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Reisetagebuch

Coronazeit in der Südsee – eine Reise durch andere Welten

Der Appenzeller Hansjörg Hinrichs, Südsee-Spezialist und Inhaber der Reiseboutique «Pacific Society», hat sich zu einem Selbsttest in der Südsee entschlossen. Er startete am 19. September seine Reise nach Tahiti. «Die Ostschweiz» berichtet in einer Serie von seinen Reiseerfahrungen. UPDATE: TEIL 8

Hansjörg Hinrichs am 09. Oktober 2020

Zum Selbsttest:

Am 19. September 2020 startete Hansjörg Hinrichs seinen Selbstversuch und reiste nach Papeete, der Hauptstadt von Französisch-Polynesien. Sie liegt auf der Insel Tahiti. Unterwegs vor Ort will der Reiseexperte erfahren, was wirklich Sache ist. In dieser seltsamen Zeit, geprägt von für ihn oftmals diffusen Informationen und Lethargie will Hinrichs ein Zeichen der Kompetenz setzen und Fakten und Perspektiven prüfen. Denn eines ist für ihn sicher: Es wird wieder gereist werden, früher oder später.

Zur Destination:

Im Vergleich zu anderen Weltgegenden ist Ozeanien bis heute nur wenig oder kaum von der Pandemie betroffen. Französisch-Polynesien ist seit dem 15 Juli offiziell bereisbar. Dies ohne Quarantäne, jedoch mit einem autorisierten negativen Test, gemacht 72 Stunden vor Abflug. Nach der Einreise wird nochmals ein Selbsttest am vierten Reisetag verlangt. Unterwegs und vor Ort gilt Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln an genau definierten Örtlichkeiten.

Hier kann man in Echtzeit mitreisen.

Nachfolgend das Reisetagebuch mit den neusten Einträgen an oberster Stelle.


08. Oktober 2020 - Fazit

Liebe LeserInnen,

reich beschenkt und erfüllt von Dankbarkeit sitze ich auf unserer Südseeinsel im Appenzellerland. Rund um mich das graue Coronameer voller Unsicherheiten und Irritationen. Jetlagbedingt bin ich hellwach. Es ist frühmorgens. Der Mond, mein Südseebegleiter, pflügt sich durch die Wolken. Ich fühle mich gut in der Quarantäne - eine geschenkte Zeit der Ruhe nach intensiven Tagen am anderen Ende der Welt.

Was bleibt von meiner Testreise? Ich könnte mit den Antworten ein dickes Buch schreiben. Bei aller Fülle hätten sie wohl eines gemeinsam: Berührtheit und Daseinserfahrungen, die weit tiefer als nur unter die Haut gehen.

Französisch-Polynesien lässt sich in seiner Fülle und Vielfalt mit keiner anderen Inselregion der Welt vergleichen. Zweifelsohne ist sie momentan sicherer als die Bahnhofstrasse in Zürich. Dazu kommt die Warmherzigkeit der Menschen. Sie hat mir den Abschied nicht leicht gemacht.

Auch zeigt die Erfahrung, dass Reisen in Polynesien weit einfacher ist, als gemeinhin angenommen wird. Herbst und Frühwinter gelten als ideale Reisezeiten. Buchungen sind bereits seit Mitte Juli möglich. Die Hin- und Rückreise via Vancouver ist so problemlos und zügig wie nie zuvor. Alle notwendigen Schutzmassnahmen sind konsequent im Alltag integriert. Sie werden mit erstaunlicher Gelassenheit gelebt.

Reisen im coronaverschonten Polynesien beschert Wohlgefühle mit lebenslanger Wirkung. Eine sorgfältige Vorbereitung und eine professionelle Betreuung sind sehr empfehlenswert.

Auf ihr basiert auch der Erfolg meiner Reise. Alles lief rund. Dafür danke ich allen, die dafür gesorgt haben: unseren Freunden und Bekannten in Polynesien und dem Team von PACIFIC SOCIETY.

Mit Freude durfte ich unterwegs feststellen, dass meine Reiseberichte via WhatsApp rege beachtet wurden. Herzlichen Dank für die sehr geschätzten Rückmeldungen.

Auch gilt mein Dank der Redaktion der Online-Zeitung www.dieostschweiz.ch. Mit der Publikation meines Tgebuches hat sie ihren LeserInnen eine Kopfreise in die Südsee ermöglicht.

