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Neues Buch von Giuseppe Gracia

«Der Tod ist ein Kommunist»

Am Donnerstag, 1. Juli, erscheint der neue Roman «Der Tod ist ein Kommunist» von Giuseppe Gracia. Im Gespräch mit Catholic News Agency, CNA, erzählt er, was seine Idee mit James Bond und Indiana Jones zu tun hat.

Die Ostschweiz am 01. Juli 2021

Herr Gracia, sind Sie schon geimpft?

Geistig lasse ich mich jede Woche impfen. Gegen mediale Volkserziehung, gegen den Moralismus unserer Elite bezüglich Corona, Klima oder Gender. Wie ich höre, ist das Genderstern-Virus für die vitalen Hirnfunktionen besonders gefährlich.

Ich meinte die Corona-Impfung.

Darauf verzichte ich. Ausser die Regierung verordnet es und sagt: Zum vollen Genuss der Grundrechte muss ich in Zukunft beweisen, dass mein Körper ungefährlich ist. Das wird eng! Vor allem, wenn der Staat nebst der körperlichen auch noch die geistige Gesundheit hinzunimmt. Dann wäre für viele Schluss mit Demokratie und Versammlungsfreiheit. In den Bars und auf der Strasse würden nur noch Linke und Veganer verkehren. In der Luft grüne Milliardäre und Hollywoodstars in klimaneutralen Privatjets.

Die Covid-19-Pandemie ist ein buchstäblich todernstes Thema. Wie kommen Sie darauf, mit «Der Tod ist ein Kommunist» ausgerechnet nun eine sinnliche Satire zu schreiben, in der es auch um Impfungen geht?

Ich weiss, es ist verwerflich, nach über einem Jahr Lockdown, Alarmismus und Pessimismus ein gut gelauntes Buch zu schreiben. Ein Buch, das sich lustig macht über freiheitsmüde, maskierte Schäfchen und ihre maskierten Hirten in der Regierung. Ich habe sogar Verschwörungstheorien zu einer actionreichen Handlung verwoben. Eine Mischung aus James Bond, Franz Kafka und Indiana Jones.

In Deutschland haben sich knapp 50 Schauspieler über die absurderen Aspekte der Lage lustig machen wollen – und wurden dafür vehement angegriffen und verurteilt, bis hin zur Forderung eines Berufsverbots. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen Ähnliches blühen könnte? Oder kokettieren Sie genau damit?

Nein, ich war schon vor Corona total verbrannt und erledigt. Früher war ich links-marxistisch mit Hang zu langen, kreativen Nächten. Heute gehe ich früh ins Bett, bin katholisch und seit 25 Jahren glücklich verheiratet. Das ist, fürs literarische Image, eine Katastrophe.

Ihr Blick in die Zukunft mag satirisch und aktuell sein – aber Sie verhandeln in Ihren Werken wie ihren Kommentaren bei der NZZ und anderswo diese Fragen ja als Katholik. Wie wichtig ist Ihre Religionszugehörigkeit für Ihr kreatives Schaffen? Die Frage stellt sich wohl so mancher Leser bei Zeilen wie diesen: «Valentin F. Waldenroder betrat den Raum, gehüllt in eine purpurrote Soutane mit silbernem Rochett, als Gurt ein weiss-goldenes Zingulum. Dazu trug er einen Rauchmantel, wie man ihn aus Gottesdiensten kennt, mit schwarzem Stehkragen.»

Chesterton hat einmal gesagt: Die Moral eines Schriftstellers ist nicht jene, die er darstellt, sondern jene, die er stillschweigend voraussetzt. Welche Moral setze ich voraus? Im Roman gibt es auf der einen Seite grössenwahnsinnige Globalisten, deren Politik zu Unfruchtbarkeit, kollektiver Depression und schlechtem Sex führt. Auf der anderen Seite stehen Helden der Freiheit, die sich verlieben, erotische Anziehung erleben und heiraten. Ihre Offenheit für Kinder wird im Grandhotel mit Dom Pérignon begossen. Ich weiss nicht, ist das katholisch?

Sie sind uneinsichtiger James-Bond-Fan, zitieren einen Film von John Carpenter, beschreiben auch in ihren Romanen eindrückliche Szenen: Wollen Sie, dass diese Satire verfilmt wird? Und wenn ja: Wer sind die Hauptdarsteller, wer macht Regie?

Spielberg hat noch nicht angerufen. Leider auch nicht Scorsese, oder John Carpenter. Wäre schon cool. Ich bewundere deren Filme und denke beim Schreiben oft ans Kino. Eigentlich schreibe ich sehr filmisch und höre dazu sogar Filmmusik – spannende, melancholische, romantische Musik, je nach Szene.

Ihr letzter Roman «Der letzte Feind» handelte von der Kirche. Spielt die Kirche diesmal auch eine Rolle?

Nein. Es geht um Trends der Postmoderne: Klimapolitik, Digitalisierung, Transhumanismus, Reproductive Rights als Programme zur Reduktion der Menschheit. Dazu hat die aktuelle Kirchenleitung wenig zu sagen. Die ist beschäftigt mit Konferenz- und Synodenpapieren, mit Reformdiskussionen zwischen Zölibat, Frauenquote und Selbst-Säkularisierung. Kein guter Stoff für eine Komödie, eher für eine Tragödie.

