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Über den Autor

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Bartl-Frank Margit

Margit Bartl-Frank

Margit Bartl-Frank (*1954) ist Kunstschaffende und lebt und arbeitet seit über 20 Jahren im St.Galler Rheintal. Ihre Schwerpunkte liegen auf zeitgenössischer bildender Kunst sowie Kunst im öffentlichen Raum.

Briefwechsel

«Liebe Johanna...»

Was hat eine Heimweh-Rheintalerin einer zugezogenen Rheintalerin zu sagen? Ein Briefwechsel, der neue Perspektiven auf die eigene Heimat bringt.

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Bartl-Frank Margit

Während meiner Zeit an der Hochschule Luzern lernte ich Johanna Gschwend kennen. Die Namensherkunft und der Rheintaler Dialekt liessen keine Fragen mehr offen. Für uns ist das der Anlass zu einem Austausch über die Heimat - zwischen der Zugezogenen, die nun schon über 20 Jahre im Rheintal wohnt und der gebürtigen Altstätterin, die heute in Luzern wohnt.

Brief von Margrit B.

Liebe Johanna

Wie lange bist du schon von Altstätten weggezogen? Sind es 5 oder mehr Jahre her? Hast du nie Heimweh?

Heimatgefühle sind eine ganz persönliche Sache, etwas ganz Besonderes. Heimat sitzt tief in uns, sie ist der Ort, an dem man sich wohl und sicher fühlt. Sie ist aber auch Zugehörigkeit, Vertrautheit, sich verstanden fühlen. Das Herz geht auf, beim Duft eines Lieblingsessens, beim Lauschen einer Melodie, die uns an glückliche Stunden erinnert.

Bestimmt kannst du dazu auch etwas erzählen!

Heimat ein vieldiskutiertes Themenfeld?

Jedenfalls für unsere deutschen Nachbarn, dort ist es so wichtig, dass es seit März 2018 ein Bundesheimatministerium gibt.

.... und wo bist du gerade?

 Liebe Grüsse Margit B.

Brief von Johanna G.

Liebe Margit,

Ich verbringe gerade ein paar Tage in Berlin. Ausgerechnet in dieser Grossstadt habe ich mir einmal erklären lassen, dass Heimweh eine «Schweizerkrankheit» sei. Und tatsächlich ist da was Wahres dran. Das Wort «Heimweh» hat seinen Ursprung in der Schweiz und wurde auch als morbus helveticus, Schweizerkrankheit, beschrieben. Gemeint ist damit ein körperliches und psychisches Leiden, das durch eine tiefgreifende Sehnsucht nach der Heimat hervorgerufen wird. Eine Krankheit also?

Das würde ich so nicht unterschreiben. Für mich hat Heimweh auch eine positive Seite.

Natürlich vermisse ich manchmal die Rheintaler Landschaft und die Menschen, die sie beleben. Es ist und bleibt ein Ort, der mich prägt und beschäftigt. Ich schätze es aber auch, durch ein wenig Distanz meine Heimat neu kennen und schätzen zu lernen. An der Rhema wurde dieses Jahr eine grosse Rückrufaktion #comebackhome gestartet. Der Wunsch ist sicher berechtigt, dass junge gut ausgebildete Leute an ihrem Herkunftsort zurückkehren und sich dort engagieren sollen. Die Frage ist jedoch, ob das zurückkommen so einfach geht. In der Zwischenzeit hat sich auch die Heimat gewandelt – so manch einer wird sich bei seiner Rückkehr etwas fremd vorkommen. #comebackhome – was für ein Zeichen würdest du setzen?

Lieber Gruss

Johanna G.

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