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Kulturserie im Pfalzkeller

«Wir wollen den Leuten nicht noch einen Strafzins aufbrummen»

Zwei Künstler gehen ein Wagnis in schlechten Zeiten ein: Sie organisieren eine Serie mit Kulturvorstellungen und Dinner im St.Galler Pfalzkeller. Damit niemand ausgeschlossen wird, übernehmen sie kurzerhand sogar die Kosten für Leute, die sich vorab testen lassen müssen.

Stefan Millius am 28. September 2021

Peter John Farrowski und Andreas Michael Roth sind Vollblutkünstler. Die Bühne ist ihr Leben. Wie viele ihrer Berufskollegen haben sie harte eineinhalb Jahre hinter sich. Sie sassen während der ganzen Zeit auf ihrem Konzept für «Dinner & Show», nun wollen sie nicht länger warten und lancieren die Veranstaltungsreihe am Samstag, 2. Oktober. Insgesamt elf Vorstellungen ziehen sich danach durch das ganze nächste Jahr. Ein Drei-Gang-Dinner wird geboten, gefolgt von verschiedensten Programmen, vom Konzert über Cabaret und Musicals bis zur Klassik.

Nicht nur sie selbst werden dann und wann auf der Bühne stehen, sondern viele Gäste. Den Auftakt macht ein Tributabend an Roger Cicero, «mit wunderbaren hochkarätigen Musikern aus Deutschland», wie Farrowski sagt.

Die beiden können es kaum erwarten, wieder loslegen zu können. «Hinter uns liegt eine harte Zeit, jetzt wollen wir einfach loslegen», sagt Roth. Die Zertifikatspflicht war ein erneuter Dämpfer für die Organisatoren, doch die Vorarbeit war bereits gemacht, sie wären bei einer Absage auf den Kosten sitzen geblieben. Man tue für die Sicherheit sogar noch mehr als verlangt: Der Pfalzkeller wird nur zu zwei Dritteln besetzt, für Distanz ist also gesorgt. Es gebe immer noch viele Leute, die vorsichtig und zurückhaltend seien beim Besuch von Veranstaltungen, ihnen wolle man entgegenkommen.

Und noch mehr als das. Man wolle niemanden von den Vorstellungen ausschliessen, das sei ein grauenhafter Gedanke, sagt Peter John Farrowski. Darum übernehme man die Kosten, wenn sich jemand vorab eigens testen lasse. Dass potenzielle Besucher noch eine Art «Strafzins» berappen müssen, komme nicht in Frage. Farrowski weiter: «Einfach nichts zu tun wäre aus unserer Sicht fatal. Es ist wichtig, dass die Menschen einen Abend lang an etwas anderes denken können als an Corona, und aus meiner Erfahrung ist Musik der richtige Weg dazu.»

Was natürlich heisst, dass ein möglicher Gewinn weiter geschmälert wird durch die nette Geste. Andreas Michael Roth geht noch weiter. Es sei anzunehmen, dass man im Moment eher gar nichts verdiene mit «Dinner & Show», aber das könne sie nicht abhalten. «Wir machen das aus Liebe zur Kultur und zu unseren Gästen, wir wollen die Leute endlich wieder bei uns haben, uns fehlen die strahlenden, zufriedenen Gesichter.» Man hoffe, vielen damit eine Pause von der «depressiven Welle» zu verschaffen, die derzeit herrsche. Und natürlich hoffe man, dass es nächstes Jahr wieder anders aussehe und die Bereitschaft, Anlässe zu besuchen, wieder steige.

Es dürfte sich lohnen. Fürs Catering ist der Koch Simon Venturiello und das Team von Catering42 zuständig, der auch auf Sonderwünsche wie Allergien Rücksicht nehme. Geboten wird ein «normales» Menü sowie eine vegetarische beziehungsweise vegane Variante.

Wer auf den Geschmack gekommen ist: Am Samstag, 2. Oktober findet der Auftakt zur Serie statt. Weitere Informationen und Tickets gibt es hier.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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