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Rebecca Sandu

Feldweibel Sandu

Nein, ich bin nicht ins Militär gezogen. Ich denke, die würden mich da freiwillig und mit Handkuss wieder nach Hause senden. Der Titel hat viel mehr mit meiner direkten Art bei der Arbeit zu tun. Um das zu erklären, muss ich ein wenig ausholen.

Rebecca Sandu am 03. Januar 2022

Als ich 2013 den Weg aus Shanghai wieder zurück in die Schweiz fand, habe ich erstmals in der Welt der Aesthetik (beruflich) Fuss gefasst und komme seit da nicht mehr davon los. Es fasziniert mich einfach immer wieder aufs Neue, wie sich der Alltag stetig verändert. Auf den ersten Blick scheint es sehr oberflächlich zu sein. Geht es doch sehr um Äusserlichkeiten: was kann man hervorheben, verbergen, akzentuieren und aus schön wird schöner und am schönsten.

Wirft man einen tieferen Blick in die Thematik, stellt man jedoch sehr schnell fest, dass es nicht nur um das Äussere geht, sondern eher um das Innere. Wir alle haben unsere Befindlichkeiten und manchmal kann eine begradigte Nase für Dritte keinen Unterschied machen, aber auf die Psyche und das Verhalten sowie Selbstwertgefühl der Trägerin/des Trägers wirkt sich so ein kleiner Eingriff enorm aus.

Das Business ist sehr schnelllebig. Trends kommen und gehen und daher muss man sich immer wieder neu anpassen und ausrichten. Was Gestern noch galt, kann Übermorgen bereits überholt sein. Dementsprechend ist man auf der Arbeit auch immer ausgelastet und schafft die Deadlines nur mit viel Engagement und Flexibilität. Resilienz macht sich hier bezahlbar.

Ist man nun Mitte Dreissig, per Zufall noch blond und interessiert sich für andere schöne Dinge im Leben wie Mode, wird man natürlich in eine Schublade gesteckt. Daran habe ich mich schnell gewöhnt. Ist man dann aber bei einem Meeting direkt, dynamisch und auf Zack, überfordert das oft das Gegenüber – männlich wie weiblich. Weil, dann passt das Image, das man scheinbar nach aussen mit rotem Lippenstift und lackierten ‘Nägeli’ von sich gibt, auf einmal nicht mehr zum direkten Ton.

Ich musste mir in den letzten Jahren vermehrt anhören, dass ich ein richtiger Feldi bin.

«Aha, der Feldweibel kommt wieder hervor.» Oder: «Rebecca, dieser Feldi-Ton steht dir aber gar nicht.» Das sind nur zwei der vielen Sprüche, die ich mir immer wieder anhören muss. Der beste war von einem männlichen Vorgesetzten: «Wow, du bist ja ein richtiger Hexenbesen (O-Ton: «Häxebäse»), das hätte ich dir gar nicht gegeben». Ich habe wie meine männlichen Kollegen mein Budget verteidigt. Diese gingen als engagiert, dynamisch und direkt in die Geschichte ein. Ich als der Hexenbesen.

Was mich auch immer wieder erstaunt, ist die Aussage, dass der Ton den ich bei Meetings (wenn’s wirklich um die Sache geht) anschlage, nicht sexy sei. Ich wusste nicht, dass es mein Job ist, in direkten Gesprächen sexy zu sein, geschweige denn ein Anspruch, den man an mich hat. Ich glaube niemand hat den Anspruch, dass der CFO seine Zahlen sexy präsentiert. Oder habe ich da was verpasst?

Für die Zukunft bin ich gewappnet: ich gehe nun nur noch mit meinen Marsch-Stiefeln ins Office und parkiere meinen Besen beim Eingang – sicher ist sicher!

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Rebecca Sandu

Rebecca Sandu (*1981) stammt ursprünglich aus Zuckenriet/SG. Nach Stationen in Zürich und Shanghai lebt sie nun mit ihrer Familie idyllisch bei Winterthur.

Rebecca Sandu ist mit Herz und Seele Mutter und mit Leidenschaft Entrepreneurin. Als Brand Managerin im ästhetischen Bereich, schaut sie über den Gartenzaun und setzt so mit viel Engagement immer wieder neue Marketingkampagnen um.

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