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Achtung, fertig, auswandern!

Den beiden fehlt eigentlich nur der Schweizer Käse

Auswandern nach der Pensionierung? Diesen Traum hat sich Cornelia Good aus Herisau gemeinsam mit ihrem Partner erfüllt. Sie haben sich auf Sardinien ein Haus gekauft, es komplett umgebaut und sind vor einem Jahr darin eingezogen. Den Schritt ins Abenteuer haben sie noch nie bereut.

Michel Bossart am 23. Juni 2022
Cornelia Good Cornelia Good Cornelia Good Cornelia Good

Es brauchte nur zwei Besuche bei einem befreundeten Pärchen, das nach Sardinien ausgewandert war, bis Cornelia Good und ihr Partner überzeugt waren, dass sie ihr Leben als Pensionäre ebenfalls auf der Mittelmeerinsel verbringen wollten. Seit einem Jahr wohnen die beiden nun in ihrem frisch umgebauten Landhaus mit Meeresblick eine Fahrstunde von Cagliari entfernt.

«Hier fühlen wir uns wohl – das Meer und das Klima tun uns einfach gut», schwärmt die 67-jährige Herisauerin. Ihre Auswanderung wurde wegen der Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zwar etwas erschwert. Allzu oft konnten sie den Umbau ihres Hauses nicht persönlich überwachen, doch: «Wir hatten einen Bauleiter, dem wir vertrauten und der sich um alles gekümmert hat. Er hat uns auch mit allen Behördengängen geholfen», erzählt Cornelia Good. Das sei Gold wert gewesen. Denn die rüstige Rentnerin besuchte zwar vor der Auswanderung einen Italienischkurs von Pro Senectute, das habe zwar geholfen, doch so eine Auswanderung und ein Hausumbau, das spiele dann doch in einer anderen Sprachliga, meint sie.

Zum Kaffee zur Nachbarin

«Ciao Giovanna», unterbricht sie das Zoom-Gespräch, «sì, vengo per il caffè in the afternoon!» Sie lacht: «Die Kommunikation mit den Einheimischen klappt doch wunderbar.» Das sei gerade ihre Nachbarin gewesen, die unterwegs zum Strand sei. Am Nachmittag trinken sie auf deren Terrasse manchmal gemeinsam einen Kaffee. «Wenn mir die italienischen Wörter gerade nicht einfallen, dann wechsle ich halt auf Englisch. Irgendwie verstehen wir uns immer.»

Die beiden Auswanderer haben in der Schweiz keine fixe Bleibe mehr. «Wir haben zwar nicht alle Brücken hinter uns abgebrochen, doch wir haben uns bewusst für ein Leben hier auf Sardinien entschieden.» An der Schweiz vermisse sie nichts. «Doch!», korrigiert sie sich sofort selbst: «Die Kinder, die Enkelkinder und den Käse!» Für die Familienangehören gibt es im Haus eine Einliegerwohnung, die auch rege benutzt werde, wie sie versichert. «Gerade waren die Enkelkinder hier in den Ferien. Das war sehr schön», sagt sie.

Mit der Schweiz verbunden

Vom politischen und gesellschaftlichen Leben in der Schweiz sind sie Dank des Internets nicht komplett abgeschnitten und informieren sich regelmässig, was in der alten Heimat so läuft. Nur abstimmen und wählen dürfen sie nicht, weil sie sich auf der Schweizer Botschaft in Rom noch nicht registriert haben. Die beiden gedenken aber, dies so bald als möglich nachzuholen.

Ja, sie würden jederzeit wieder nach Sardinien auswandern. Es sei aber wirklich von Vorteil, wenn man vor Ort jemanden habe, der einem mit der Sprache helfen könne. Gerade für Ämter oder Versicherungen sind gute Sprachkenntnisse unabdingbar. Und: «Klar», gibt sie zu bedenken, «man muss sich an einiges gewöhnen. Schliesslich sind wir hier in Italien und da läuft vieles anders als in der Schweiz.» Hier brauche halt alles manchmal etwas länger. Aber die nötige Geduld haben die beiden auf die Insel mitgebracht. «Schliesslich sind wir ja pensioniert», lacht sie.

Publikation mit freundlicher Genehmigung von www.ps-magazin.ch.

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Laveba 03/2022

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Michel Bossart

Michel Bossart ist Redaktor bei «Die Ostschweiz». Nach dem Studium der Philosophie und Geschichte hat er für diverse Medien geschrieben. Er lebt in Benken (SG).

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