Zum Schluss noch ein Tipp: Lassen Sie sich nicht zu sehr durch die Wirren unser seltsamen Gegenwart bestimmen. Schenken Sie sich gute Zeiten wo und wie auch immer. Und falls Sie am Suchen sind: Ich wüsste wo.

Mit sonnigem Südseegruss

Hansjörg Hinrichs


5. Oktober 2020

«Le grand bleu qui fait mal aux yeux», lautet der Titel einer aufschlussreichen Sammlung von Südseegeschichten von Alex W. Du Prel (vergriffen, leihweise bei pacificsociety.ch erhältlich). Er spricht mit seiner Titelwahl die Magie der Südsee an. Seit eh und je verzaubert und irritiert sie als Gesamtkunstwerk: die Menschen mit ihrer Kultur und ihrem Lebensverständnis, die Natur vielerorts in einzigartiger, paradiesischer Vielfalt. Und dazu jenes Licht und jene Farben, die mitunter blenden und immer wieder neu berühren. Wie auf Tetiroa, einem Juwel - einer Welt für sich.

Das kleine Atoll, zwanzig Flugminuten von Papeete entfernt, diente einst den Königen von Tahiti als Sommerresidenz. Während der Kolonialzeit geriet es in Vergessenheit. Bis Marlon Brando kam.

Berauscht von seinen Südsee - und Frauenerfahrungen rund um die Dreharbeiten zum Film «Die Meuterei auf der Bounty» gelang ihm der Kauf des Kleinods - ein juristischer Kraftakt. Mit Hilfe bester Beziehungen wurde viel traditionelles Recht zurechtgebogen. Die damaligen Bewohner mussten gehen. Die Insel wurde privatisiert.

In sonnendurchfluteten Palmenwäldern liess Marlon Brando ein Bungalow-Hotel bauen: ein stilvoller, völlig in die Umgebung integrierter Südseetraum mit atemberaubenden Strandlagen - einfach, luftig und sehr komfortabel. Die geschickte Verwendung vorhandener Materialien gaben dem Projekt sein einzigartiges Gepräge. Unvergesslich bleibt mir das Badezimmer: Die Dusche aus Bambusrohren, eine riesige Mördermuschelschale als Lavabo, am Boden mehlfeiner Sand und geschliffene Korallen.

Ich erkannte seinerzeit Marlon Brando auf dem Privatflug nach Tetiaroa: ein kleingewachsener Mann, füllig, mit langen, strähnigen Haaren, in langer schwarzer, priesterähnlichen Gewandung, mit übergrosser Sonnenbrille und mehreren Frauen im Schlepptau. Sein exzentrisches Gehabe war legendär. Es wurde mancherorts nur goutiert, weil er berühmt und offenbar wohlhabend war.

Im April 1983 fegte der Hurrikan Vena das ganze Hotel buchstäblich ins Meer. Es war der Anfang vom schlimmen Ende eines Südseetraumes. Sein Untergang riss ganze Lebensbiografien mit sich und endete im Desaster. Tetiaroa geriet in Vergessenheit.

Wie Phönix aus der Asche gibt sich heute das ehemalige Königsatoll ganz neu und sehr vornehm. Zudem versteht es sich als zukunftsweisendes Tourismusprojekt mit erhoffter Signalwirkung. Millionenschwere Investitionen und visionäres Denken haben dies möglich gemacht.

«Wir leben die Grundsätze von Marlon Brando weiter, haben sie zeitgemäss erweitert», sagt mir der Manager und zeigt auf die Solarpanels am Pistenrand. «Unser Ziel heisst Autonomie aus und mit der Natur. Isolation verstehen wir als Chance.» Die Umsetzung beeindruckt: Verrottetes Blattgut und verwelkte Kokosnüsse werden überall eingesammelt und mit Bulldozern zur Kompostierstelle gebracht. Es gibt einen Gemüsegarten zur Selbstversorgung, Wasser wird aus dem Meer aufbereitet und mehrfach genutzt, sorgfältig gezüchtete Bienen liefern Honig auf den Frühstückstisch.

In Zusammenarbeit mit der Universität Auckland werden vor Ort zukunftsweisende Ökoprojekte erprobt. Dazu gehören auch der Schutz und die Erforschung der artenreich Flora und Fauna. Ein besonderes Augenmerk gilt den Schildkröten, die im warmen Sand der langen Strände seit Urzeiten ihre Eier ablegen. Manchmal ziehen auch Wale vorbei.

Die Luxusbungalows der topmodernen Hotelanlage liegen weit auseinander. Versteckt in hellem Palmengrün mit eigenem Strand bietet ihre Lage ein Optimum an Privatsphäre und Diskretion - eine zentrale Maxime im Gesamtkonzept.

