MENÜ
Über den Autor

icon
Baur Marcel

Marcel Baur

Marcel Baur (*1971) ist Stadt-St.Galler und Familienvater mit zwei Kindern. Er arbeitet als ICT Systemspezialist an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen. Das Mitglied der GLP St.Gallen ist als Blogger aktiv.

Baurs Welt

Wissen statt Geräte

Die IT-Bildungsoffensive des Kantons St.Gallen ist gut gemeint. Sie hat aber zwei grundlegende Probleme. Das Geld ist nur eines davon. Es geht um mehr.

icon
Baur Marcel

Einerseits fehlen für alle Geldempfänger klare Ziele. Die begünstigten Institutionen erhalten mit der Offensive zwar Vorgaben, was mit dem Geld umgesetzt werden soll, es fehlen aber messbare Ziele. Etwas, das wir uns vielleicht früher noch leisten konnten. Heute sollte auch die Kantonsregierung dafür sorgen, dass die investierten Steuergelder auch einen nachweisbaren Nutzen nach sich ziehen.

Andererseits stellt sich mir auch die Frage, ob Bildungsinstitutionen in der Lage sind, dem technologischen Wandel zu folgen. Wer in Infrastruktur wie digitale Schulzimmer investiert, der schafft auch Abhängigkeiten. Angeschaffte Technologien sind veraltet, bevor sie den Lernenden zu Gute kommen. Sie müssen in regelmässigen Abständen erneuert und dem Fortschritt angepasst werden. Das kann in der Zeit, in der das Geld fliesst möglicherweise noch realisiert werden. Aber was geschieht danach? Die Institutionen sitzen auf veralteter Technologie, die sie mangels Finanzen nicht mehr dem Stand der Technik anpassen können. Wer die Chance bekommt, sich einmal in den Dachböden und Kellern von Schulhäusern herumzutreiben, der weiss was ich meine. Es wird jedem Steuerzahler übel, wenn er sieht was da alles nutzlos herumsteht.

Was können wir tun? Investieren wir die Gelder nicht besser in technologisch unabhängige Formen von Bildung? In Fächer wie Mathematik, Naturwissenschaften und Sprachen? So dass die Menschen in die Berufswelt entlassen werden, dass sie Zusammenhänge verstehen, so dass sie in der Lage sind, Fortschritt für sich und die Umwelt zu nutzen. Technologie soll als Werkzeug und nicht als Lehrmittel funktionieren.

Das funktioniert, denn die heutigen Technologien wurden von Menschen entwickelt, die bei weitem nicht die Ausbildung geniessen konnten, die wir jetzt mit viel Geld erzwingen wollen.

Die Bildungsoffensive muss die Menschen darauf vorbereiten, im Berufsleben mit den unterschiedlichsten Anforderungen der Arbeitgeber zurecht zu kommen. Der Rucksack soll mit Wissen und nicht mit Geräten und kurzlebiger Technologie gefüllt werden. Das garantiert letztendlich auch die Unabhängigkeit von den Giganten der Digitalisierung.

Teil von «Die Ostschweiz» werden
SO KÖNNEN SIE DAS NEUE MEDIUM UNTERSTÜTZEN

Werden Sie Gastautor oder Gönner von «Die Ostschweiz». Oder teilen Sie uns Verbesserungswünsche mit - unter info@dieostschweiz.ch