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alphaberta.ch

«Mich stört es, dass wir im Jahr 2022 noch immer über Gleichberechtigung sprechen müssen»

Ein Auftritt von über 60 Expertinnen auf alphaberta.ch – einer Plattform für Referentinnen – soll bewusst machen, über welches Potenzial an Expertinnenwissen die Region verfügt. Wieso sie hier mitmacht, erklärt Karin Weigelt (*1984), Geschäftsführerin und Inhaberin der spunky spirit GmbH.

Marcel Baumgartner am 18. Dezember 2022

«alphaberta» ist eine Plattform ausschliesslich für Ostschweizer Referentinnen. Wieso benötigt es Ihrer Meinung nach eine solche Plattform nur für Frauen?

23% aller Personen, die auf Schweizer Bühnen als Referenten auftreten, sind weiblich. Das entspricht nicht einmal einem Viertel. Dies ist schade, denn wer auf der Bühne steht, wer einen Vortrag hält oder als Expertin Aussagen macht, steht im Rampenlicht und wird gesehen. Aus meiner Sicht müssen Männer wie Frauen solche Vorbildrollen wahrnehmen, damit in Zukunft die Frage nach dem Geschlecht keine Rolle mehr spielt. Veränderungen beginnen im Kopf, werden durch Erfahrungen im Alltag gestützt und verankert, wenn es zur Normalität wird.

Sie sind als eine der Referentinnen aufgeführt. Was hat Sie überzeugt, bei alphaberta mitzumachen?

Netzwerke sind heutzutage extrem wichtig. Mit alphaberta versuchen wir, die Hürde, um eine Referentin, Expertin oder Fachpersonen zu kontaktieren, möglichst niedrig zu halten. Es ist wie ein Schaufenster, das wir nutzen, um sichtbarer zu werden und so Zeichen zu setzen.

Welches sind Ihre Schwerpunktthemen? Was kann das Publikum bei Ihren Vorträgen erwarten?

Nach über 15 Jahren Leistungssport, davon 11 Jahre als Profi im Ausland, schaue ich anders als viele andere auf die Schweiz. Ich hatte die Möglichkeit, andere Kulturen, Gesellschaftsformen und Lebensmodelle zu erleben und zu erfahren. Zudem bin ich heute als selbständige Unternehmerin und Mutter Herausforderungen ausgesetzt, die ich gerne mit meinen Erfahrungen aus dem Sport vergleiche und Parallelen ziehe. Einzelne Projekte, die ich begleite, etwa das Sportfeld Gründenmoos oder die Handball Europameisterschaft der Frauen, die 2024 in der Schweiz stattfinden wird, nutze ich ebenfalls gerne, um meine Erfahrungen aus dem Sport und der Wirtschaft zu vereinen und spannende Einblicke zu bieten.

Was begeistert Sie an Ihrer Tätigkeit?

Die Abwechslung. Die Flexibilität. Die Herausforderung, immer wieder etwas Neues anzupacken und Bestehendes weiterzuentwickeln.

In welchen Bereichen sollten sich die Frauen deutlich stärker in Szene setzen? Wo sind sie zu zurückhaltend? Warum präsentieren sich Männer und Frauen, Ihrer Meinung nach, unterschiedlich in der Öffentlichkeit?

Mich stört es, dass wir im Jahr 2022 noch immer über Gleichberechtigung sprechen müssen. Ich wünschte mir, wir wären bereits einen Schritt weiter und das Geschlecht würde einfach keine Rolle mehr spielen. So wie ich es beispielsweise in den skandinavischen Ländern erlebt habe. Es geht um Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit, was automatisch dazu führt, dass es zur Normalität wird. Vorbilder sind wichtig, nicht nur für Frauen, sondern für alle Personen in unserer Gesellschaft.

Frauen sind oft zurückhaltend, schätzen sich kritischer ein als Männer oder arbeiten lieber im Hintergrund. Dies führe ich darauf zurück, dass es oft an Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten fehlt. Wir Frauen müssen die gewünschten Veränderungen selbst anstreben; von aussen alleine passiert nichts.

Wieso braucht es in der Öffentlichkeit eine ausgewogenere Sichtbarkeit (der Geschlechter)?

Nur wer sichtbar ist, findet auch statt. Das gilt im Marketing genauso wie in der Gesellschaft. Es muss zur Normalität werden, dass Frauen und Männer gleichermassen in der Öffentlichkeit auftreten. Leider haben wir aktuell noch deutlichen Aufholbedarf gegenüber den Männern, was die Sichtbarkeit angeht (23% gemäss alphaberta, siehe oben). Durch bewusstes Sichtbarmachen der Frauen können veraltete Rollenbilder aufgebrochen werden und es entstehen Vorbilder. Dies ist nicht DER Schlüssel zum Erfolg, aber ein wichtiger Puzzlestein, um ans Ziel zu gelangen.

Sie unterstützen die Crowdfunding-Kampagne von alphaberta mit einer exklusiven Belohnung. Was erwartet Unterstützer:innen dabei?

Wer unser Projekt mit 400 CHF unterstützt, kann den wunderschönen Pavillon auf dem Sportfeld Gründenmoos für einen halben Tag nutzen. Der Pavillon mit seinen ca. 60m2 kann für Meetings, Veranstaltungen oder für vieles mehr genutzt werden.

alphaberta ist die Ostschweizer Plattform für Referentinnen. Um das Projekt nach der Lancierung im März 2022 nachhaltig in der Öffentlichkeit verankern zu können, lancierte der Verein «Helvetia spricht» eine Crowdfunding-Kampagne auf wemakeit.com. Noch bis zum 18. Dezember kann man die Aktion unterstützen.

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Autor/in
Marcel Baumgartner

Marcel Baumgartner (*1979) ist Co-Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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