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Thurgau

Hilfe rund um die Uhr für Jugendliche in Nöten

Am 1. Juli nimmt die «Helpline Thurgau für Kinder, Jugendliche und Familien» ihren Betrieb auf. Sie ist unter der Nummer 0848 21 21 21 neu an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr für Hilfesuchende da und ergänzt die bestehenden Beratungsstellen, die abends und am Wochenende nicht erreichbar sind.

Die Ostschweiz am 25. Juni 2021

Massimo (Name geändert) wird in der Schule seit Wochen massiv gemobbt. Nach einer weiteren schlimmen Auseinandersetzung kommt er am Nachmittag nach Hause. Er will mit niemandem reden und schliesst sich im Zimmer ein. Schliesslich hält er es nicht mehr aus und er will telefonische Hilfe suchen. Doch die Beratungstelefone sind spätabends nicht mehr besetzt. Hier setzt das neue Informations- und Beratungstelefon «Helpline Thurgau für Kinder, Jugendliche und Familien» an.

Unterstützung auch für Fachpersonen

Die Helpline bietet Kindern, Jugendlichen und Eltern in problematischen Lebenssituationen rund um die Uhr niederschwellige telefonische Unterstützung an. «Es können sich aber auch involvierte Fachpersonen, zum Beispiel Hausärzte, für Auskünfte an die Helpline wenden», sagte Félicie Haueter an einer Medienkonferenz am 25. Juni 2021 in Frauenfeld. Sie leitet das Abklärungs- und Aufnahmezentrum (AAZ), das als Teil der Psychiatrischen Dienste Thurgau zur Spital Thurgau AG gehört und die Helpline mitbetreut.

Wer Hilfe braucht und die Helpline-Nummer wählt, spricht dort mit einer erfahrenen Beratungsperson aus dem pflegerisch-pädagogisch-sozialen Bereich. Diese leistet am Telefon eine erste Unterstützung und verweist bei Bedarf an geeignete ambulante Stellen weiter, die tagsüber zur Verfügung stehen. Unnötige und teure Umwege über Notfallstationen werden so vermieden. Anrufende bezahlen den telefonischen Ortstarif, die telefonische Beratung selber ist gratis.

Mit der Ausweitung der Erreichbarkeit ab dem 1. Juli 2021 auf 24 Stunden an 365 Tagen macht der Thurgau einen Quantensprung. Tagsüber gibt es im Thurgau mit der Perspektive Thurgau, dem Schulpsychologischen Dienst, der Benefo-Stiftung und anderen bereits niederschwellige Optionen für Hilfesuchende. Ausserhalb der Öffnungszeiten blieben Hilfesuchende aber auf sich alleine gestellt oder wichen auf kostenintensive Notfallstrukturen aus, wie Dino Michele Zanchelli, Bereichsleiter Pflege der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Clienia Littenheid AG, erklärte. Die nationalen Angebote wie etwa die Dargebotene Hand wiederum haben weniger Detailkenntnisse im Thurgau.

Viele Anrufe ausserhalb der Öffnungszeiten

Bei Perspektive Thurgau zum Beispiel gehen pro Jahr über 20'000 Anrufe ein, 1’200 oder 6 Prozent davon ausserhalb der Öffnungszeiten. Im Abklärungs- und Aufnahmezentrum werden sogar fast 20 Prozent der täglichen, externen Anrufe ausserhalb der Präsenzzeiten zwischen acht Uhr abends und acht Uhr morgens verzeichnet. Der Bedarf ist also vorhanden, dies beweisen auch die vielen Anrufe am Montagmorgen. Zudem wird auch das Schulische Kriseninterventionsteam (SKIT) des Amtes für Volksschule von der Helpline profitieren.

Das neue Angebot senkt voraussichtlich nicht nur die Kosten in den Notfallstrukturen, wie schon Erfahrungen mit dem Abklärungs- und Aufnahmezentrum AAZ der Spital Thurgau AG zeigten, sondern ist mit 300'000 Franken pro Jahr auch selber kostengünstig. Dies ist dadurch möglich, dass auf bestehenden Strukturen aufgebaut wird: Einerseits weitet das AAZ seine telefonische Erreichbarkeit tagsüber leicht aus, andererseits übernimmt die Clienia Littenheid AG die restlichen Zeiten mit einem Pikettdienst und ihrem bestehenden Nachtdienst.

Konzept und Finanzierung der neuen Helpline wurden vom Regierungsrat im Mai 2020 genehmigt. Bis Mitte 2025 wird über das neue Angebot Bilanz gezogen und entschieden, ob es in einen ordentlichen Leistungsauftrag überführt wird.

Ab kommendem Donnerstag, 1. Juli 2021, werden Fachleute und die Öffentlichkeit auf die neue Helpline aufmerksam gemacht. Die gemeinsam mit einer Thurgauer Agentur geplante Informationskampagne umfasst neben klassischer Kommunikation via Flyer, Plakate und Inserate auch Online-Werbung und eine Social-Media-Kampagne.

Einfluss der Corona-Pandemie

Die Förderung der psychischen Gesundheit für Kinder und Jugendliche ist seit vier Jahren ein Schwerpunkt des Ressorts Gesundheitsförderung, Prävention und Sucht des Kantons Thurgau. Die Thematik hat durch die Corona-Pandemie an Aktualität gewonnen und aufgezeigt, wie zentral – und letztlich kostensparend – es ist, dass Kinder und Jugendliche frühzeitig Unterstützung erhalten, wenn sie psychisch belastet sind. «Wir haben uns während der Pandemie intensiv und mit hohen Kosten für die körperliche Gesundheit der Bevölkerung eingesetzt. Mit der Helpline Thurgau schaffen wir nun eine kompetente Anlaufstelle für die Jugend. Diese ist besonders von der Pandemie betroffen und im Fall psychischer Probleme auf rasche Hilfe angewiesen», fasste der Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin zusammen.

Weitere Informationen unter www.helpline-thurgau.ch .

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Referendum Medien

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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