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Untersuchung der HSG

57 Prozent der Hausbesitzerinnen wollen eine Solaranlage auf dem Dach

Die Umstellung auf erneuerbare Energien bei der Gebäudeversorgung ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Klimawandel. In einer repräsentativen Umfrage hat das Institut für Wirtschaft und Ökologie der Universität St.Gallen untersucht, wie viele Hausbesitzer eine Solaranlage installieren würden.

Die Ostschweiz am 10. Februar 2020

Etwa ein Drittel des globalen Energieverbrauchs geht auf Gebäude zurück, die somit eine sehr relevante Rolle beim Ausstoss von Treibhausgasen spielen. Seit 2018 ist die finanzielle Unterstützung für Solaranlagen in der Schweiz deutlich reduziert worden. Im Jahr 2030 wird sie vollständig auslaufen. Dadurch fällt ein wichtiger finanzieller Anreiz für Neuinstallationen weg. Damit auch künftig zahlreiche Hausbesitzende für den Kauf einer Photovoltaikanlage gewonnen werden können, muss man die Präferenzen der Nutzer besser verstehen.

408 Hausbesitzende befragt

Aus diesem Grund befragte das Institut für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St.Gallen in einem so genannten «Choice Experiment» 408 Schweizer Hausbesitzende, die in den nächsten zehn Jahren eine Dach-Renovation beabsichtigen. Dabei mussten die Studienteilnehmenden zwischen verschiedenen hypothetischen Renovationslösungen auswählen. Diese unterschieden sich einerseits darin, ob Solarzellen eingesetzt werden oder nicht und falls ja, wie diese verbaut werden: Lediglich am Dach befestigt (Budget-Variante) oder fest mittels Solarziegeln in das Dach integriert (Premium-Variante). Zusätzlich mussten die Renovationsoptionen bezüglich Farbe, Investitionskosten, Rabattangeboten, Herkunft der Solarzellen und ihrem finanziellen Sparpotenzial bei den Energiekosten bewertet werden.

Produktdifferenzierung ist wichtig

Die Studie zeigt auf, dass 57 Prozent der Hausbesitzenden Interesse haben, bei ihrer Renovation eine Photovoltaikanlage einzubauen. 43 Prozent würden darauf verzichten. Zu letzteren gehören eher Frauen sowie Personen mit eingeschränktem Budget. 26 Prozent aller Befragten bevorzugen die Premium-Variante, 31 Prozent würden auf die Budgetvariante zurückgreifen. Dabei sind erstere nicht unbedingt wohlhabender als letztere und verfügen nicht über eine höhere Bildung.

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«Dieser Befund zeigt, dass eine Produktdifferenzierung vonseiten der Anbieter sehr wichtig ist für die maximale Verbreitung von Solaranlagen», sagt Beatrice Petrovich, die zusammen mit Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen und Dr. Stefanie Hille die Studie durchgeführt hat. Die Befragung ergab ausserdem, dass rote und schwarze Solarzellen beliebter sind als blaue, die aktuell immer noch am meisten angeboten werden. Die Hausbesitzenden bevorzugen ausserdem Panels, die in der Schweiz hergestellt wurden und jene aus Europa gegenüber jenen aus China.

Soziale Ansteckung nutzen

Photovoltaikanlagen stossen ausserdem auf eine grössere Zustimmung, wenn diese im sozialen Umfeld bereits verbreitet im Einsatz sind. «Dies könnte von Personen aus der Politik oder Marketingleuten genutzt werden, etwa indem spezielle Kampagnen gefahren werden, die beispielsweise Neuinstallationen für das Umfeld sichtbarer machen», so Beatrice Petrovich.

Ästhetische Solaranlagen für öffentliche Gebäude

Auch die allgemeine ästhetische Wahrnehmung von Solar Panels sollte adressiert werden. Denn gemäss der Studie ist ein wichtiger Grund für deren Ablehnung, dass sie als unschön empfunden werden. Beatrice Petrovich dazu: «Dies könnte etwa angegangen werden, indem bei markanten öffentlichen Gebäuden in Zusammenarbeit mit Architekten ästhetisch ansprechende Photovoltaik-Anlagen verbaut werden.»

Die Studie des IWÖ-HSG ist Teil eines interdisziplinären Forschungsprojektes, das vom Schweizer Nationalfonds finanziert wurde und sich mit den Barrieren für die Verbreitung von gebäudeintegrierten Solaranlagen befasst.

Die Gesamtstudie ist hier zu finden.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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