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Die neue Einteilung

Getestet, geimpft, genesen – und gesunde Menschen als Gefahr

Wer in Zukunft am gesellschaftlichen Leben teilnehmen oder einfach seine Grundrechte wahrnehmen möchte, muss zu den «3G» gehören. Nur Getestete, Geimpfte oder Genesene sind akzeptabel. Gesunde werden heute als potenzielle Gefahr betrachtet. Und gesund zu sein, ist bedeutungslos.

Stefan Millius am 27. Mai 2021

Bis vor zwei Jahren schleppte sich so mancher mit Grippe ins Büro, wurde dafür als «Mitarbeiter des Monats» ausgezeichnet, feierte das bei einem Mittagessen mit den Kollegen, ging am Abend mit Freunden in den Apéro und besuchte danach ein Konzert mit tausenden von Leuten in einer Halle. Rechtzeitig aufs Wochenende hin klappte er dann ganz zusammen, um dann am Montag halbwegs genesen wieder auf der Matte zu stehen.

Vernünftig war das wohl nicht, aber es war die alte Realität, und niemand hat Fragen gestellt.

Seit geraumer Zeit reicht es, jemanden zu kennen, der jemanden kennt, der allenfalls in Berührung gekommen ist mit jemandem, der möglicherweise einen Virus oder Spuren davon in sich trägt, um für einige Tage eingesperrt zu werden. Und das auch bei bester Gesundheit. Das Zauberwort heisst: «asymptomatisch». Wer positiv getestet wird, sich aber fühlt wie das pure Leben, ist nach der neuen Lesart nicht in erster Linie ein gesunder Mensch – sondern vor allem ein wandelnder Gefahrenherd. Sogar gefährlicher als Kranke. Denn, welche Frechheit, er verschleiert sogar, dass er eine Bedrohung ist.

Gesellschaftlich akzeptiert, begleitet von diversen geplanten «Privilegien», werden nur noch Menschen der Kategorie «3G» – negativ Getestete, Geimpfte oder von der Krankheit Genesene. Bei allen anderen geht man davon aus, dass sie potenziell sogenannte «stille Verbreiter» sind. Weil sie die Stirn haben, nicht krank im Bett zu liegen.

«3G» ist ein Geniestreich. Denn zwei «G» sind pure Maskerade. Der Status des Genesenen reicht zeitlich nicht weit hin, die dauernde Testerei ist lästig, eine organisatorische Übung und geht ins Geld. Wer am Leben teilnehmen, wird das nicht lange auf sich nehmen – und sich impfen lassen. Was auch die Absicht der «3G» ist. Die gesamte Übungsanlage ist nur dazu gedacht, die sogenannte «Impfbereitschaft» zu erhöhen.

Die zwei verschwiegenen G, «Gesunde als Gefahr», sind der eigentliche Skandal. Es ist ein Paradigmenwechsel. Es gilt, zu beweisen, dass man gesund ist, um Dinge in Anspruch zu nehmen, die man bislang als Grundrecht wahrgenommen hat. Dazu muss man entweder zuerst erkranken, sich andauernd testen lassen oder eben eine Impfung empfangen, die man vielleicht gar nicht will.

Wer alles wirklich asymptomatisch das Virus in sich trägt, ist nicht mehr entscheidend, den Menschen wurde (pardon) eingeimpft, dass man bei jedem Gegenüber auf der Strasse davon ausgehen muss, dass er zu dieser Gruppe gehört. Anders ist es nicht zu erklären, wie viele Leute unter freiem Himmel Maske tragen. Sie wollen sich vor der überall drohenden Gefahr schützen. Dieser Effekt wird medial befeuert. Zum Beispiel hier beim ZDF. Der TV-Sender zeigt in einer interaktiven Präsentation, was uns droht.

