logo

St.Galler lanciert Onlineshop für Bücher

«Wir wollen zu einem Portal rund ums Buch werden»

Er ist ein Urgestein des St.Galler Buchhandels: Jörg Caluori, langjähriger Chef des Rösslitor. Nun lanciert er mit «Buch Schweiz» einen eigenen Onlineshop für Bücher. Dort will er aber weit mehr tun als nur Bücher zu verkaufen, wie er im Interview sagt.

Stefan Millius am 09. Oktober 2020

Jörg Caluori, Sie waren rund 14 Jahre lang Filialleiter der Buchhandlung Rösslitor in St.Gallen. Jetzt sind Sie offiziell pensioniert, werden aber wieder aktiv. Wieso?

Ich war seit der Pensionierung nie untätig. Ich organisiere Südafrika-Reisen, importiere Gin und Wein von dort, gründete und leite einen Verein, der die Ärmsten in Südafrika unterstützt, führe Südafrikaforen auf Sozialen Medien und vieles mehr. Nichts zu tun kommt für mich nicht in Frage.

Aber was Sie jetzt machen, ist ein Schritt mehr: Sie ziehen einen eigenen Online-Buchshop auf. Davon gibt es ja bereits viele. Braucht es noch einen mehr?

Nein, das braucht es grundsätzlich nicht, wenn wir einfach von Bezugsquellen für Bücher sprechen, davon gibt es wirklich genügend. Aber bei uns geht es weniger um den Shop an sich, im Zentrum stehen unsere Produkte, also vorwiegend Bücher. Wir wollen hier eine Lücke füllen. Denn der stationäre Buchhandel, und damit meine ich vor allem die grossen Läden, vernachlässigt aus meiner Sicht je länger je mehr das wichtigste Gesetz in dieser Branche.

Und das wäre?

Das Knowhow und die Beratung rund um das Produkt sind das Herzstück. Immer mehr Läden gleichen heute eher einem Kiosk, an dem die Ware einfach reingestellt wird, und dann soll sich der Kunde bedienen. Ich selbst kaufe am liebsten in kleinen Bücherläden, oft inhabergeführte, in denen kompetentes Personal mit Herzblut und einer hohen Beratungskompetenz einen echten Mehrwert darstellt. Wenn das nicht gegeben ist, kann ich mir die Informationen über ein Buch auch über Google zusammensuchen.

Jetzt sprechen Sie aber vom stationären Handel, und Sie lancieren ja einen reinen Onlineshop. Wie passt das zusammen?

Weil es klar in die Richtung Onlinehandel geht. Der Lockdown hat viele Menschen auf den Geschmack gebracht und den digitalen Shops einen enormen Schub gegeben. Das wird noch weiter gehen. Die Coronakrise hat eine Veränderung in die Wege geleitet, die Leute werden vorsichtiger und verhalten sich anders. Wenn ich dann zusätzlich in einem sogenannten Fachgeschäft sowieso keinen motivierten Ansprechpartner vorfinde, dann kann ich mich auch gleich online informieren. Aber genau hier setzen wir an. Wir wollen die Vorteile der beiden Welten vereinen, indem wir die erwartete fachliche Kompetenz des Handels in die digitale Welt bringen.

Wie soll das konkret funktionieren?

Wir sind nicht einfach ein Shop mit einer Auswahl und einem Warenkorb, sondern ein eigentliches Portal rund um Bücher. Die Vision ist, dass beispielsweise Autoren ihr Werk in einem kurzen Video selbst vorstellen, dass es Onlinelesungen auch live gibt, moderierte Talks mit Schriftstellern, einen Blog, in dem alle mitdiskutieren können und so weiter. In der ersten Phase ist das natürlich noch alles bescheiden, wir starten beispielsweise mit einer Handvoll Autorenvideos, aber es soll schnell wachsen. Wo ein Kunde sein Buch bestellt, spielt ihm in der Regel keine Rolle, wenn der Preis stimmt und die Lieferung klappt. Wir wollen aber darüber hinaus einen Mehrwert für ihn schaffen indem wir die Kompetenz der Autoren und Autorinnen und der Verlage mit einbeziehen.