Wenn die massive Holztüre hinter einem ins Schloss fällt, fühlt man sich definitiv zuhause - oder anders gesagt, wie in einer Luxuswohnung im fernen Europa. Sehr gehobener Wohnstandard ist angesagt, natürlich per Klimaanlage gut gekühlt. Die Südsee darf draussen vor grossen Fenstern warten.

Ganz anders der Spa-Bereich, eine eigenwillig gestalte Wohlfühloase. Grossen Holzkugeln ähnlich fügen sich Häuser harmonisch in die gepflegten

Palmengärten ein. Man ist drinnen und draussen zugleich.

«Wir verstehen uns als Insel durch und durch. Tahiti und der Rest von Polynesien sind für uns weit weg. 'be disconnected' empfehlen wir unseren Gästen. Und wir tun mit unserem Vollservice alles dafür, das dem so ist.»

Tetiaroa ist eine Welt für sich.

Nächster Beitrag: Reisen in der Südsee zu Coronazeiten - Fazit und Ausblick.

Hinrichs

Marlon Brando am Set von «Meuterei auf der Bounty».


3. Oktober 2020

Bora Bora

Für den Flug von Papeete nach Bora empfiehlt sich ein Fensterplatz in der Flugrichtung links. Mit etwas Wetterglück kommt man dadurch in den Genuss eines der schönsten Panoramaflüge des Pazifiks.

Wie heute. Die Insel Moorea ist praktisch wolkenfrei, die Lagune von Raiatea-Tahaa klar, der Anflug auf das Lagunenszenario von Bora Bora atemberaubend.

Fataeva holt mich auf Bora Bora am Flughafen mit seiner Piroge ab. Die Fahrt über die Lagune ist noch immer ein Highlight: Türkistöne in betörender Vielfalt, dazu die pittoreske Silhouette des Otemanu, Kulisse zahlreicher Südseefilme, vielbesungen und täglich unzählige Male von Touristen aus aller Welt fotografiert.

Am Point Matira, wo sich sonst vollbesetzte Ausflugsboote über Schnorchel-Spots drängen, herrscht Ruhe. Nur ein einsamer Kitesurfer lässt sich vom Wind über die Lagune ziehen.

Der Ankunft auf der Hauptinsel ernüchtert. Vaitape, der Hauptort, gleicht halbwegs einer Geistersiedlung. Zahlreiche Shops sind geschlossen. Wo geöffnet ist, wird eher gelangweilt auf Kundschaft gewartet.

Bora Bora fasziniert und irritiert. Majestätisch schön und touristisch instrumentalisiert litt die Insel schon immer unter der Gier von Spekulanten und Glücksrittern. Bauruinen verschandeln idyllische Buchten. An besten Lagen vergammeln berühmte Hoteladressen. Das legendäre, einst traumhaft schöne Hotel Bora Bora ist zum Trümmerhaufen verkommen. Im «Blody Marys», einer ehemaligen Topadresse, zeugt die Gäste-Tafel von vergangenen Glanzzeiten. Wo einst Warren Buffet, Bill Gates und andere Berühmheiten das gute, satte Leben feierten, gähnt Leere. In den luxuriösen Südseewelten der Hotelghetos auf dem Aussenriff ist es ruhig geworden. Touristen, vornehmlich aus Asien, fehlen.

Und Corona? «Hatten wir auf der Insel nie. Einzelfälle von Kreuzfahrtschiffen wurden sofort isoliert. Wir halten uns genau an die Regeln. Ich habe dazu extra eine Ausbildung gemacht. Bora Bora ist coronafrei.»

Fataeva lädt mich an lokaler Adresse zum Essen ein. Gereicht wird ein frisch gefangener Paraha Peue, ein Mondfisch, eine Rarität, gross und fast so rund wie der Teller, zart auf der Zunge. Leider reicht die Zeit heute nicht für ein Südseepicknick mit lokalen Köstlichkeiten und einem Glas Wein auf seiner PrIvatinsel. Sicher aber das nächste Mal. Seit vielen Jahren gehören seine Lagunen-Exkursionen samt Schwimmen und Schnorcheln zu unseren Reisen. Sie verleihen einem Abstecher nach Bora Bora Würze und Authenzität.

Zur Nachbarinsel Raiatea ist es ein Katzensprung, 14 Minuten Flug. Doch der Unterschied zu Bora Bora berührt: Gemächlichkeit und polynesischer Alltag bestimmen Tun und Sein.

