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Pleiten, Pech, Pannen – und Unverschämtheiten

Die SRG und ihre Abzockermentalität – und die Verlage, die helfen

Natürlich hätte man 2018 die No-Billag-Initiative annehmen sollen. Nur dämmert das leider einer Mehrheit erst jetzt aufgrund der aktuellen Exzesse der Abräumer-Liga. Adieu, Gebührengelder – für nichts und wieder nichts. Und was für eine Heuchelei von privaten Verlagen.

Stefan Millius am 17. Mai 2021

Mal sehen, was die SRG in jüngster Zeit so geschafft hat. Eine veritablen Missbrauch rund um sexistische Belästigung im eigenen Laden, sinkende Markanteile: Das ruft ja schon irgendwie nach einer Belohnung in Form von fetten Boni, oder? Klar doch. Deshalb kassieren SRF-Direktorin Nathalie Wappler und SRG-Generaldirektor Gilles Marchand auch einen solchen. Gut, ihre Bilanz ist hundsmiserabel, aber irgendeinen Vorteil muss es doch haben, bei einem faktischen Staatsbetrieb zu arbeiten. Da gibt es kein Leistungsprinzip, nur ein Anwesenheitsprinzip. «Ich bin hier, her mit der Kohle!» Mehr braucht es gar nicht.

Es gibt Leute in diesem Land, die hart schuften und nicht über die faktische Armutsgrenze hinaus kommen. Frau Wappler und Herr Marchand sind einfach da. Sie schaffen keinen Mehrwert, höchstens Probleme, aber garnieren immer mehr Geld dafür. Sogar in Coronazeiten, wo hunderte von SRG-Leuten auf Kurzarbeit gesetzt wurden, kassieren sie Boni. Das ist falsch, das ist unanständig, das ist, nennen wir es beim Namen, eine Sauerei, die nicht erlaubt sein sollte. Wir alle kommen letztlich für die Kurzarbeit von Unternehmen auf, und wenn die Führungsetage dann ernsthaft noch mehr Geld garniert, wird es schlicht und einfach widerlich. Hier noch mehr als bei privaten Unternehmen. Denn die Leute bekommen unsere Gebührengelder, die ein schöner Teil von uns nicht einmal bezahlen will, weil wir die Kanäle der SRG nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden.

Aber nun kommt der lustige Teil. Wer regt sich auf über diese Bonikultur? Zum Beispiel die Zeitungen des Verlags CH Media. Die tun richtig entrüstet, wie hier nachzulesen ist. Geht ja gar nicht, in solchen Zeiten so viel Geld zu verlangen,

Stimmt. Aber war da nicht mal was? War es nicht CH Media, das mit letztem Einsatz gegen die Initiative «No Billag» gekämpft hat, weil bei einem Ja das Gebührensplitting gefährdet gewesen wäre? Zur Erinnerung: CH Media betreibt diverse lokale Radio- und TV-Sender, die zwar samt und sonders unter «Dinge, die die Welt nicht braucht» laufen, aber ordentlich von den einstigen Billag- und heutigen Serafe-Gebühren profitieren. Und deshalb war der Verlag wie ein Löwe unterwegs für die Rettung der SRG. Tele Ostschweiz schickte – indirekt gebührenfinanziert – seine Crew in die Fussgängerzone, um gegen «No Billag» zu kämpfen, und damit fürs eigene Geld. Der einstige Chef des Senders hat sich inzwischen zu Tele Basel abgeseilt. Auch dort erhält er einen Teil der Gebührengelder der SRG. Am freien Markt, ohne dass einfach beim Bürger eingetriebene Franken reinkommen, würde er wohl verhungern.

Die meisten Leute, die am Kampf gegen «No Billag» beteiligt waren, haben schon ihr Leben lang direkt oder indirekt von staatlichen Geldern gelebt, daher war es für sie keine Frage: Retten wir die SRG mit ihren Gebühren – und damit auch uns.

Und nun, mit viel Verspätung, kapiert auch der eine oder andere Journalist von CH Media, dass unsere Radio- und TV-Gebühren in einem Selbstbedienungsladen fliessen, in dem sich inkompetente Emporkömmlinge dank politischer Verbrüderung gesundstossen. Wie viele unserer Leser erhalten zwischen 400'000 und 500'000 Franken pro Jahr, ohne wirklich Leistung abzuliefern?

«Too little, too late,» sagt der Engländer. « No Billag» wurde vom behördengläubigen Schweizer Stimmvolk abgeschmettert. Und sowieso: Ginge es aktuell wieder ums Gebührensplitting, würden die Redaktionen von CH Media schweigen und die SRG in Ruhe lassen. Man will ja nicht am eigenen Wohlergehen knabbern.

Als es um die Wurst ging, hätte bei CH Media niemand ein schlechtes Wort verloren über die SRG. Nun ist die Forderung vom Tisch, das Geld fliesst, da darf man dem Seniorpartner bei der Geldeintreibung auch mal ans Bein pinkeln. Aufgeklärten Medienkonsumenten sei es aber ans Herz gelegt: Wenn Sie eine Zeitung abonniert haben, hinter der CH Media steht, sollten Sie sich einige Gedanken machen.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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