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Parlamentarier für ÖV

«Der Geduldsfaden ist gerissen»

Über Parteigrenzen hinaus wollen St.Galler Stadtparlamentarier für den ÖV aktiv werden. In einer Stellungnahme fordern sie eine «funktionierende S-Bahn». Der Kanton habe vor, das Unterfangen zu verzögern.

Die Ostschweiz am 14. März 2019

Die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr des Stadtparlaments - kurz: IGöV Stadt St.Gallen) - ist überparteilich zusammengesetzt. Mit dabei sind Parlamentarier aus SP, FDP, CVP, SVP, Grüne und GLP.  Ihnen gemeinsam ist: Sie wollenl den Druck auf Kanton und Stadt erhöhen, damit, wie es heisst, «die Versäumnisse vergangener Jahre rasch behoben werden.»

Denn eine Studie von Kanton, Regio und Stadt St.Gallen zeige auf: Ein verbessertes S-Bahn-System in der Stadt sei ohne ein drittes Gleis zwischen St.Gallen und Gossau möglich. Die kantonalen Behörden hingegen spricht von diesem dritten Gleis als Notwendigkeit und vertröstet auf Entscheidungsgrundlagen im Jahr 2023. Was wiederum heisst, dass sich vor 2030 nichts ändern würde.

Das geht der IGöV deutlich zu langsam. Den beteiligten Stadtparlamentariern sei «der Geduldsfaden gerissen», heisst es in einer Stellungnahme - und deshalb habe man sich organisiert. «Die Stadt St.Gallen verliert ein weiteres Jahrzehnt in ihrer Verkehrsentwicklung, wenn es nun nicht gelingt, die Arbeiten zu vertiefen und zu beschleunigen», so Doris Königer (SP).

 Nach ihrer Ansicht hat der Kanton eine «eindimensionale, pessimistische Sichtweise». Dieser zweifle an der Wirtschaftlichkeit einer zusätzlichen S-Bahn im Halbstundentakt, die über Durchbindungen bis ins Rheintal reicht und vollständig ins S-Bahn-Netz integriert ist. Dies sei aber verfrüht, bevor überhaupt fundierte Abklärungen zu Investitions- und Betriebskosten gemacht wurden. 

«Das Zaudern an der Davidstrasse schadet der Standortattraktivität von St.Gallen», betont denn auch Stadtparlamentarier Remo Daguati (FDP). «Die Bedeutung und Dringlichkeit einer optimalen S-Bahn als Standortfaktor und Treiber für die Entwicklung von kantonalen Schlüsselarealen in unserer Region wird vom Volkswirtschaftsdepartement schlicht unterschätzt“, so der Standortberater. Es geltedeshalb sorgfältig zu prüfen, wie allfällige Mehrkosten eines zusätzlichen Halbstundentakts zwischen den Stadtbahnhöfen und Gossau durch Einsparungsmöglichkeiten beim bestehenden Busnetz kompensiert werden können.

Ziel und Zweck der neuen Interessengruppe sei nicht nur, das Thema S-Bahn vorwärts zu bringen. Sämtliche politische Fragen rund um die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs mit Bezug und Wirkung auf die Stadt St.Gallen sollen neu überparteilich koordiniert werden. Zentrale Themen seien etwa die Fahrplangestaltung des Kantons und die Anbindung über die Schiene durch den internationalen wie auch nationalen Fern- sowie Regionalverkehr. Auch die Abstimmung des S-Bahn-Systems mit den vor- und nachgelagerten Zubringern, die regionale Anbindung über den öffentlichen Verkehr sowie das innerstädtische Netz in die Stadtquartiere und das Stadtzentrum werden in den Fokus der IGöV Stadt St.Gallen gerückt. 

Die Interessengemeinschaft wird zu ihren Sitzungen Fachpersonen und politische Entscheidungsträger einladen. Nebst Vorstössen und Mitberichten findet zudem einmal jährlich ein Informationsanlass statt. Stadtparlamentarierinnen und Stadtparlamentarier, welche die Ziele der IGöV Stadt St.Gallen mittragen, können Mitglied werden. Ein überparteilich zusammengesetzter Ausschuss koordiniert die Arbeiten und vernetzt sich mit den bestehenden Interessengruppen auf kantonaler und nationaler Ebene.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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