Beim Einchecken im Hotel fühle ich mich in eine andere Zeit zurückversetzt: Sehr gepflegtes, kolonial geprägtes Ambiente sorgt für jenes entspannte Wohlbefinden, welches schon früher Weltreisende gesucht und geschätzt haben dürften. Offen und luftig die Lobby, hölzern Treppen und Böden. Auf dem Balkon mit Sicht auf Palmen und Lagune lädt ein handgeflochtener, bequemer Tropenstuhl aus Indonesien zum Verweilen und Sinnieren ein.

Frühmorgens wecken mich krähende Hähne. Ruhe lieget über üppigen Blumengärten. Unterwegs grüssen die Leute mit einem Lächeln , Kinder spielen mit Kokosnüssen auf der Strasse.

Im Hinterland scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Verschlafene Dörfer, mächtige Vulkankulissen, Wälder, Felder, Buchten, leuchtende Lagunen und das leise Rauschen des Windes in den Nadeln mächtiger Eisenbäume. Kein Tourist weit und breit.

Im Hauptort Uturoa trifft man sich auf dem Markt, am Hafen oder beim Bier zum Schwatz - scheint alle Zeit der Welt zu haben. Mit und ohne Maske.

Auch Raiatea ist coronafrei.

Am äussersten Ende des Flugplatzes ziehen Ernst, der Pilot, und ich ein Kleinfugzeug aus dem Hangar. Nach dem Sicherheitscheck gibt uns der Tower Starterlaubnis und los geht‘s - im Tiefflug rund um die Insel Tahaa, umschlossen von Blautönen wie man sie wohl nur in der Südsee findet.

Nächste Station: Tetiaroa


30. September 2020

Tuamotu

Irgendwann geben die Wolken den Blick nach unten frei: Wir fliegen über die Tuamotus – Atoll reiht sich an Atoll, weiss schimmernd aus dem satten Pazifikblau, riesigen Perlenketten gleich.

Nach der Landung beginnen für Mitgereiste mit grossen Koffern hier die Hotelferien . Mein kleines Gepäck wird auf ein Boot umgeladen. Für mich beginnt die eigentliche Reise jetzt. Das Ziel: Südsee pur, weit weg von allem.

Mit 500 Pferdestärken am Heck rauschen wir los, quer über die Lagune. Weit vor uns zerfliessen Himmel und Wasser in blauer Unendlichkeit. Nach rund 60 Kilometern ein herzlicher Empfang mit Blumen und frischem Zitronensaft.

Poe, die Gastgeberin, zeigt mir mein Zuhause: ein einfacher Bungalow, blitzsauber samt WC und Dusche, farbig und luftig, mit kleiner Veranda und buntschimmernden Korallengärten in Sichtweite.

Durch die nahe Rifföffnung schieben Ebbe und Flut gewaltige Wassermassen in ewigem Rhythmus der Gehzeiten hin und her – wie flüssiges Glas, durchsetzt von unzähligen bunten Fischen.

Nach Sonnenuntergang gibts frischen Fisch und Gemüse. Man sitzt am grossen Tisch zusammen. Corona war hier nie ein Thema. Alles nimmt seinen gewohnten Lauf. Wie eh und je. Schon immer kamen nur wenige Besucher hierher.

Und wie schon auf den Marquesas machen hier ein sanfter Wind in den Palmen, ein funkelnder Sternenhimmel und der helle Mond auch die Nacht zum Südseetraum.

Am nächsten Morgen setzt mich Paul mit seinem Boot vor dem Riff ab und entschwindet im Farbenmeer des Universums. Irgendwann wird er mich wieder abholen.

Ich laufe durch seichtes, warmes Wasser zur ersten Insel, spüre weichen Sand unter den Füssen, bin geblendet von Licht und Farben. Die Ankunft kommt mir vor wie eine Landung auf einem anderen Planeten. Unbeschreiblich. Man muss es erlebt haben.

Nächste Stationen: Bora Bora und Raiatea / Tahaa.


27. September 2020

Marquesas:

Nach dreieinhalb Stunden Flug eine sanfte Landung in der Steppe: Heisser Wind fährt mir ins Gesicht. Rund um mich dürres, braunes Land - ich bin angekommen auf dem äussersten Nordzipfel der Insel Nuku Hiva, einem erloschenen Vulkan, rund 8 Millionen Jahre alt.

