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Nicolo Paganini

Scherbenhaufen?

Der Nationalrat hinterlasse dem Ständerat bei der Revision der beruflichen Vorsorge einen «Scherbenhaufen», monierte diese Woche die Gewerkschaft Travail.Suisse nach den Beratungen der Grossen Kammer. Von wegen!

Nicolo Paganini am 23. Dezember 2021

Mit geschlossen stimmenden Fraktionen haben die bürgerlichen Parteien DieMitte, SVP und FDP die Fehlkonstruktionen der bundesrätlichen Vorlage bzw. des so genannten «Sozialpartnerkompromisses» korrigiert.

Es ist kein Scherbenhaufen, wenn die Bürgerlichen dafür sorgen, dass sich der Umwandlungssatz an die demografischen Realitäten annähert, dass die Umverteilung von Jung zu Alt gestoppt wird, dass keine Vermischung der Prinzipien der ersten (AHV) und zweiten (BVG) Säule stattfindet und dass zur Kompensation für den tieferen Umwandlungssatz künftig schon mit 20 Jahren für das Alter gespart werden soll.

Die gleiche geschlossene bürgerliche Allianz befürwortet bei der Revision der AHV die Angleichung des Rentenalters von Frauen und Männern bei 65 Jahren.

Die beiden Vorlage lösen noch nicht alle Herausforderungen der Altersvorsorge. Aber sie sind wichtige Schritte in die richtige Richtung. Dass sie ausgerechnet von links-grüner Seite bekämpft werden, erstaunt eigentlich, wenn man bedenkt, dass diese Parteien sich die Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben. Sozialwerke, die den Entwicklungen bei der Demografie und bei den Renditen am Kapitalmarkt nicht Rechnung tragen, sind nicht nachhaltig. Im Gegenteil: sie sind Hypotheken, die wir nächsten Generationen überlassen. Auf dem Tisch des Ständerates liegt also kein Scherbenhaufen, sondern eine gute Grundlage für eine Revision der beruflichen Vorsorge, die am Schluss auch dem Volk erklärt werden kann.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Nicolo Paganini

Nicolo Paganini (*1966) ist Nationalrat (CVP) im Kanton St.Gallen.

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