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Corona Symptome

Quelle: ZDF

Dass man ohne Symptome ansteckend sein kann, ist nichts Neues. Das gilt auch für die Grippe. Man kann den Virus in der sogenannten Inkubationszeit weitergeben, also in der Phase zwischen dem Kontakt mit dem Erreger und dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome. Beunruhigt hat das – trotz Jahren, in denen es viele Grippetote gab – nie jemanden. Man ging nie davon aus, dass das Gegenüber, das keinerlei Krankheitsanzeichen hat, allenfalls einen Grippevirus in sich trägt und den nun verbreitet. Jedes Händeschütteln, jeder nähere Kontakt, jeder Nieser war theoretisch damals schon eine «Gefährdung». Das hat uns nie von Nähe abgehalten.

Um zu begründen, warum das bei Covid-19 anders gehandhabt wird, mussten Regierungen und Behörden die grössere Gefährdung ins Feld führen. Das taten sie lange mit der Zahl der Kranken auf den Intensivstationen und den Verstorbenen. Da zeitgleich die ordinäre Grippe statistisch abgeschafft wurde, gibt es allerdings keine Handhabe, diese Zahl klar bei Corona zu verorten. Ganz zu schweigen davon, dass bekanntlich auch andere Todesursachen dem Virus zugeschrieben werden, wenn er sich nachweisen lässt, wenn es sein muss auch posthum. Und ebenfalls zu schweigen davon, dass die prozentuale Belegung der Intensivstationen gesteuert wurde über die (sinkende) Verfügbarkeit von Betten.


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Im Rückblick wirkt das, was nun unter «3G» zur neuen Normalität werden soll, wie ein perfekt aufgebauter Plan. Man schürt zunächst die Angst vor einem Virus, festigt diese mit fragwürdigen Statistiken und Panikschlagzeilen, preist die Impfung als Weg aus der Krise und erschwert Leuten ohne Impfung das Leben. Als Alternative bietet man langfristig untaugliche andere Wege wie die Genesung oder eine Art Testabo an, wohlwissend, dass sich das niemand lange antut.

Die Impfbereitschaft ist aktuell immer noch nicht berauschend, vor allem gemessen an den Wünschen des Bundesrats. Sie wäre aber mit Sicherheit ohne diese Kunstgriffe noch viel tiefer. Denn die nackten Zahlen geben die Notwendigkeit einfach nicht her. Es bräuchte nicht einmal eine ausgeprägte Angst vor der Impfung, um darauf zu verzichten. Es würde reichen, zu erkennen, dass die Gefahr seit bald eineinhalb Jahren übertrieben wird. Das erkennt eine wachsende Zahl von Leuten, aber durch den faktischen indirekten Impfzwang durch den Entzug von Rechten spielt es inzwischen keine Rolle mehr. Anders gesagt: Der Teufel konnte nicht bedrohlich genug an die Wand gemalt werden, also brauchte es Druck. «Keine Impfung, kein Konzert»: Appelliert wird nicht an den Schutz der Gesundheit, sondern an die persönlichen Bedürfnisse.

Das Wort «Gesundheit» hat im Lauf der Coronasituation ohnehin die ursprüngliche Bedeutung verloren. Entscheidend ist nicht mehr, wie man sich fühlt, sondern was ein untauglicher Test besagt. Beim vorgeblichen Versuch, die Volksgesundheit zu schützen, wurde der Begriff neu definiert. Man muss heute nicht mehr gesund sein. Man muss geimpft sein. Oder wenigstens bereits einmal erkrankt. Und sich dann aber bitte doch noch impfen lassen früher oder später.

Erstmals im Lauf der Geschichte muss man sich dafür entschuldigen und Nachteile in Kauf nehmen, wenn man stets gesund geblieben ist und sich basierend auf Fakten und im Vertrauen auf das eigene Immunsystem nicht impfen oder vor jedem Grossanlass testen lassen will. Diese Geister wieder loszuwerden: Das wird schwierig.

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Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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