Dann die Fahrt hoch hinauf über den Kraterrand und mitten hinein in das grüne Inselherz, umrahmt von schroffen, zerfurchten Küsten. Nur schwer zugänglich verbergen sie die wohl attraktivsten Strandszenarien der Südsee überhaupt. Licht, Farben und Ihre paradiesische Wildheit betören seit eh und je. Kein Wunder blieben und bleiben Sinnsuchende , Abenteurer und Künstler wie Paul Gauguin oder Jaques Brel hier hängen.

Heute ist mein Corona-Selbsttest fällig - an sich einfach und problemlos im Hotelzimmer machbar. Doch ich will mehr erfahren, melde mich im Spital für einen ärztlich begleiteten Test. Die Durchführung erfolgt behutsam, präzise und in voller Schutzbekleidung.

Zudem erfahre ich von kompetenter Seite viel über das Thema Corona und nehme zur Kenntnis, dass die Marquesas völlig coronafrei sind.

Später dann das grosse Staunen: Tahia, lizenzierte Naturheilerin und Marquesianerin, setzt konsequent auf natürliche Prävention, auf die Stärkung des eigenen Immunsystems mittels Naturheilmittel - dies mit dem ganzen Respekt des lokalen Spitalpersonals. Ihr Tun wird generell als wesentlicher Strategieteil zur Eindämmung der Pandemie verstanden und kommuniziert. Kritische Krankheitsfälle werden zur Begleitung an sie verwiesen. Mehr noch: Auch das Pflegepersonal inklusive ÄrztInnen lassen sich von ihr begleiten.

Ausgeprägte Naturverbundenheit und gelebte marquesianische Identität bestimmen bis heute das Leben vieler Einheimischer. Weder Missionare, noch moderne Zivilisation konnten dem zutiefst spirtuell geprägten Daseinsverständnis dieser Menschen etwas anhaben.

Per Boot, zu Fuss und zu Pferd zeigen mir Fischer und Bauern Ihre Heimat und ihre Kraftorte: mächtige Tempel und Opferplätze weit verstreut in üppigem Grün.

Wissenschaftler vermuten hier das Zentrum einer einstigen polynesischen Kultur, möglicherweise bedeutsamer als bereits bekannte Orte.

Am Freitag bin ich zu einem Geburtstag eingeladen. Alt und Jung trifft sich an einem langen Tisch zu Speis und Trank. Und natürlich fehlen sie nicht - die lebensfrohen Gesänge begleitet von Gitarren und Ukulelen.

Ein sternenübersäter Südseehimmel leuchtet irgendwann über der ausgelassenen Festgesellschaft. Laue Winde tragen Meeresrauschen und Blumenduft durch die mondhelle Nacht. Ich übernachte unter Palmen.

Nächste Station: Fakarava/Tuamotu


24. September 2020

Der Ankunftsort Papeete ist gleichzeitig meine Basis für all meine bevorstehenden Inselbesuche.

Zwei Tage lang haben wir alles durchgecheckt: Flüge, Transfers, Meetings, Exkursionen. Alles bestens. Vor mir liegt das Programm unseres Klassikers, der Südsee-Traumreise «Der Blaue Traum», für einmal im Zeitraffer. Spielraum für Improvisationen ist kaum gegeben. Dennoch gäbe es nichts anderes, als das Beste aus den Umständen zu machen. Ich bin gespannt.

Das Routing ist erlesen und voller Kontraste: Moorea, Marquesas, Tuamotu, Bora Bora, Tahaa-Raiatea, Tetiaroa - Brandos Island. Das Wichtigste für mich: Wiedersehen mit all unseren Freunden und Bekannten, die wir teilweise schon über dreissig Jahren kennen und schätzen.

Erste Ausseninsel: Moorea.

Die Fähre legt im Hafen von Papeete ab. Vorbei an imposanten Luxusyachten geht es westwärts. Gazprom-Oligarchen, Ernesto Bertarelli und superreiche Araber haben hier ihre Schiffe parkiert. Frankreich garantiert ihnen jederzeit freie, problemlose Ausreise.

Nach vierzig Minuten Fahrt, dann der herzliche Empfang durch unsere Freunde und Bekannten.

Gerard und Pauline nehmen mich mit ins Hinterland, mitten hinein in die Ananas-Gärten. Hereiti lässt mich per Boot über die Blautöne ihrer Lagunenwelt schweben, kann kaum glauben, dass ich aus Zeitgründen nicht mit ihr Delphine besuchen und leuchtende Korallengärten erkunden kann. Dafür bin ich das nächste Mal dabei beim Rendezvous mit Walen, beim Schnorcheln, beim Schwimmen im herrlich lauen Blau und beim Picknick auf einer Insel…

Stattdessen ziehe ich auf eigene Faust los, sammle Informationen und Impressionen. Die Reise führt mich kreuz und quer durch die Insel.

