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Lea Müller

Privates Leben

Ich bin ein sehr offener Mensch. Ich glaube, wenn man mich kennenlernt, merkt man das sehr schnell. Meine Freunde nennen mich deswegen ein «Menschen-Magnet», denn die meisten fühlen sich wohl in meiner Gegenwart, wenn ich einfach etwas von mir erzähle, ohne Scham oder Grenzen.

Lea Müller am 15. Juni 2022

Es war für mich immer eine gute Eigenschaft und ich hoffe, ich werde diese Eigenschaft nie verlieren. Aber trotzdem habe ich jetzt mit meinen 21 zarten Jahren langsam gelernt, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

Ich befürchte, ich zeige meine Offenheit immer so gerne, weil ich diese Bestätigung und Aufmerksamkeit von anderen sehr geniesse. Ich kann schlecht Dinge für mich behalten, vor allem wenn es um mich selbst geht, denn wenn etwas in meinem Leben passiert, möchte ich das gerne teilen. Allerdings führt diese Offenheit auch schnell dazu, dass andere anfangen zu reden – nicht immer positiv.

Ich weiss, es sollte mir egal sein, was andere denken, aber ich bin und bleibe eine sehr empfindliche Person, was die Meinung von anderen betrifft. Vor allem bezüglich Menschen aus meinem Umfeld. Und erst recht, wenn es um sehr intime Dinge geht, wie zum Beispiel eine Beziehung.

Jetzt, im modernen Zeitalter mit Social-Media ist es ganz leicht, sein Leben mit allen zu teilen. Es ist der Scheineffekt, dass sich ganz viele für einen interessieren, nur weil sie die «Story» schauen oder einen «Post» liken.

Ja, ich gehöre auch zu den Menschen, die gerne vieles auf Social-Media posten. Aber ich habe gelernt, dass man auch gut Dinge privat halten kann.

Ich glaube, zum ersten Mal in meinem Leben – das klingt viel dramatischer, als es ist – geniesse ich es, wenn Menschen nicht alles von mir wissen. Ich bin noch immer dieselbe offene Person, aber ich bin lieber offen bei den Menschen, die sich auch wirklich für mich interessieren. Wer etwas wissen will, kann fragen. Es ist kein Geheimnis, sondern nur privat.

Persönlich finde ich, es ist eine wichtige Lektion, die jede (vor allem extrovertierte) Person lernen muss. Das Verlangen nach Aufmerksamkeit sollte nicht beinhalten, alles von sich den falschen Personen zu geben. Es ist möglich, eine offene Person zu sein und trotzdem ein privates Leben zu führen.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Lea Müller

Lea Müller (*2001) aus dem Kanton Thurgau ist Studentin in Fribourg. Sie interessiert sich für Sport und schreibt seit ihrem 12. Lebensjahr Geschichten.

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