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Auflagen können nicht erfüllt werden

Eurovision Song Contest: Keine Bewerbung, dafür Beachtung und Schwung

Stadt, Kanton, Tourismus und Olma Messen reichen keine Bewerbung als Austragungsort des Eurovision Song Contest 2025 ein. Trotzdem hat die mögliche Kandidatur Schwung gebracht und die Veranstaltungsdestination St.Gallen mit der neuen Halle schweizweit, ja sogar international positioniert.

Die Ostschweiz am 12. Juni 2024

Am 28. Mai 2024 hat die SRG interessierten Städten, so genannten Host Citys, die Ausschreibungsunterlagen für die Durchführung des Eurovision Song Contest (ESC) im kommenden Jahr in der Schweiz zugestellt. Die Eingabe einer allfälligen Kandidatur wird bis Ende Juni erwartet. Die Stadt St.Gallen hat inzwischen zusammen mit dem Kanton St.Gallen, St.Gallen-Bodensee Tourismus und den Olma Messen die gesetzten Rahmenbedingungen eingehend studiert. 

St.Gallen ist bereit, Grossveranstaltungen durchzuführen. Bei aller Kreativität in der Lösungsfindung lassen die in der Ausschreibung formulierten umfangreichen und anspruchsvollen Bedingungen jedoch keine Kandidatur mit Erfolgschancen zu. Eine Bewerbung ist trotz der verlockenden beispiellosen internationalen Beachtung als Austragungsort zurzeit nicht realistisch.

Hohe Anforderungen

Namentlich der Host City werden gemäss Ausschreibungsunterlagen zahlreiche Leistungen und Kosten übertragen. Erwähnt seien etwa sämtliche Auslagen für Sicherheit, Stadt-Branding, Energie, Entsorgung, Abwasser, Wasser, Reinigung und Shuttle-Service. Es wird darüber hinaus erwartet, dass die Host City ein Eurovision Village (Fanzone mit Rahmenprogramm, Konzerten, Live-Viewings etc.) sowie einen EuroClub als Partylokal für die Fanclubs einrichtet und finanziert. 

Gleichzeitig sind bestehende Sponsorschriften, zum Beispiel jene an der neuen St.Galler Kantonalbank Halle, abzudecken. Ohnehin wird die Beschaffung von Sponsorgeldern sehr restriktiv gehandhabt. Insgesamt wäre inklusive einem für den Zuschlag entscheidenden zusätzlichen Finanzierungsbeitrag überschlagsmässig mit Kosten in der Grössenordnung von gegen 30 bis 40 Millionen Franken zu rechnen, die zu wesentlichen Teilen von der öffentlichen Hand bestritten werden müssten.

Auch der Anzahl Hotels mit mehr als 25 Zimmern kann im Rahmen der geforderten maximalen Anfahrtszeiten nicht entsprochen werden. Die exklusive Vergabe des Olma-Geländes während der acht Wochen Belegung von Ende März bis Ende Mai 2025 hätte schwer abschätzbare Umsatzeinbussen für die Olma Messen und Absagen von Messen (u.a. OFFA) sowie Verschiebungen von Veranstaltungen zur Folge. 

Damit würden die Olma Messen langjährige gute Beziehungen mit treuen Ausstellenden, Partnerinnen und Partnern sowie Besuchenden strapazieren. Überdies wäre die Infrastruktur mit kostspieligen Ausbauten für den ESC zu ertüchtigen. Fazit: Diese hohen Auflagen können in der verlangten Form in unserer Region aktuell nicht erfüllt werden.

Reich befrachtetes Veranstaltungsjahr 2025

Gleichzeitig ist das St.Galler Veranstaltungsjahr 2025 erfreulicherweise bereits reich befrachtet; nebst den traditionellen Grossanlässen wie OpenAir, CSIO, Aufgetischt (alle im Mai/Juni 2025), St.Galler Fest (August), OLMA (im Oktober) ist die Stadt St.Gallen im kommenden Jahr auch Veranstaltungsort des Nordostschweizer Schwingfests (29. Juni) und von drei Gruppenspielen der Women’s EURO 2025 (4.7.,9.7., 13.7.), welche vom 2. bis 27. Juli 2025 in der Schweiz ausgetragen wird.

ESC-Diskussion hat Begeisterung ausgelöst

Stadt- und Kantonsregierung sowie Olma Messen und St.Gallen-Bodensee Tourismus freuen sich, dass es mit der in Aussicht gestellten Kandidatur gelungen ist, die Stadt St.Gallen und damit die ganze Ostschweiz als Austragungsort von Grossveranstaltungen weiter zu positionieren und insbesondere auf die hiesige Halleninfrastruktur mit der neuen St.Galler Kantonalbank Halle auf dem Olma-Areal hinzuweisen. Die zahlreichen positiven Reaktionen aus Bevölkerung, Politik und Wirtschaft wie auch das Engagement der Mitarbeitenden haben Mut gemacht.

Insofern war diese ESC-Evaluationsphase eine wertvolle «Aufwärmrunde» für künftige Grossveranstaltungen in der Hauptstadt-Region St.Gallen. Das Zusammenspiel zwischen Stadt, Kanton, Olma Messen und Tourismus hat dabei ausgezeichnet funktioniert.

Sollte der Zuschlag als Host City an die Stadt Zürich gehen, könnte aufgrund der geringen Distanz und guten Verbindungen zwischen den beiden Städten bei Bedarf für gewisse Anlässe allenfalls auch die Olma-Infrastruktur genutzt werden. Gespräche darüber sollen nach einem allfälligen Zuschlag Ende August erfolgen. Sollte die SRG aufgrund mangelnder oder unzureichender Angebotseingaben eine Redimensionierung des Anlasses erwägen, würde die Host City St.Gallen gerne einen zweiten Anlauf prüfen.

(Bild: pd)

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Autor/in
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