Das Buch «Der Tod ist ein Kommunist» kann hier bestellt werden. Einen Textauszug finden Sie unten aufgeführt.

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Ausschnitt aus «Der Tod ist ein Kommunist» – Von Giuseppe Gracia

Noch nie war der Hofstetter entführt worden und hätte sich nicht träumen lassen, dass es eines Tages in einer Limousine weit über seiner Einkommensklasse geschehen würde, auf dem Rücksitz neben einer schönen Frau, die nach Parfüm roch (Zitrus in der Kopfnote, Holz in der Basisnote).

«Wer sind Sie?»

Die Frau betrachtete ihn mit dem Schweigen ihrer grünen Augen, während sie hin- und her geschüttelt wurden, weil der Fahrer mit hoher Geschwindigkeit durch die Strassen Zürichs schoss und eine Tiefgarage ansteuerte.

Im Innern der Garage dann quietschende Reifen im Halbdunkel, und im Innern des Halbdunkels weiterhin das Parfüm der Unbekannten mit den grünen Augen, durchschnitten vom hereinflackernden, vorbeigleitenden Neonlicht der Tiefgarage.

«Bitte, ich bin total unwichtig!» rief Hofstetter. «Ich bin Journalist.»

Keine Antwort, nur ein Grunzen vom Fahrer vorne.

Man brachte Hofstetter in einen grossen, klimatisierten Raum und fesselte ihn an einen Bürostuhl.

Ein Mann mit graumelierten Haaren und randloser Brille, der im Raum gewartet hatte und sich neben die Frau mit den grünen Augen stellte, fragte ihn: «Wissen Sie, was los ist?»

«Was los ist? Ich bin gefesselt.»

Der Mann mit der Brille schien überrascht. Er runzelte die Stirn, während die Frau mit den grünen Augen zu Hofstetter kam.

Sie beugte sich zu ihm herab, ganz so, als wolle sie sich sein Gesicht einprägen, seine Augen, seine Stirn, seine Haare. Dann küsste sie ihn plötzlich – mit Lippen wie Rosenblätter.

Hofstetter begann zu zittern.

«Ich werde ihn lieben,» sagte die Frau. «Ich habe es gewusst, ich habe es von Anfang an gewusst.»

«Bitte,» keuchte Hofstetter, «das ist Folter.»

Der Mann mit der Brille schickte die Frau hinaus.

«Du kannst ihn nachher sehen, im Hotel,» sagte er.

Als die Frau weg war, erklärte der Mann: «Mein Name ist Brenner.»

«Gratuliere.»

«Ich werde Ihnen erklären, warum Sie hier sind,» erklärte Brenner. «Sie werden zuhören. Sie werden offen sein für die Möglichkeit, dass das, was Sie hören, wahr ist.»

Hofstetter nickte. «Ich werde offen sein wie nie.»

Brenner begann zu sprechen. Die Verschwörungstheorie, erklärte er, wonach es globale Mächte gebe, die verschiedene Pandemien sowie die Klimakrise dazu nutzten, um einen Umbau der sozialen und ökonomischen Grundlagen der Menschheit durchzuführen, sei keine Theorie, sondern eine Tatsache. Das werde dem einfachen Volk verschwiegen, denn dieses sei zu dumm und würde, wenn es die Wahrheit wüsste, nur Probleme machen, also den grossen Plan stören. Dieser grosse Plan allerdings, erklärte Brenner, sei nicht das Problem, denn auf der Welt habe es immer grosse Pläne gegeben, genauer gesagt: Es habe immer Reiche und Mächtige gegeben, die versucht hätten, der Menschheit ihren Stempel aufzudrücken.

Diese Mächtigen seien zum Glück aber regelmässig gestorben, und so seien auch ihre Pläne gestorben, vom Winde in alle Himmelsrichtungen der Vergänglichkeit gestreut, so Brenner in einem Anflug von Poesie. Irgendwann beende der Tod nun einmal alles, meistens mitten unter der Woche. Grosse Pläne seien also nicht das Problem, so Brenner. Das wirkliche Problem bestehe in den Kollateralschäden des Grössenwahns. Während Pläne und Grössenwahn vergänglich seien, könnten die Kollateralschäden eine sehr langlebige Wirkung entfalten. Wirtschaftlicher Massenruin, Bürgerkrieg, ja die totale Auslöschung der Menschheit.

«Bisher alles klar?» wollte Brenner wissen.

«Ganz und gar nicht,» erwiderte Hofstetter.

«Gut», fuhr Brenner fort. «Das Problem ist, dass wir in wenigen Jahren eine verhängnisvolle Demokratie- und Freiheitskrise erleben werden, verschärft durch die Klimakrise.»

«Und das wissen Sie ganz sicher?»

«Todsicher. Verschiedene wirtschaftliche und politische Krisen führen zum Untergang der Menschheit, wie wir sie heute kennen.»

«Und das wissen Sie so genau, weil Sie – in die Zukunft sehen?»

«Ich bitte Sie.» Für einen Moment tanzte die Andeutung eines Schmunzelns um Brenners sachlichen, trockenen Mund. Dazu glänzte die randlose Brille. «Niemand kann in die Zukunft sehen.»

«Natürlich nicht.»

«Nein. Wir kommen aus der Zukunft. Aus dem Jahr 2075.»

«Ach so,» antwortete Hofstetter.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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