Also setzen Sie nicht auf einen Preiskampf?

Wir sind über alles gesehen vermutlich im Mittelfeld des Preissegments, nicht so günstig wie der billigste vom Amazonas, aber günstiger als andere. Vor allem haben wir aber die Freiheit, bestimmte Bücher mit attraktiven Aktionen zu pushen. Dafür arbeiten wir eng mit den Verlagen zusammen. Die sind ja interessiert daran, dass ihre Bücher prominent präsent sind und in hoher Zahl an ihre Leser kommen. Ich habe für dieses Projekt viele meiner alten Kontakte reaktiviert.

Aber als neuer Shop in diesem Haifischbecken, wie wollen Sie auf sich aufmerksam machen?

Wir beginnen bei der Werbung nicht auf der vielzitierten «grünen Wiese», dies hätten wir auch nicht gewagt. Mein Partner hat in den vergangenen 15 Jahren auf jeglichen sozialen Medien Plattformen aufgebaut, die schweizweit (und teilweise auch darüber hinaus) über 1 Mio «Follower» mitbringen. Zudem haben wir «im Rücken» die wohl bekannteste Online-Agentur, die nichts anderes anbietet, als dass sie Online-Kampagnen schweizweit für viele bekannte Marken, Firmen und Produkte produziert und durchführt. All dies erlaubt es uns, sehr zielgerichtet unsere Produkte anzubieten.

Gibt es bestimmte Zielsetzungen, die Sie mit «Buch Schweiz» anvisieren?

Wie jeder Unternehmer möchte ich meine Investitionen wieder reinholen, aber reich werden wollen wir damit nicht, darum geht es nicht. Deshalb unterstützen wir mit unserem Buchverkauf auch zwei Projekte, die mir wichtig sind, die «Eurasia Heart Foundation» und meine Aktion «Township Help».

Aktion zur Lancierung: Geben Sie beim Kauf auf buch-schweiz.ch den Aktionscode «dieOstschweiz2020» ein für einen Preisvorteil.

Einige Highlights

Uzwilerin mit begrenzter Lebenserwartung

Das Schicksal von Beatrice Weiss: «Ohne Selbstschutz kann die Menschheit richtig grässlich sein»

am 11. Mär 2024
Im Gespräch mit Martina Hingis

«…und das als Frau. Und man verdient auch noch Geld damit»

am 19. Jun 2022
Das grosse Gespräch

Bauernpräsident Ritter: «Es gibt sicher auch schöne Journalisten»

am 15. Jun 2024
Eine Analyse zur aktuellen Lage

Die Schweiz am Abgrund? Wie steigende Fixkosten das Haushaltbudget durcheinanderwirbeln

am 04. Apr 2024
DG: DG: Politik

«Die» Wirtschaft gibt es nicht

am 03. Sep 2024
Gastkommentar

Kein Asyl- und Bleiberecht für Kriminelle: Null-Toleranz-Strategie zur Sicherheit der Schweiz

am 18. Jul 2024
Gastkommentar

Falsche Berechnungen zu den AHV-Finanzen: Soll die Abstimmung zum Frauenrentenalter wiederholt werden?

am 15. Aug 2024
Gastkommentar

Grenze schützen – illegale Migration verhindern

am 17. Jul 2024
Sensibilisierung ja, aber…

Nach Entführungsversuchen in der Ostschweiz: Wie Facebook und Eltern die Polizeiarbeit erschweren können

am 05. Jul 2024
Pitbull vs. Malteser

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Pitbull in St.Gallen: Welche Folgen hat die Selbstjustiz?

