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Robert Dubil

Brücken schlagen

Wer sich öffentlich zu etwas äussert, exponiert sich, wird angreifbar. Das kann gewollt geschehen oder auch nicht.

Robert Dubil am 30. August 2021

 Texte sind gewollte Äusserungen und handeln einem schnell ebenso gewollte Anfeindungen ein. Damit muss man leben oder die Tastatur wegsperren. Es bieten sich aber auch Möglichkeiten. Der folgende Brief ist an jemand gerichtet, der ganz und gar nicht meiner Meinung ist, dies öffentlich kundtut und ich diese Differenz nun als Chance nutzen will:

Sehr geehrter Künzler

In der vergangenen Zeit hatten wir es immer wieder miteinander zu tun. Leider nicht persönlich, sondern nur schriftlich. Ihre Kommentare zu meinen Posts in Facebook zeigen mir ganz klar, dass wir das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben. Und ich bin froh darüber und erkläre gerne warum.

Meine Texte „bedienen“ in der Regel diejenigen, welche bereits informiert sind, kritisch denken und nicht alles für bare Münze nehmen. Sie werden aber auch von Meinungsgegnern gelesen, was mich grundsätzlich freut, auch wenn die folgenden Kommentare manchmal nicht ganz so erfreulich zu lesen sind. Aber sie fallen unter die Rubrik „Meinungsfreiheit“.

Es ist mir bewusst, wenn ich über ein Thema schreibe, nicht alle mit dem Inhalt einverstanden sind. Es ist mir aber auch bewusst, dass andere Stimmen erst eine Meinungsvielfalt, sprich andere Ansichten zu einer Sache besitzen. Ich schreibe meine Zeilen aus meiner subjektiven Sicht und bin immer dankbar, wenn ich auf andere Betrachtungsweisen aufmerksam gemacht werde oder selber entdecke. Erst dann kommt man einer gesamthaften Ansicht einer Sache näher. Wer nur einseitig die Dinge wahrnimmt, geht an vielen lehrreichen Erfahrungen vorbei.

Aus diesem Grund möchte ich die Hand reichen für ein menschliches Gespräch mit Ihnen. Es geht mir nicht darum, Sie von meiner Meinung zu überzeugen, sondern Ihre Haltung zu verstehen. Sie kommt ja nicht von ungefähr, sondern besitzt ihre Gründe. Diese interessieren mich und geben mir die Möglichkeit, Ihre Sichtweise mit meiner zu verbinden und zu verstehen.

In der heutigen Zeit, wo die Spaltung der Gesellschaft schon fast zum Sport geworden ist, möchte ich mit dieser Einladung zum Dialog Brücken schlagen und dieser traurigen sozialen Entwicklung entgegenwirken. Gerade wir, die Befürworter und Gegner, es kommt mittlerweile nicht mehr drauf an um welches Thema es sich handelt, können Zeichen der Verbundenheit setzen. Wir sind beide Menschen, wir wollen beide zufrieden und gesund alt werden. Ich nehme an, das wollen Sie auch und somit besitzen wir eine Gemeinsamkeit, von der wir einen konstruktives Gespräch aufbauen können. Auch über unsere Ängste können wir reden, denn ich glaube, auch hier gibt es Gemeinsamkeiten.

Eigentlich sind wir gar nicht so verschieden, von daher mein Vorschlag, wollen wir uns auf unsere Gemeinsamkeiten beziehen, sie als Basis unserer Menschlichkeit anerkennen? Möchten wir uns mit einem Lächeln begegnen?

Wir können die Kommunikation öffentlich machen oder nur wir beide, persönlich oder anonym. Das überlasse ich Ihnen.

Ich wünsche mir, dass Sie die Einladung annehmen, wir können daraus nur gewinnen. Nicht einen Kampf der Meinungen, sondern den Erfolg der Menschlichkeit, der Empathie und des Verständnisses zueinander. Lassen Sie uns gemeinsam ein Zeichen setzen, dass spürbare Trennung auch eine Chance ist, uns neu zu finden.

Ich wünsche Ihnen das Beste und Gesundheit.

Freundliche Grüsse

Robert Dubil

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Robert Dubil

Robert Dubil (*1965) ist freischaffender Regisseur und Drehbuchautor und veröffentlichte etliche Artikel auf Online-Portalen (Neopresse, Nachrichtenspiegel). Die Schwerpunkte liegen in gesellschaftskritischen bis satirischen Artikeln, Filmen und Videos zum Zeitgeschehen. Er wohnt und arbeitet in St. Margrethen.

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