Fazit: Respektvolle Gelassenheit im Umgang mit der Situation bestimmt die Tage. Das sogenannt grosse Weltgeschehen scheint weit weg, interessiert nicht. Man wartet einfach ab, lebt im Hier und Jetzt. Das Leben nimmt seinen Gang wie eh und je, Lebensfreude inbegriffen.

Eine entspannte, wohltuende Ruhe liegt über der Insel. Wie damals vor mehr als 35 Jahren, als ich zum ersten Mal hier war.

Die Touristenmassen fehlen. Kreuzfahrtschiffe bleiben fern. «Die Geschäfte laufen, könnten aber besser sein…», meint Paul hinter seiner kleinen Strandbar. «Sag Deinen Gästen, sie sollen doch kommen…» Sagt es und offeriert mir ein kühles Hinano-Bier.

Das Thermometer zeigt 28 Grad. Eine sanfte Brise lässt die Palmenblätter über uns leise rascheln, verliert sich über den unbeschreiblichen Farbsymphonien der Lagune…

Nächste Insel: Nuku Hiva / Marquesas

Papeete

(Bild: Hansjörg Hinrichs)


20. September 2020

Flug nach Tahiti: Welch eine Überraschung! Ein freundlicher Empfang, aufmerksamer Service und eine zügige Anreise mit nur einem kurzen Service-Halt im nachtstillen Vancouver. Auftanken und Kabinenreinigung sind angesagt. Vergessen sind die früheren mühsamen Transitstopps in Los Angeles.

Es war einer meiner schönsten Flüge nach Tahiti. Die Maske wurde zur Selbstverständlichkeit mit langen Essenspausen. Dazu gab es viel Platz in der Business Class, im Gegensatz zur Economy, wo drangvolle Enge herrschte . Die Maschine war fast voll – offenbar hat Tahiti kaum an Anziehungskraft verloren.

Die Einreise verläuft bestens organisiert, flüssig und problemlos. Hilfsbereites, blumengeschmücktes Personal assistiert, verteilt den persönlichen Nachtest und wünscht guten Aufentalt.

Alle üblichen Schutzmassnahmen werden umsichtig und entspannt eingehalten . Auch im Hotel. Lockerheit und Freundlichkeit sorgen für gute Stimmung – geprägt vom klaren Licht des herrlichen Südseetages und dem süssen Duft der Tiareblüten.

Bevor ich zu Frühstück gehe, setze ich mich unter eine Palme und lasse meinen Blick über die leuchtenden Blautöne der Lagune ziehen. Meine Seele möchte auch ankommen.

Tahiti

Blick aus dem Hotelzimmer in Tahiti. (Bild: Hansjörg Hinrichs)


19. September 2020

«Heute starte ich offiziell zu meinem Selbsttest in die Südsee. Unterwegs und vor Ort will ich erleben, wie sich Reisen in unserer seltsamen Zeit anfühlt. Ich bin sehr gespannt wohin und zu wem mich die Reise führt. Und was sie mit mir macht.

Tahiti ist seit dem 15. Juli 2020 bereisbar. Ich werde erleben, was das heisst und welche Perspektiven sich für die Zukunft zeigen.

Angefangen hat es heute morgen im nebligen Appenzellerland. Mittlerweile bin ich in Paris bereit für den grossen Sprung ans andere Ende der Welt.

Der Transit auf dem Flughafen Charles De Gaulle in Paris hatte es in sich: Grosse Leere in weiten Hallen und fahle Lethargie, patrouillierende und bewaffnete Soldaten, geschlossene und teilweise vergitterte Läden und kein taugliches geöffnetes Restaurant.

Tahiti

(Bild: Hansjörg Hinrichs)

Stölzle /  Brányik
Über den Autor
Hansjörg Hinrichs

Der Südseespezialist Hansjörg Hinrichs bereist Ozeanien seit über 30 Jahren. 2017 erschien sein Bildband «Sehnsucht Südsee». Als Impulsreferent zeigt er auf was nicht nur Manager von Urvölkern lernen können. Seine Reisemanufaktur PACIFIC SOCIETY bietet exklusive Erlebnisreisen in die Südsee an.

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