logo

Adrian Krüsi im Interview

«Das Gründenmoos soll mehr als ein Sportzentrum werden»

Der Bundesrat will eine polysportive Anlage im Gründenmoos finanziell unterstützen. Doch das ist nur der erste Schritt, wenn die Vision Wirklichkeit werden soll. Adrian Krüsi, Präsident des Vereins «Netzwerk Sport», im Gespräch über die nächsten Massnahmen.

Stefan Millius am 06. April 2021

Eine Art «Magglingen» in der Ostschweiz: Diese Vision ist einen grossen Schritt näher zur Realisierung gelangt. Denn das Projekt im Gründenmoos hat Aufnahme in eine Botschaft des Bundesrats über Sportanlagen in der ganzen Schweiz gefunden; wir haben berichtet. Adrian Krüsi, Präsident des «Netzwerk Sport», das im Westen von St.Gallen neue Perspektiven für die Region schaffen will, im Gespräch mit «Die Ostschweiz».

Adrian Krüsi, was gab aus Ihrer Sicht für den Bundesrat den Ausschlag, dass Ihr Projekt in die Botschaft gelangte, was sind die wichtigsten Kernpunkte des Projekts für Sie, die überzeugt haben könnten?

Was genau den Ausschlag für unser Projekt Sportfeld Gründenmoos gegeben hat, ist schwierig zu sagen. Wir kennen die anderen Bewerber nicht und wissen nicht, was neben unserem Projekt auch noch eingegeben worden ist. Es ist anzunehmen, dass wir mit den gleichen Argumenten punkten konnten, wie bereits beim positiven Zuschlag von Seiten des St.Galler Stadtrates im vergangenen März 2020. Wir fokussieren nicht nur auf eine Sportart, sondern wollen ein Leistungssportzentrum für diverse Richtungen realisieren, dass unter anderem auch dem Freizeitsport zur Verfügung stehen soll. Neben dem Sport bilden aber auch die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Gesundheit einen wesentlichen Bestandteil unseres Projektes. Der Sport wird aber stets im Zentrum stehen. Alle anderen Bereiche müssen die Entwicklung der Talente unterstützen, damit erstens das volle Leistungspotential entfaltet werden und zweitens der Schritt in die Wirtschaft nach der Karriere so gut wie möglich stattfinden kann. Es ist uns wichtig, dass wir beim Sportfeld Gründenmoos nicht nur von einem Sportzentrum sprechen, sondern von einem Gesellschaftsprojekt.

Das Parlament muss seinen Segen zur Botschaft geben. Wie optimistisch sind Sie da? Betreibt der Verein nun aktive «Lobbyarbeit» bei den Parlamentariern?

Wir gehen davon aus, dass das Parlament dem Antrag des Bundesrats folgen wird. Die technische Prüfung hat bereits durch Experten stattgefunden und die unterstützungswürdigen Anträge hat der Bundesrat ebenfalls geprüft und in die Botschaft aufgenommen.

In der Vergangenheit war es oft so, dass Projekte in der Stadt St.Gallen in anderen Ostschweizer Kantonen wenig Rückhalt genossen – das verpasste Schwingfest ist ein Beispiel. Wie möchten Sie Thurgauer, Innerrhoder und Ausserrhoder – vor allem die dortigen Bundesparlamentarier – davon überzeugen, dass diese auch profitieren werden?

Wie gesagt kennen wir die weiteren Projektanträge nicht und können nicht beurteilen, ob es in unseren Nachbarkantonen weitere unterstützungswürdige Anfragen gegeben hat. Fakt ist, dass unsere Region in der Vergangenheit nicht üppig mit NASAK-Geldern unterstützt worden ist und wir ein Projekt vorliegen haben, dass der Idee der NASAK.Gelder zu 100% entspricht. Zudem wird unser Projekt sowohl von der Stadt St.Gallen als auch vom Kanton St.Gallen unterstützt, und es besteht ein hohes Interesse für eine erfolgreiche Umsetzung. Durch die Machbarkeitsstudie innerhalb von Sportvision Ost werden über den Kanton St.Gallen nun die Brücken in die anderen Ostschweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein gelegt. Sportvision Ost will das volle Potenzial für den Spitzensport und eine sportbegeisterte Gesellschaft in der Ostschweiz in Bewegung bringen.

Das heisst, frühere Pleiten sind für Sie kein böses Omen?

Auch wenn in der Vergangenheit die Stadt St.Gallen oftmals bei Bewerbungen oder Vergaben das Nachsehen hatte, war es nie eine Frage der Qualität oder des Engagements. Im Projekt stecken aus unserer Sicht einmalige Chancen für den Sport, die Wirtschaft und eine aktive Nachwuchsförderung. Die Stadt St.Gallen hat sehr viel zu bieten und kann mit dem Projekt Gründenmoos ihre Vision einer national und international anerkannten Sport- und Kulturstadt nun aktiv vorantreiben. Mit dem Sportfeld Gründenmoos und einem möglichen Swiss Olympic Zentrum wollen wir für die gesamte Region Gravitation erzeugen, die im ganzen Land wahrgenommen wird und die Sportentwicklung auf allen Ebenen in der Ostschweiz voranbringt.

Wie sehen die nächsten Schritte des Vereins aus, wenn das Parlament die Botschaft und damit einige Millionen Franken für Ihr Konzept absegnet, was passiert konkret? Für die abschliessende Finanzierung ist ja noch einiges mehr nötig.

Seit dem Zeitpunkt der Eingabe ist bereits wieder sehr viel geschehen. Zur Zeit läuft wie gesagt die Machbarkeitsstudie und eine Bedarfsanalyse im Rahmen von Sportvision Ost. Ebenfalls laufen intensive Gespräche mit der Stadt St.Gallen in Bezug auf die Entwicklung des Gebietes Gründenmoos. Im Wissen, dass die NASAK-Gelder nur ca. 10% des kompletten Investitionsvolumens abdecken, wurde für das Projekt Sportfeld Gründenmoos eine Aktiengesellschaft gegründet. Diese ist nun für die Entwicklung und Finanzmittelbeschaffung verantwortlich.

Und wie geht man da konkret vor?

Die Realisation der Vision eines einzigartigen Sportfeldes im Gründenmoos erfordert viel Energie und Arbeit. Seit dem Zeitpunkt des Zuschlages durch den Stadtrat St.Gallen sind gerade einmal 12 Monate vergangen. In der Zwischenzeit ist das Sportzentrum Gründenmoos von der Migros per 1. Oktober 2020 komplett übernommen worden, eine Machbarkeitsstudie im Auftrag des Bildungsdepartementes des Kantons St.Gallen in Bearbeitung, Bedarfsabklärungen mit Vereinen und Verbänden und Gespräche im Rahmen der GESAK der Stadt St.Gallen als auch Gossau am Laufen. Die Dynamik unseres Projektes Sportfeld ist enorm und wir spüren, dass die Zeit für eine Umsetzung unserer Vision nun reif ist. Nun gilt es die ganze Stadt, die Sportverbände, die lokale Politik, die Wirtschaft und die Bevölkerung hinter das Projekt zu bringen. Denn für all diese Anspruchsgruppen entstehen viele Chancen, welche nur mit Mut und Engagement gemeinsam angepackt werden können.

WERBUNG
Ostschweiz unterstützen

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.