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Eine Stadt staunt

Das Wunder von Fürth

Im deutschen Fürth kratzt man sich an den Köpfen. Verstösse gegen die Coronaregeln im grossen Stil – aber keine Ansteckungen.

Stefan Millius am 12. Juni 2021

Natürlich freut man sich auch in der deutschen Stadt Fürth darüber, dass die reportierten Ansteckungszahlen im freien Flug nach unten sind. Man freut sich - und wundert sich. Vor allem der Oberbürgermeister. Denn der hatte sich bereits grosse Sorgen gemacht. Nachdem der Fussballclub Greuther Fürth in die Bundesliga aufgestiegen war, hatte sich das euphorische Volk in der Stadt versammelt und gefeiert – und dabei weder auf Maske noch Distanz geschaut. Die erste Reaktion der Stadtbehörden: Nun droht uns die Apokalypse.

Aber oh Wunder: Sie blieb aus. Die Fallzahlen sinken weiter. Das kann man mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen – oder aber daraus Schlüsse ziehen. Wie die Zeitung «inFranken.de» berichtet, will der Oberbürgermeister nun bei den landesweit Verantwortlichen eine Untersuchung des «Fall Fürth» anregen. Denn was hier geschehen sei, könne man nicht einfach übergehen. Obschon sich hunderte von Menschen nachweislich nicht an die Regeln gehalten hätten, passiere – nichts. Beziehungsweise sogar Gutes. Dasselbe Bild bot sich übrigens in Würzburg.

Eine bundesweite Erhebung solle zeigen, was das für die Verhaltensregeln und Massnahmen für Veranstaltungen im Sport-, Kultur- und Eventbereich heisse, so die Botschaft aus Fürth. Denn dass sich in der Stadt ein biblisches Wunder ereignet hat, kann man eher ausschliessen. Vielmehr weist das Resultat darauf hin, dass das, was unter freiem Himmel verordnet wird, schlicht und einfach überflüssig ist. Was viele schon gewusst oder geahnt haben.

Dass sich die Bundesbehörden darauf einlassen, den Ereignissen in Fürth Aufmerksamkeit zu schenken, ist aber nicht anzunehmen. Denn das Ergebnis könnte ja darauf hindeuten, dass das, was in Deutschland seit langem gilt und mit aller Härte durchgesetzt wird, nicht nötig ist.

Zudem: Was genau soll überhaupt untersucht werden? Hunderte von Menschen lagen sich jubelnd in den Armen, wie  man sogar im Video sehen kann – und nichts ist geschehen.

Bild: Alexander Meyer / Wikimedia

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Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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