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Toni Bortoluzzi

Nicht liberal

Die «Ehe für alle» hat nichts mit liberalen Liebesvorstellungen zu tun. Bei einem Ja am 26. September würde die anonyme Samenspende für lesbische Frauen zu einem gesetzlichen Recht erklärt – mit verheerenden Folgen für die Kinder. 

Toni Bortoluzzi am 09. September 2021

In der Diskussion über die «Ehe für alle» hört man immer wieder das Argument, dass doch jeder und jede lieben können soll, wen er oder sie will. Doch darum geht es gar nicht, denn das ist längst garantiert. Diese oberflächliche Betrachtungsweise negiert gravierende Folgen der «Ehe für alle». Folgen, die das schwächste und darum besonders schützenswerte Glied der Gesellschaft treffen: unsere Kinder.

Besonders schädlich an der «Ehe für alle» ist darin vorgesehene Samenspende für lesbische Paare. In der Schweiz ist die Samenspende bis anhing streng geregelt. Sie ist nur verheirateten Paaren – also Mann und Frau – im gebärfähigen Alter vorbehalten, die entweder auf natürlichem Weg keine Kinder empfangen können oder Träger schwerer Erbkrankheiten sind.

Das «Recht auf ein Kind» ist ein Unding

Mit der «Ehe für alle» soll nun die Samenspende auf lesbische Paare ausgeweitet werden. Im Klartext: Der medizinische Ausnahmefall wird zum gesetzlichen Regelfall erklärt. Jedes lesbische Paar soll per Gesetz das «Recht auf ein Kind» erhalten. Ein solches Recht ist ein Unding – und es schadet vor allem den betroffenen Kindern.

Mit der Legalisierung der Samenspende für lesbische Paare werden viele Kinder gezeugt werden, die ohne ihren Vater aufwachsen müssen. Sie werden die Grosseltern, Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen väterlicherseits nie kennenlernen. Das Kindeswohl tritt in den Hintergrund und wird der Bedürfnisbefriedigung der Erwachsenen geopfert. Das ist nicht akzeptabel.

Die per Knopfdruck bestellten Kinder haben erst im Alter von 18 Jahren das Recht zu erfahren, wer ihr Vater ist. Das ist grausam!

Die Entwicklung ist absehbar: Mit der in der Politik üblichen Salamitaktik wird künftig dieses «Recht auf Kinder» auf weitere Gruppen (schwule Paare, Alleinstehende) ausgedehnt werden. Die nächste Forderung wird dann sein, dass Eizellenspende und Leihmutterschaft legalisiert werden. Damit wird das Kind zum hergestellten Produkt. Zu einer Ware auf Bestellung.

Falscher Gleichheitswahn

Darüber hinaus zerstört die «Ehe für alle» gesellschaftliche Werte. Es gehört zum Zeitgeist und damit zum guten Ton, unter dem Titel «Gerechtigkeit» absolute Gleichheit anzustreben. Doch das ist weder möglich noch gerecht. Homosexuelle Paare, die keine Kinder kriegen können, gleich zu behandeln wie die Verbindung von Mann und Frau in der Ehe, verstösst gegen ein fundamentales Rechtsprinzip, das da heisst: «Gleiches ist gleich, Ungleiches ist aber nach Massgabe der Ungleichheit ungleich zu behandeln.»

Darum hat es auch nichts mit Diskriminierung zu tun, wenn die Ehe gemäss Bundesverfassung Frau und Mann vorbehalten ist. Damit wird weder die Würde von gleichgeschlechtlich orientierten Menschen verletzt noch deren Freiheit eingeschränkt. Die Ehe ist die Verbindung von Mann und Frau und von nichts anderem. Der Ungleichheit, ob in der sexuellen Ausrichtung oder in anderen Lebensbereichen, ist mit Toleranz zu begegnen, aber nicht mit dem Geist einer falsch verstandenen Gleichmacherei. Zudem: Diese Vorlage schafft gerade durch die Möglichkeit einer Samenspende für Lesben eine neue Ungleichheit: Jedes schwule Paar darf in Zukunft Diskriminierung gelten machen. Denn Lesben dürfen Kinder haben, Schwule hingegen nicht.

Besonderheit von Ehe und Familie schützen

Die gesellschaftlichen Werte in unserem Land sind durch christliche Grundlagen und Traditionen geprägt. Die Bundesverfassung orientiert sich an diesen Werten. Dazu gehört die Ehe zwischen Mann und Frau, wie sie Artikel 14 BV vorsieht.

Es geht bei der Ablehnung der «Ehe für alle» also nicht darum, die gleichgeschlechtliche Partnerschaft zu verhindern. Diese ist längst gewährleistet und mit der sogenannten eingetragenen Partnerschaft auch juristisch verankert. Es geht vielmehr darum, die Besonderheit der bestehenden Ehe und der Familie zu schützen und die Rechte der Kinder zu wahren. Darum am 26. September Nein zur «Ehe für alle» und zur anonymen Samenspende für Lesben!

Toni Bortoluzzi ist Präsident des Vereins Schutzinitiative und ehemaliger Nationalrat (SVP).

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Toni Bortoluzzi

Toni Bortoluzzi (*1947) war von 1991 bis 2015 Nationalrat für die SVP. Er wohnt in Affoltern am Albis.

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