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Auf Twitter

Knackeboul möchte Massnahmen-Gegner mit Polsterwaffe verkloppen

Social-Media–Polterer Knackeboul ruft öffentlich zu Gewalt gegen Massnahmen-Gegner auf. Mit einer Schlagstock-Replik möchte er (auch) Familien «stoppen». Warum lässt man ihm dieses Verhalten durchgehen?

Nicole Ruggle am 12. Januar 2022

Gewaltverherrlichung ist so eine Sache. Hass auch. Kommt sie von der «falschen» Seite, verfällt das linke Netz in Schnappatmung, initiiert empörte Shitstorms und wirft nicht selten mit Strafanzeigen um sich. Kommt sie von der vermeintlich «richtigen» Seite, ist die gleiche Szene auf einmal mucksmäuschenstill, applaudiert gar oder sitzt die Sache aus.

Spaziergänger durch Pseudo-Schlagstock stoppen

David Lukas Kohler, ehemaliger SRF-Kindersendungen-Moderator, heute mehr für seine verbalen Fehltritte in den vermeintlich sozialen Medien bekannt, hat es wieder getan. Auf Twitter postet er ein Bild einer Schlagstock-Replik des Modells «Tonfa».

Knackeboul schreibt dazu: «spaziergangs stoppt man am besten mit diesem spazierstock» (sic!). Bei genannten Spaziergängen handelt es sich um einen symbolischen Aktivismus gegen die Corona-Massnahmen, der vor allem in Deutschland praktiziert wird, weil dort Demonstrationen teilweise verboten sind. In der Schweiz finden sie nur vereinzelt statt.

Nun stammt das von Kohler verwendete Bild zwar von einer sogenannten «Polsterwaffe», will heissen: einem Nachbau. Doch das macht es nicht besser. Denn für den unwissenden Twitterer suggeriert es auf den ersten Blick das, dem es nachempfunden wurde: Ein Tonfa. Das Fedpol (Bundesamt für Polizei) deklariert diese Art von Schlagstock im Original als Waffe, da diese «dazu bestimmt sei, Menschen zu verletzen». Der Erwerb im Handel ist nur mittels Waffenerwerbsschein gestattet und wird in der Schweiz durch das Waffengesetz geregelt. Auch das Tragen dieser Waffe erfordert hierzulande eine Bewilligung.

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Knackeboul

Knackebouls Aussagen irritieren. Denn wohlgemerkt: Es spazieren auch Familien, das heisst: Frauen und Kinder mit. Und: Aufrufe zur Gewalt sind strafbar, so will es das Strafgesetzbuch. Dass es sich bei dem Bild um die Nachbildung einer Waffe handelt, spielt keine Rolle. Ob Kohler absichtlich das Bild einer Polsterwaffe verwendet hat, um die ganze Sache im Nachhinein zu relativieren, oder ob er das eine nicht vom anderen unterscheiden kann: Irrelevant. Die Nachricht dahinter bleibt dieselbe gewaltaffine. Denn genauso daneben wäre es, mit einer Schusswaffen-Nachbildung zu Gewalt aufzurufen.

Sicherheitsexperte ist irritiert

Auch Lukas Joos, Geschäftsführer des sicherheitspolitischen NGOs piusicur gibt sich auf Twitter irritiert über die Äusserungen Knackebouls: «Ob er den Leuten, die er gerne verprügelt sähe, ebenfalls das Recht einräumen würde, einen Schlagstock mitzuführen?» Der Sicherheitsexperte spielt dabei auf Knackebouls offensichtliche Doppelmoral an. Denn noch 2017 sprach sich Knackeboul in einer Tageswoche-Kolumne lange und breit gegen Waffen aus. «Beängstigend ist nur, dass Unvernunft und Dummheit kombiniert mit modernen Waffen flächendeckend tödlich sein können, wie wir sehen», erklärte Kohler der Welt. Auch der Einsatz eines Schlagstockes kann übrigens zu tödlichen Verletzungen führen. Sich daraus einen Spass zu machen, lässt nicht auf guten Geschmack schliessen.

«Faustparty feiern»

Es ist nicht das erste Mal, dass Kohler mit fragwürdigen Aussagen auffällt. In der Vergangenheit warf er öffentlich mit Gewaltfantasien gegen Journalisten um sich, beschimpfte die Mütter zweier Jung-SVPler indirekt («gottverdammti Hueresöhn») und drohte damit, in die Politik zu gehen um den Jungpolitikern Gewalt anzutun.

In der linken Szene derweil: Dröhnendes Schweigen. Man nimmt diese Äusserungen einmal mehr schulterzuckend und konsequenzlos zur Kenntnis. Hätte ein Exponent der rechten Szene zum Einsatz einer (Pseudo)-Waffe gegen Mütter, Kinder und Familien aufgerufen, wäre die Hölle los gewesen. Oder es hätte gleich eine Strafanzeige gesetzt.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Nicole Ruggle

Nicole Ruggle ist Redaktorin beim Nebelspalter und betreut dort das Dossier «Sicherheit».

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