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Fachbeitrag

Herausforderung Städteplanung: Zwischen Visionen und Pragmatismus

Es wird enger auf der Erde. Die Weltbevölkerung hat Mitte November den Meilenstein von acht Milliarden Menschen überschritten. Zunehmend mehr von ihnen leben in Städten. Bis 2050 werden es fast 70 Prozent sein, so die Vereinten Nationen.

Thomas Kollhopp am 06. Dezember 2022

Damit stehen Stadtentwickler, Investoren, Bauunternehmen und alle anderen Beteiligten vor immensen Herausforderungen.

Während einige bereits Innovationen für das Leben auf dem Mars entwickeln, werden auch für die Erde visionäre Ideen aus dem Boden gestampft, selbst aus trockenem Wüstengrund. Als das ambitionierteste Städtebauprojekt gilt die derzeit im Bau befindliche Megastadt Neom in Saudi-Arabien mit ihrem Herzstück „The Line“. 170 Kilometer lang, 200 Meter breit und mit 500 Meter hohen Aussenfassaden, gleicht „The Line“ einem gigantischen Raumschiff, das bis 2045 neun Millionen Menschen Schutz auf einem überhitzten Planeten bieten soll. Die Stadt nimmt nur sehr wenig Grundfläche in Anspruch und stellt ohne Strassen, Autos oder Emissionen ein angenehmes Klima für ihre Bewohner sicher. Sie soll mit 100 Prozent erneuerbarer Energie gespeist werden und die Menschen sollen innerhalb von fünf Minuten zu Fuss alles erreichen können, was sie benötigen.

Von der Megacity zum Projekt

Ein bereits reales Projekt ist die Stadt Almere in den Niederlanden. Sie wurde auf einer künstlichen Insel errichtet und gilt als eines der grössten Stadtentwicklungsgebiete in Europa, wie das Architekturportal Baunetz berichtete. Gleichzeitig ist Almere ein Versuchslabor für städtebauliche Experimente, so die Universität Münster. Während der Ort an einigen Stellen trotz des vielen Grüns an Künstlichkeit kaum zu überbieten sei, existieren verschiedenste Architekturströmungen seit den 1970er-Jahren in ihrer Reinkultur nebeneinander – vom bodenständigen, sozialistisch inspirierten Reihenhausviertel der Anfangsjahre bis zur Spektakel-Architektur der 1990er und frühen 2000er. Nach wie vor wächst die Stadt weiter, wobei auch alte Gebäude abgerissen und durch neue, spektakuläre Bauwerke ersetzt werden. Dazu wird experimentiert und demonstriert, wie sich im Garten und auf dem Balkon Klimaschutz betreiben lässt, wie Gebäude aus Pilzen entstehen können, Flugzeugsitze aus Paprikastängeln, Brücken aus recycelten oder natürlichen Materialien oder Bodenbeläge aus pflanzlichen Abfällen. Doch kühne Versuche müssen sich nicht zwangsläufig auf eine gesamte Stadt erstrecken.

Viele Fragen warten auf Antworten

In zahlreichen einzelnen Projekten versuchen Architekten, Ingenieure, Wissenschaftler, Softwarespezialisten und andere Koryphäen ebenfalls, vielfältigste Herausforderungen zu lösen. Dazu zählen Raumprobleme und sozialer Stress, Klimaprobleme oder eine wachsende alternde Bevölkerung. Wie ihr Rechnung getragen werden kann, aber auch wie knappe Ressourcen verteilt werden sollen, sind einige der Fragen, die im Zusammenhang mit der Stadtentwicklung im Raum stehen. Zum Beispiel ist die Verbesserung des Stadtklimas ein wichtiges Aufgabenfeld, so das Zukunftsinstitut. In diesem Bereich eröffnen sich für die Baubranche neue Marktchancen.

Ein Exempel, das zeigt, wie innovativ diese genutzt werden können, illustrieren die „Gardens by the Bay“ in Singapur. Dabei handelt es sich um ein Parkgelände, das auf künstlich aufgeschüttetem Land angelegt wurde und das die Lebensqualität der Menschen verbessern soll. Künstliche, multifunktionale Bäume aus Stahl regulieren das Klima der Gewächshäuser des botanischen Gartens. Gleichzeitig sind diese bepflanzt und dienen als Aussichtsplattformen. Das französische Architekturbüro SOA denke den Trend des Urban Gardenings weiter und hebe ihn mit dem Projekt „La Tour Vivante“ auf eine neue Stufe. In einer Art Hochhaus werden urbane Landwirtschaft, Wohnen, Freizeit sowie Arbeiten in einem autarken Versorgungs- und Energiesystem miteinander kombiniert. Ein solches Konzept ermöglicht eine Verdichtung der Stadt bei gleichzeitig grösserer Autonomie in Bezug auf landwirtschaftliche Produkte. Dadurch wiederum könnte der Transportbedarf sinken.

Zukunftsfähige Entwicklung braucht Experten

Zusammengefasst lässt sich festhalten: Es gibt zahlreiche Strategien und Ansätze für die künftige Stadtentwicklung. In jedem Fall wandelt sich die Stadt von morgen von der reinen Versorgungsumgebung zu einem Ort, der Gesundheit sowie Wohlbefinden aktiv fördert und beeinflusst: von der Cure-City zur Care-City, wie es das Zukunftsinstitut auf den Punkt brachte. Der Transformationsprozess hat gerade erst begonnen.

Um ihn bewusst zu gestalten und auf möglichst viele der drängenden Fragen nützliche Antworten zu finden, braucht es Spezialisten mit komplexen Fähigkeiten in sämtlichen Bereichen – von der Planung über den Bau und die Bewirtschaftung bis hin zum Recycling – auf der Erde wie auf dem Mars.

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Autor/in
Thomas Kollhopp

Thomas Kollhopp ist Partner / Leiter Geschäftsfeld Bau & Immobilien bei Nellen & Partner in Zürich.

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