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Stefan Millius

Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz». Seine Stationen führten über das «Neue Wiler Tagblatt», Radio aktuell, die ehemalige Tageszeitung «Die Ostschweiz» zum «Blick».

Editorial

Ist das wirklich wichtig?

Die Ostschweiz sehnt sich mal wieder nach einem Sitz im Bundesrat. In der Tat drehen wir nun schon eine Weile in der Warteschlaufe Runden. Aber ganz offen gesagt: Das ist halb so schlimm. Ein Bundesrat oder eine Bundesrätin aus der Ostschweiz ist vor allem schön fürs Selbstwertgefühl. Handfeste Vorteile gibt es kaum.

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Karin Keller-Sutter für Johann Schneider-Ammann: Das wünschen sich viele Ostschweizerinnen und Ostschweizer über Parteigrenzen hinweg. Es sei wieder an der Zeit für jemanden aus dem Osten, heisst es. Allerdings kann unsere Region nicht behaupten, dass sie systematisch ausgegrenzt wird, was die Vertretung im Bundesrat angeht. Da könnten sich andere Kantone schon eher beklagen. Und die Frage ist ja ohnehin: Ist das so wichtig?

Es ist natürlich ein wundervolles Szenario: Woche für Woche sitzt der Bundesrat zusammen, diskutiert ein Thema, das für die Ostschweiz von höchster Bedeutung ist, es steht nach Stimmen drei gegen drei – und der Mann oder die Frau aus der Ostschweiz macht den Unterschied. Hosianna, wieder etwas an Land gezogen für die arg gebeutelte und vernachlässigte Region!

Wie oft das in der Vergangenheit vorkam, ist leider nicht überliefert, Bundesratssitzungen sind nicht öffentlich. Man darf aber davon ausgehen, dass das eine sehr romantische Vorstellung ist. Entscheide der Landesregierung werden von sehr vielen Faktoren beeinflusst. Und dass ein ostschweizloses Gremium einfach über Jahre hinweg vergisst, dass es unseren Landesteil auch noch gibt, ist nicht anzunehmen. Zumal wir ja auch noch ein Parlament haben, in dem die Ostschweiz anteilsmässig vertreten ist wie jede andere Region.

Der Ruf nach einem Ostschweizer Bundesrat hat mehr mit Emotionen als mit handfesten Gründen zu tun. Wer sich ganz grundsätzlich immer wieder übersehen fühlt, möchte ein Signal dafür, dass er wahrgenommen wird. Vergessen geht dabei, dass die Wahl eines Bundesrats aus unserem Landesteil ja selten ein Bekenntnis zu diesem ist. In einer wilden Mixtur aus Fragen wie Parteizugehörigkeit, Geschlecht, Bekanntheitsgrad, dem richtigen Alter und so weiter wird die Zahl der möglichen Anwärter dermassen eingedampft, dass es schwierig ist, auch noch die Herkunft angemessen zu werten. Das Negativargument – nicht zu viele Amtsinhaber aus derselben Region – wird höher gewichtet als der Wunsch einer Region, auch mal wieder zum Zug zu kommen.

Es ist, mit Verlaub, egal, ob ein Ostschweizer in der Landesregierung sitzt. Wir hatten schon überaus starke Figuren im Bundesrat, aber auch andere. Mit Karin Keller-Sutter würde eine hervorragende Kandidatin einziehen. Im konkreten Fall macht die Forderung also Sinn, sie wäre eine gute Botschafterin. Aber hört man den Parteien derzeit zu, wären sie auch bereit, das Vadiandenkmal zu portieren, wenn es Wahlchancen hätte – Hauptsache, einer von uns.

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