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Strafanzeige eingereicht

Appenzeller PNOS-Mann will Schwule heilen und Testosteron verbreiten

Eine Strafanzeige des Schwulenverbands Pink Cross gegen die rechtsradikale Partei PNOS rückt deren Appenzeller Sektionsleiter Florian Signer ins Zentrum. Signer hat ein Pamphlet über Homosexuelle veröffentlicht. Er hat aber noch andere verrückte Thesen auf Lager.

Stefan Millius am 04. September 2018

Homosexuelle sollten sich «der Wissenschaft zur Verfügung stellen», damit diese herausfindet, ob ihre Veranlagung körperliche oder psychische Ursachen hat. Und damit sie danach geheilt werden können. Angesichts der demografischen Lage, die Europa in den Niedergang führt, sind Schwule «eine zusätzliche Gefahr» - sie machen schliesslich keine Kinder. Europa befindet sich in einem Krieg, und Homosexuelle sind «demografische Deserteure». Homosexualität «unterstützt Pädophilie indirekt». Und Kinder, die von Homosexuellen adoptiert werden, sind «seelische Zeitbomben».

In diesem Schlag geht es weiter. Der Autor dieser Thesen heisst Florian Signer. Er ist «Vorsitzender Kanton Appenzell» der Partei National Orientierter Schweizer, kurz PNOS. Nebenbei bemerkt: Bei aller Heimatliebe scheint bei der PNOS bisher niemand gemerkt zu haben, dass es keinen «Kanton Appenzell» gibt.

Nun droht der PNOS aufgrund des Pamphlets über Homosexualität aus der Feder von Florian Signer juristisches Ungemach. Pink Cross, der Dachverband der schwulen und bisexuellen Männer, hat die Partei angezeigt. Sogar beim Verband ist man realistisch genug, um zu wissen, dass die Anzeige kaum erfolgreich sein wird. Es gibt in der Schweiz kein Gesetz, das bei Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung greift. Man will wohl einfach ein Zeichen setzen.

Der «Appenzeller Vorsitzende» fällt nicht zum ersten Mal auf mit Aussagen, die wahlweise als wirr oder verwerflich beurteilt werden können. Signer wird innerhalb der PNOS als «Geostratege» bezeichnet, soll sich also für die rechte Partei mit der Geopolitik befassen. Und da glänzt er mit Originalität.

In Bezug auf die Migrationsfrage bringt Signer eine ganz neue These ein. Er ist der Ansicht, die jungen Männer, die zu uns flüchten, vor allem diejenigen aus dem arabisch-islamischen Raum, würden «nur so von Testosteron strotzen». Dank diesem Sexualhormon wirken sie dann auf Frauen in unseren Breitengraden «instinktiv anziehend».

Signers Gegenmittel: Die europäischen Männer müssen dafür sorgen, dass ihre eigene Testosteronproduktion auf Trab kommt. So bleibt unsereiner attraktiv. Und die Frauen wandern nicht mehr «aus subtilen sexuellen Gründen zu den Migranten ab».

Selbst ein kleines Rezept für mehr Testosteron liefert der PNOS-Mann. So alltägliche Dinge wie Nüsse und Haferflocken sollen mit Bockhornklee und Erd-Burzeldorn vermischt werden. Damit werde die Testosteronausschüttung angekurbelt.

Der Journalist Hans Stutz, der sich auf die Beobachtung der rechten Szene spezialisiert hat, bringt es auf die Losung: «Auch Birchermüesli rettet das Abendland.» Nicht bekannt ist, ob Florian Signer selbst seine Rezeptur bereits ausprobiert hat und daran ist, dieses Abendland im Alleingang zu retten.

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Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist freier Mitarbeiter von «Die Ostschweiz». Seine Stationen führten über das «Neue Wiler Tagblatt», Radio aktuell, die ehemalige Tageszeitung «Die Ostschweiz» zum «Blick».

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