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Satire

Der beste Sex, die totale Fruchtbarkeit – und was sonst noch alles?

Jede Angst vor der Covid-19-Impfung ist unbegründet. Aber mehr noch: Es wird alles besser mit ihr. Der Beischlaf, die Eierstöcke, die Qualität der Spermien: Dieser Impfstoff ist das reinste Wundermittel. Vermutlich wissen wir noch nicht einmal die Hälfte.

Stefan Millius am 19. Juli 2021

Als die ersten Gerüchte aufkamen, die Impfung gegen Covid-19 könnte die Fruchtbarkeit der Frau negativ tangieren, mussten die Oberimpfer der Nation begreiflicherweise dagegen angehen. Belege für diese Behauptung fehlen, man hätte also einfach sagen können: «Belege für diese Behauptung fehlen.» Und fertig.

Aber ein reines Dementi ist total unsexy. Da muss mehr her. Und so erfahren wir inzwischen: Die Impfung ist nicht etwa ein Hindernis auf dem Weg zur Fruchtbarkeit, sondern das pure Gegenteil. Denn so ganz nebenbei ist der Impfstoff ein wahrer Spermien-Booster. Theoretisch einfach, weil er die negativen Erkrankungen an Corona auf die männlichen Fortpflanzungsfähigkeiten verhindere. Aus dieser ausschliessenden Schlussfolgerung wurde dann aber umgehend in einem Kunstgriff eine «Verbesserung» der Spermien. Das sagte ein Experte im «Blick» jedenfalls und verwies auf eine «kleine, aber sehr gute Studie».

Ob das wohl die Studie einer amerikanischen Universität war, die «keine signifikante Abnahme der Sperma-Qualität» zeigte, bei der aber die Forscher selbst einräumten, es sei eine kleine Studie in einem kleinen Zeitrahmen mit gerade mal 45 Teilnehmern und ohne Kontrollgruppe?

Was bedeutet «keine signifikante Abnahme» in der schönen neuen Welt von Corona? Eine Verbesserung! Das ist in etwa so, wie wenn man einem Gelähmten, der seine Beine auch nach der Einnahme eines Medikaments nach wie vor nicht bewegen kann, mitteilt, seine Bewegungsfähigkeit habe nicht abgenommen, er sei nun also irgendwie sogar noch fitter als vor der Paraplegie.

Die Impfung macht laut der Blick-Schlagzeile aus den Spermien von Otto Normalverbrauchern offenbar Chuck-Norris-Spermien, die selbst eine Eizelle befruchten würden, die man ein halbes Jahr zuvor im Gemüsegarten vergraben hat. Was für Aussichten für verzweifelte kinderlose Paare!

Man wartet förmlich auf weitere gute Nachrichten aus der Welt der Impfung. Was kann sie sonst noch alles? Heilt sie Krebs? Beseitigt sie Dyskalkulie und Legasthenie – oder gar Alzheimer? Wird man 100 Jahre alt mir ihr, auch wenn man mit neun Jahren mit Rauchen begonnen hat? Wenn man überhaupt stirbt, versteht sich, und auch das ist noch nicht geklärt.

Die Chefetage des Pharmariesen Pfizer befindet sich im Wechselbad der Gefühle. Da macht man mit dem Biontech-Impfstoff Unsummen, aber gleichzeitig könnte der Bestseller Viagra darunter leiden. Denn wenn schon die Spermien auf magische Weise zu gepanzerten Supergleitern werden, die jedes Hindernis überrollen, wer sagt dann, dass nicht auch die Erektionsfähigkeit durch den Impfstoff steigt – ganz ohne blaue Pillen?

Wir sind offenbar auf dem besten Weg zum Übermenschen, und das nur dank einem Virus, der zunächst als bedrohlich wahrgenommen worden war. Corona hat einem Impfstoff ermöglicht, dank dem wir schon bald alle dauerschwanger sind (möglicherweise auch die Männer, Studien laufen noch) und ewig leben. Wäre das nur früher geschehen!

Und bevor wir es vergessen: Offenbar ist die Impfung auch ein Kalorienentsorger. Man kann sich problemlos alles in die Figur hauen, was man gerade möchte. Nur so ist es zu erklären, dass in Deutschland ein Fastfoodgigant, der mit dem grossen «M», eine Aktion gestartet hat, bei der man in Verbindung mit der Spritze in «Sparmenü» erhält. «Wir treiben es auf die Sp(r)itze», heisst der Slogan dazu.

Das wiederum kann man blind unterschreiben.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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