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Ein Eigentor in Wil

Das Toggenburg gegen die Region Wil: Auf diesen Zweikampf läuft derzeit in der Spitaldebatte alles hinaus. Die Sache erinnert leicht an die Gallier und die Römer. Und geht es so weiter, werden auch die Sympathien gleich verteilt sein.

Stefan Millius am 13. Januar 2020

Jedem Täli sein Spitäli: Letztlich ist es die alte Volksweisheit, die den Kanton St.Gallen in die Misere geführt hat. Viel zu lang wurden dringend notwendige Einschnitte verhindert. Kein Wunder, wenn die Gesundheitsdirektorin ihr Amt mit dem festen Vorsatz antritt, kein Spital zu schliessen und das gnadenlos durchzieht.

Bisher hat jedes Spital, dem die Degradierung zu einem Gesundheits- und Notfallzentrum oder Schlimmeres blüht, sich darauf beschränkt, um die eigenen Pfründe zu kämpfen. Dabei ist klar, dass das nicht aufgehen kann - alles weiterlaufen lassen wie bisher ist schlicht nicht möglich. Deshalb ist die neue Losung im Toggenburg nur folgerichtig: Dort fordert eine Gruppierung den Erhalt des Spitals Wattwil und die Schliessung des Spitals Wil.

Eine Provokation an die Nachbarn in der Region Wil, klar. Aber wer die Ausgangslage betrachtet, sieht, dass sie nicht substanzlos ist. Die Stadt Wil nimmt für sich in Anspruch, verkehrstechnisch hervorragend erschlossen zu sein. Dabei wäre gerade das ein Grund für die Schliessung. Denn näher und schneller an anderen Spitälern als von Wil aus ist man eigentlich nirgends.

Wie es letztlich ausgeht, ist abzuwarten. Aber zumindest schimmert in Wil ein leichter Hauch von Arroganz durch, wenn man die dichte Population und die guten Verkehrswege betont und darauf hinweist, dass das alles im Toggenburg fehlt. Stimmt natürlich, die Frage ist nur, ob nicht gerade das für ein eigenes Spital in Wattwil spricht - wenn man es zu Ende denkt.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz». Seine Stationen führten über das «Neue Wiler Tagblatt», Radio aktuell, die ehemalige Tageszeitung «Die Ostschweiz» zum «Blick».

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