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«Overshoot Day»

Der Tag des schlechten Gewissens

Bereits am gestrigen 13. Mai hat die Schweiz die Ressourcen für das ganze Jahr verschossen. Der Erfinder des sogenannten «Overshoot Day» rät als Gegenmittel zu einem guten Schlaf. Das klingt immerhin nach einer einfachen Massnahme.

Stefan Millius am 14. Mai 2022

Unser Lebensstil verbraucht im Schnitt 2,8 «Erden». Würde die ganze Welt aus Schweizern bestehen, hätte der Globus bereits heute alle natürlichen Ressourcen für das gesamte Jahr verbraucht.

Der Tag, an dem dieses Negativziel erreicht ist, wird jedes Jahr als «Overshoot Day» begangen. Das klingt wie ein Computerspiel aus dem Kriegs-Genre, soll aber in erster Linie das schlechte Gewissen der Bevölkerung ankurbeln. 2022 war es in der Schweiz bereits am gestrigen 13. Mai so weit. Noch vor zehn Jahren waren wir punkto Ressourcen aber schon Mitte März ausgeschossen. Wir haben uns tüchtig gemacht.

Nicht genug, findet Mathis Wackernagel. Der Schweizer Ingenieur ist der Gründer des «Global Footprint Network», das den «Overshoot Day» initiiert hat. Wackernagel hat 1994 auch das Konzept des ökologischen Fussabdrucks miterfunden. Will man diesen verbessern, heisst das: Verzicht im Alltag.

Kein Auto? Nicht in die Ferien fliegen? Weniger heizen? Das hört fast niemand gern.

Deshalb verkauft der Experte für Nachhaltigkeit seine Botschaft inzwischen positiv. Auf srf.ch sagt Wackernagel, mit dem richtigen Verhalten könnten wir unsere «Ressourcensicherheit erhöhen». Darauf sei gerade die Wirtschaft angewiesen.

Auf die Frage, was jeder selbst zu einem reduzierten Verbrauch beitragen könne, sagt Mathis Wackernagel: «Der Einzelne soll gut schlafen. Wenn wir gut schlafen, machen wir bessere Entscheidungen.»

Damit hat sich der «Overshoot Day» für mich persönlich bereits gelohnt. Das ist endlich ein ökologisches Konzept, das ich seit Jahrzehnten befolge.

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Laveba 03/2022

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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