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Bibliotheksprojekt

Jungfreisinnige kritisieren «Doppeldecker»

Der Kanton St. Gallen hat am 23. Juni das Siegerprojekt «Doppeldecker» für die Sanierung des Union-Gebäude in der Stadt St. Gallen zur Zusammenlegung der Stadt- und Kantonsbibliotheken vorgestellt. Kritik gibt es von den Jungfreisinnigen des Kantons St. Gallen.

Die Ostschweiz am 27. Juni 2021

Offensichtlich ist Zusammenlegung der zurzeit an drei Standorten verteilten Stadt- und Kantonsbibliothek für die Nutzerinnen und Nutzer der Bibliotheken unpraktisch. Ebenfalls können durch die Zusammenlegung administrative Doppelspurigkeiten vermieden werden. Jedoch kritisieren die JFSG den extrem hohen Preis für die Sanierung, sowie auch die Nutzung des Union-Gebäudes für die Bibliothek.

129 Millionen Franken für die Sanierung – 255 Franken pro Einwohner des Kantons

Die JFSG finden es falsch für diese Sanierung 129 Millionen Franken aufzuwenden. Bei Betrachtung der pro-Kopf-Kosten kommen diese Kosten auf überhöhte 255 Franken pro Einwohner.

Aufgrund der Grösse des Kantons St. Gallen und den dadurch langen Wegen scheint es für die Jungfreisinnigen äusserst fragwürdig, wie stark eine Person in Rapperswil oder Walenstadt von dieser Bibliothek profitieren wird. Dazu komme, dass das Siegerprojekt von einem deutschen Architekturbüro stamme. «Bei diesem Projekt wird erneut verschwenderisch mit unseren Steuergeldern umgegangen. Nun kommen diese Millionensummen nicht einmal mehr nur Schweizer Unternehmen zugute, sondern fliessen ins Ausland ab», kritisiert Joel Mäder, Präsident der JFSG.

Bibliothek ist fehl am Platz im Union-Gebäude

Die JFSG erachten den geplanten Standort der neuen Bibliothek im Union-Gebäude an bester Lage in der Innenstadt von St. Gallen als falsch. Dies nicht aus Gründen der Erreichbarkeit oder Grösse, sondern da das Gebäude heute erfolgreich privatwirtschaftlich genutzt werde und viele etablierte Firmen, wie auch Start-ups von den flexiblen Büroräumlichkeiten im Union-Gebäude profitieren würden. Dem gegenüber stehe die nun zukünftige Nutzung als staatliche Bibliothek ohne nennenswerte Wertschöpfungseffekte.

Bibliothek Hauptpost – eine Erfolgsgeschichte

Seit nun mehr als sechs Jahren wird im Gebäude der Hauptpost direkt am Bahnhof St. Gallen eine gemeinsame Bibliothek, bestehend aus Kantons- wie auch Stadtbibliothek betrieben. In dieser Zeit haben sich laut den Jungfreisinnigen die Ausleihen verdoppelt, ebenfalls wurde das Gebäude im Jahr 2009 spezifisch für die Zusammenlegung von Kantons- und Stadtbibliothek von der Post gekauft.

Die JFSG appellieren deshalb an den Kanton und die Stadt St. Gallen sparsam mit dem Steuergeld umzugehen und, wenn nötig, nur eine deutlich günstigere Sanierung der Bibliothek Hauptpost in Betracht zu ziehen: «Um Platzprobleme für die Eingliederung der Kinderliteratur zu beseitigen, könnten Büros des Kantons, welche sich in der Hauptpost befinden an andere Standorte ausgelagert werden.»

Kosten als fixes Kriterium bei Architekturwettbewerben verankern

Das aktuelle Vergaberecht sieht bei Architekturwettbewerben eine Bindung an das Siegerprojekt vor. Dazu die Jungfreisinnigen: «Während es bei der Bestimmung eines Siegers meist nur um Ästhetik geht fehlt eine Kostenobergrenze in den meisten Fällen.»

Die JFSG fordern den Kanton auf, bei weiteren Architekturwettbewerben strikte Kostenobergrenzen festzulegen. «Der Kanton sollte sorgsam mit Steuergeldern umgehen und nicht überdimensionierte Bauprojekte bauen. Gerade als Nehmerkanton des nationalen Finanzausgleiches kann der Kanton St. Gallen es sich nicht leisten hunderte Millionen für Prestigeprojekte auszugeben», so Lorenzo Friedli, Kampagnenleiter der JFSG.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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