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Vom National- zum Ständerat?

Dieser Mann setzt am 19. Februar 2019 alles auf eine einzige Karte

Der Thurgauer Nationalrat Markus Hausammann will Ständerat werden. Dafür verzichtet er auf ein Sicherheitsnetz: Für die Nationalratswahlen nimmt er sich bereits aus dem Rennen, bevor er offizieller Ständeratskandidat ist. Im Gespräch mit «Die Ostschweiz» sagt er, wieso.

Stefan Millius am 26. Oktober 2018

Er ist 54 Jahre alt, seit 2011 Nationalrat, und er präsidiert dort die nationalrätliche Finanzkommission. Das alles ist eine hervorragende Ausgangslage, um einfach weiterzumachen.

Doch Markus Hausammann, Meisterlandwirt aus Langrickenbach, hat sich anders entschieden. Am 19. Februar stellt er sich den Delegierten der Thurgauer SVP als Kandidat für die Wahl in den Ständerat, aus dem sich Roland Eberle zurückzieht. Auf eine Wiederkandidatur als Nationalrat hingegen verzichtet er.

Die SVP-Basis hat an der besagten Versammlung die Wahl zwischen Hausammann und Regierungsrat Jakob Stark, wie der Vorstand entschieden hat. Mit anderen Worten: Das ist für keinen der beiden Kandidaten ein Schaulaufen, das ist ein knallharter Zweikampf - mit ungewissem Ausgang.

Zwar kann Markus Hausammann auf acht Jahre Erfahrung in Bundesbern verweisen, aber Regierungsräte sind immer beliebte Anwärter für einen Ständeratssitz, und Jakob Stark hat im Kanton eine starke Basis.

Wird Hausammann von der SVP nominiert, sind seine Chancen gross, dann auch von den Thurgauerinnen und Thurgauern gewählt zu werden. Und dann dürfte er die nächsten acht bis zwölf Jahre weiter in Bern politisieren.

Unterliegt er im Februar allerdings, zieht er sich Ende 2019 aus Bern in den Thurgau zurück - ohne jedes politische Mandat. Das sind zwei völlig unterschiedliche Zukunftsaussichten. Im Gespräch sagt Hausammann, wieso er so vorgeht.

Interview mit Markus Hausammann:

Markus Hausammann, es wäre ja auch möglich gewesen, die Entscheidung über die Nationalratskandidatur bis nach der DV zu vertagen. Dann hätten Sie sich die Option Nationalrat offen gelassen. Warum haben Sie sich anders entschieden?

Ich bin überzeugt, dass meine Kandidatur als Ständerat glaubwürdiger ist, wenn ich nicht auf zwei Hochzeiten tanze und dass die standes- und sachpolitische Arbeit im Ständerat doch sehr auf mich zugeschnitten ist.

Und wenn Sie nicht für die Ständeratswahl nominiert werden, bleibt es dabei?

Ja, es ist ausgeschlossen, dass ich auf diesen Entscheid zurückkomme.

Bei einer Nichtnominierung wäre damit Ihre Zeit in Bern nach den Wahlen im Oktober vorbei. Sie sind erst acht Jahre dabei, Präsident der einflussreichen nationalrätlichen Finanzkommission und nach wie vor im besten Alter. Warum wollen Sie, wenn es mit dem Ständerat nicht klappt, bei dieser Ausgangslage nicht mehr nach Bern?

Das mit dem besten Alter ist Ihre Beurteilung, und ich glaube fest daran, dass es klappt. Wenn nicht, wäre es sicher eine herbe Niederlage. Ich müsste aber nach 32 Jahren als Milizpolitiker sicher kein schlechtes Gewissen mehr haben, meinen Dienst an der Öffentlichkeit nicht geleistet zu haben.

Ist Ihre Erfahrung im Bundesparlament aus Ihrer Sicht ein Vorteil für die Arbeit im Ständerat und damit ein Vorteil gegenüber Jakob Stark?

Ich habe mir in den sieben Jahren im Nationalrat in Bundesbern ein breites Netzwerk geschaffen und als Finanzkommissionsmitglied einen tiefen Einblick in die Funktionsweise der Bundesverwaltung erhalten. Das sind sicher gute Voraussetzungen für die Arbeit im Ständerat.


Für die SVP Thurgau heissen beide Fälle dasselbe: Sie muss bei den Nationalratswahlen mit Markus Hausammann eines ihrer Zugpferde ersetzen. Die drei Sitze halten will sie mit den beiden bisherigen Verena Herzog und Diana Gutjahr und mit vier neuen Kandidatinnen und Kandidaten.

Unter diesen befindet sich mit Daniel Vetterli auch ein Landwirt. Das ist nicht ganz unwichtig. Denn Markus Hausammann ist derzeit der letzte Bauer in der Thurgauer Delegation in Bern; früher hatte der Kanton stets mehrere bäuerliche Vertreter in der Bundespolitik gehabt. Läuft alles ganz schief, gibt es davon bald gar keinen mehr.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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