroflächen: Hier braucht es kreative Lösungen

am 17. Feb 2022
Video-Talk mit Sandra Graf

«Ich wusste, was das heisst. Aber ich wusste nicht, was auf mich zukommt.»

am 08. Feb 2022
Video-Talk mit Urs Neuhauser

Wo sich der Klimaschutz wirtschaftlich auszahlt

am 10. Feb 2022
Video-Talk mit Klaus Estermann

Wenn der Lauch zur Inspiration für den Song wird

am 03. Feb 2022
Video-Talk mit Roland Stieger

«Vielleicht ist St.Gallen die Insel, die es nicht gibt»

am 01. Feb 2022
Video-Talk mit Michèle Mégroz

Wohin entwickelt sich die gesamte IT-Welt?

am 28. Jan 2022
Video-Talk mit Stefan Bissegger

Dieser Thurgauer Radprofi will ganz an die Spitze – Ein Gespräch über Hoffnungen und Niederlagen

am 25. Jan 2022
Video-Talk zur Medienförderung

«Es werden Produkte subventioniert, die nicht auf eigenen Füssen stehen können»

am 21. Jan 2022
Video-Talk mit Barbara Bernhard

«Bist Du eine Hexe?»

am 20. Jan 2022
Gölä und Dänu Wisler

So haben Sie «Uf u dervo» garantiert noch nie gehört

am 29. Okt 2021
Video-Talk mit Gunnar Kaiser

«Man hat den Medien eingeredet, sie seien das Bollwerk gegen das Böse»

am 07. Sep 2021
Video-Talk mit Hugo Portmann

Ausbrecherkönig Hugo Portmann: 35 Jahre hinter Gittern

am 19. Dez 2020
Video-Talk mit Marco Rima

«Meine Karriere ist mir völlig egal»

am 16. Dez 2020
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Benjamin L. Brückner

Benjamin L. Brückner ist Präsident der «Crypto Society»

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.