am 26. Jun 2024
Politik mit Tarnkappe

Sie wollen die angebliche Unterwanderung der Gesellschaft in der Ostschweiz verhindern

am 24. Jun 2024
Paralympische Spiele in Paris Ende August

Para-Rollstuhlfahrerin Catherine Debrunner sagt: «Für ein reiches Land hinkt die Schweiz in vielen Bereichen noch weit hinterher»

am 24. Jun 2024
Politik extrem

Paradox: Mit Gewaltrhetorik für eine humanere Gesellschaft

am 10. Jun 2024
Das grosse Bundesratsinterview zur Schuldenbremse

«Rechtswidrig und teuer»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter warnt Parlament vor Verfassungsbruch

am 27. Mai 2024
Eindrucksvolle Ausbildung

Der Gossauer Nicola Damann würde als Gardist für den Papst sein Leben riskieren: «Unser Heiliger Vater schätzt unsere Arbeit sehr»

am 24. Mai 2024
Zahlen am Beispiel Thurgau

Asylchaos im Durchschnittskanton

am 29. Apr 2024
Interview mit dem St.Galler SP-Regierungsrat

Fredy Fässler: «Ja, ich trage einige Geheimnisse mit mir herum»

am 01. Mai 2024
Nach frühem Rücktritt: Wird man zur «lame duck»?

Exklusivinterview mit Regierungsrat Kölliker: «Der Krebs hat mir aufgezeigt, dass die Situation nicht gesund ist»

am 29. Feb 2024
Die Säntis-Vermarktung

Jakob Gülünay: Weshalb die Ostschweiz mehr zusammenarbeiten sollte und ob dereinst Massen von Chinesen auf dem Säntis sind

am 20. Apr 2024
Neues Buch «Nichts gegen eine Million»

Die Ostschweizerin ist einem perfiden Online-Betrug zum Opfer gefallen – und verlor dabei fast eine Million Franken

am 08. Apr 2024
Gastkommentar

Weltweite Zunahme der Christenverfolgung

am 29. Mär 2024
Aktionswoche bis 17. März

Michel Sutter war abhängig und kriminell: «Ich wollte ein netter Einbrecher sein und klaute nie aus Privathäusern»

am 12. Mär 2024
Teuerung und Armut

Familienvater in Geldnot: «Wir können einige Tage fasten, doch die Angst vor offenen Rechnungen ist am schlimmsten»

am 24. Feb 2024
Naomi Eigenmann

Sexueller Missbrauch: Wie diese Rheintalerin ihr Erlebtes verarbeitet und anderen Opfern helfen will

am 02. Dez 2023
Best of 2023 | Meine Person des Jahres

Die heilige Franziska?

am 26. Dez 2023
Treffen mit Publizist Konrad Hummler

«Das Verschwinden des ‘Nebelspalters’ wäre für einige Journalisten das Schönste, was passieren könnte»

am 14. Sep 2023
Neurofeedback-Therapeutin Anja Hussong

«Eine Hirnhälfte in den Händen zu halten, ist ein sehr besonderes Gefühl»

am 03. Nov 2023
Die 20-jährige Alina Granwehr

Die Spitze im Visier - Wird diese Tennisspielerin dereinst so erfolgreich wie Martina Hingis?

am 05. Okt 2023
Podcast mit Stephanie Stadelmann

«Es ging lange, bis ich das Lachen wieder gefunden habe»

am 22. Dez 2022
Playboy-Model Salomé Lüthy

«Mein Freund steht zu 100% hinter mir»

am 09. Nov 2022
Neue Formen des Zusammenlebens

Architektin Regula Geisser: «Der Mensch wäre eigentlich für Mehrfamilienhäuser geschaffen»

am 01. Jan 2024
Podcast mit Marco Schwinger

Der Kampf zurück ins Leben

am 14. Nov 2022
Hanspeter Krüsi im Podcast

«In meinem Beruf gibt es leider nicht viele freudige Ereignisse»

am 12. Okt 2022
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist freischaffender Journalist.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.