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Mit Dashcam im künstlichen Stau

«Die Idiotie der St.Galler Verkehrsplanung kennt kaum mehr Grenzen»

Rund 8 Minuten statt wie üblich 20 Sekunden: So lange brauchte der St.Galler FDP-Stadtparlamentarier Remo Daguati für eine kurze Strecke in der Innenstadt. Dort findet derzeit ein «Echtversuch» statt - und Daguati dokumentiert diesen mit einem eigenen Test.

Stefan Millius am 15. September 2019

Um es vorwegzunehmen: Der ehemalige St.Galler Standortförderer sass nicht mit dem Handy filmend hinter dem Lenkrad, er nutzte eine Dashcam. Seine Mission: Er wollte zeigen, was der neueste Versuch der städtischen Verkehrsplaner für Auswirkungen hat. Und er dokumentiert das, indem er die Bilder mit seinen Einschätzungen kombiniert. Hier ist der Clip zu sehen.

Dabei geht es um eine neue Verkehrsführung am Oberen Graben vom «Einstein» her Richtung Broderbrunnen. Statt zwei Spuren gibt es dort testhalber nur eine. Im Echtversuch will man herausfinden, ob sich die Situation dort verbessert. Denn vor der Ampel, die dann den Weg geradeaus ins Stadtzentrum oder nach links auf die St.Leonhardstrasse freigibt, befinden sich zwei nicht geregelte Fussgängerstreifen. Das habe immer wieder zu schwierigen Situationen geführt, sagen die Verkehrsplaner. Und sie wollen im Versuch testen, ob es mit einer Spur besser laufe.

Tut es nicht, findet Remo Daguati. Bei seinen mündlichen Ausführungen spart er nicht mit happigen Vorwürfen an die Leute, die sich das Ganze ausgedacht haben. Es sei ein künstlich herbeigeführter Stau, der Verkehr verlaufe deutlich zähflüssiger als früher, nie habe er so lange gebraucht für die paar Meter wie mit der neuen (Test-)Anordnung.

Daguati äussert den Verdacht, das Ganze sei Teil der Strategie, den Autofahrern in der Stadt das Leben schwer zu machen. Es gebe zahlreiche andere Beispiele, bei denen das früher bereits gemacht wurde. Was auffällt: Die neue Verkehrsführung betrifft unter anderem die Zupendler aus dem Appenzellerland, die über die Teufenerstrasse in die Stadt kommen und dann via Oberen Graben ins Zentrum fahren wollen. Dass diese vielen Politiker aus dem links-grünen Spektrum ein Ärgernis sind, ist bekannt.

Besonders betroffen vom Versuch sind Leute, die versuchen, aus der Parkgarage herauszufahren, die direkt an dieser Strasse liegt. Angesichts des stauenden Verkehrs müssen sie auf die Gnade eines Autofahrers hoffen, damit sie einfädeln können.

Gemäss früheren Aussagen der Testverantwortlichen stellt man bei einer Zwischenaufnahme des Versuchs nicht fest, dass es hier nun mehr staue als früher. Dann müsste man also davon ausgehen, dass der FDP-Politiker bei seiner Durchfahrt gerade einen besonders schlechten Moment erwischt hat. Oder aber die Messdaten der Planer geben nicht das reale Leben wieder (da sie vermutlich nicht autofahren).

Die «Chancen» stehen angesichts des positiven Zwischenbereits der Planer gut, dass aus dem «Echtversuch» bald der Normalzustand wird. Und damit auch der tägliche Stau.

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Laveba 03/2022

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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