logo

Sexueller Missbrauch im Umfeld der Kirche

SP fordert Aufarbeitung und neue Regelungen für die Zukunft

Die St.Galler SP-Fraktion wird in der Septembersession zwei Vorstösse einreichen. Mit einer Interpellation wird die Frage nach der Aufarbeitung und der staatlichen Verantwortung gestellt. Mit einem Postulat sollen neue Regelungen für die Zukunft aufgezeigt werden.

Die Ostschweiz am 18. September 2023

Vergangene Woche hat ein Forschungsteam der Universität Zürich die Ergebnisse eines Pilotprojekts publiziert. Das Pilotprojekt legt die Basis für die künftige Forschung zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche, die Kleriker, kirchliche Angestellte und Ordensangehörige seit Mitte des 20. Jahrhundert in der Schweiz ausgeübt haben.

Im Rahmen des Pilotprojektes wurden 1002 Fälle sexuellen Missbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche seit 1950 mit 520 Beschuldigten und 921 Betroffenen identifiziert.

Nun reagiert auch die Politik auf die Enthüllungen.

Die SP-Fraktion des Kantons St.Gallen wird in der Septembersession zwei Vorstösse einreichen.

Mit einer dringlichen Interpellation wird die Frage nach der Aufarbeitung und der staatlichen Verantwortung gestellt.

Mit der Interpellation wird die Regierung gefragt, ob sie bereit ist, für Opfer von sexuellem Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche und den Angehörigen von Opfern eine Anlaufstelle zu schaffen und ob sie die Verantwortung des Staates untersuchen wird.

«Staatliche Stellen hatten sozialkaritative und pädagogische Aufgaben oftmals an die Kirche delegiert. Die Historikerinnen und Historiker halten im Bericht fest, dass dieser Bereich genauer untersucht und dabei auch Schnittstellen zur Forschung zu den fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in den Fokus gerückt werden sollten», so die SP.

Mit einem Postulat sollen neue Regelungen für die Zukunft aufgezeigt werden.

Die SP schreibt dazu: «Die römisch-katholische Kirche verfügt über eine duale Struktur als Voraussetzung für die öffentlich-rechtliche Anerkennung. Neben den vom kanonischen Recht (Codex iuris canonici) geregelten Strukturen bestehen nach staatlichem Recht organisierte Strukturen. Im Kanton St.Gallen ist dem katholischen Konfessionsteil gemäss Art. 109 Kantonsverfassung (KV) die Natur einer öffentlich-rechtliche Körperschaft zuerkannt. Diese Zuerkennung gewährt einerseits Selbstbestimmung, ist aber anderseits mit Auflagen verbunden. Art. 110 KV räumt Autonomie ein und das Recht, Kirchensteuern zu erheben. Art. 111 KV hält dann aber fest, dass es eine demokratische Grundverfassung der Kirche braucht und dass dieser Erlass von der Regierung genehmigt wird, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören insbesondere: Stimmrecht, staatskirchliche Organisation müssen demokratischen Grundsätzen entsprechen, und es darf kein Widerspruch zu Bundes- und kantonalem Recht bestehen.»

Wie die Historiker im Bericht festhalten, habe die Existenz eines kirchlichen Rechts parallel zum weltlichen Recht die Vertuschung und Verschleierung sexuellen Missbrauchs befördert.

Zwar würde die katholische Kirche sexuellen Missbrauch heute konsequenter ahnden. Es sei aber an der Zeit, dass sich eine öffentlich-rechtliche Körperschaft bezüglich des Umgangs mit strafbarem Verhalten in der eigenen Institution am weltlichen Recht orientiere. Dazu müsste sie beispielsweise eine Meldepflicht an weltliche Institutionen (Polizei, Staatsanwaltschaft) zu beachten haben. Dies im Dienste des Opferschutzes und der Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze.

Highlights

Missbrauch in der Kirche

«Ich bin innerlich zerrissen»: Vreni Peterer wurde als Kind von einem Pfarrer vergewaltigt

am 22. Sep 2023
Personaltag

Matthias Mölleney sicher: «Dieser Tausch der Bezeichnungen würde die aktuelle Machtverschiebung auf dem Arbeitsmarkt verdeutlichen»

am 03. Jul 2023
Barbara Ehrbar-Sutter

Metzgerin des Jahres: «Die heutige Fleischverarbeitung ist sehr interessant»

am 05. Jul 2023
Die junge Generation setzt auf andere Werte

Die Freisinnigen ändern ihre Strategie: Mehr Schönheit, weniger Staat

am 26. Sep 2023
Gault&Millau 2024

Der Beste regiert im «Mammertsberg»: Der Schweizer Koch des Jahres 2024 sucht noch eine Wohnung

am 25. Sep 2023
Gastkommentar

Das Winterstrom-Dilemma der Schweiz

am 25. Sep 2023
Stadt trifft Land an der OLMA

Das sind die Highlights der diesjährigen OLMA

am 26. Sep 2023
Gesundheitskosten

Starker Anstieg der Krankenkassenprämien in der Ostschweiz

am 26. Sep 2023
Höplis Medienradar

Empörungsbewirtschaftung der Kirchenfernen. Stramm auf Linie der Stadtpolitik. Und vom Recht auf acht Stunden Babyschlaf.

am 22. Sep 2023
Gastkommentar zu den Nationalratswahlen

Wen kann man noch wählen, wenn man Individualfreiheit liebt?

am 23. Sep 2023
«Anpfiff» - die FCSG-Kolumne von Markus Scherrer

Unentschieden gegen die Grasshoppers: Alles eine Frage der Einschätzung

am 24. Sep 2023
Apfelernte im Thurgau

Ertragsausfall bei Mostobst: So verheerend war das Unwetter am 24. August 2023

am 23. Sep 2023
Einfache Anfrage

Massive Übergriffe an der «Domino Servite-Schule»: Ist der Kanton nun zur Aufarbeitung bereit?

am 25. Sep 2023
Geschlechterkampf auf vier Rädern

Das Auto als Mordwerkzeug ist bei beiden Geschlechtern gleich beliebt

am 24. Sep 2023
VIDEO

Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche: Der Teufener Pfarrer ist bestürzt und zornig

am 18. Sep 2023
Grosser Mehraufwand

Gewalttätige Staatsverweigerer: «Da flog auch schon ein Bürostuhl an die Glasscheibe»

am 22. Sep 2023
Erster Stolperstein im Kanton St.Gallen

Im Gedenken an Arthur Bernhard Vogt – von den Nazis 1944 hingerichtet

am 18. Sep 2023
Aggressionen beim Amateurfussball

Gewalt auf dem Fussballplatz: Wenn Besserwisser auf übermotivierte Eltern treffen

am 20. Sep 2023
Weissrusse in St.Gallen vor Gericht

HSG-Osteuropaexperte Ulrich Schmid: «Lukaschenko versucht seit je her, das Verschwinden von Oppositionspolitikern unter den Teppich zu kehren»

am 20. Sep 2023
Volksschule

Stefan Köllikers Ideen zur Bekämpfung des Lehrermangels sind umstritten

am 15. Sep 2023
Eine Entgegnung zum Vorschlag des SVP-Politikers

Herr Regierungsrat Kölliker, es sollten andere Massnahmen ergriffen werden, um den Lehrpersonenmangel zu bekämpfen

am 19. Sep 2023
Startup-Förderin Janine Brühwiler

Wie man der eigene Chef wird: Von falscher Motivation und weiteren Knacknüssen

am 21. Sep 2023
Nach Vorwürfen zu sexuellem Missbrauch

Schweizer Bischöfe feiern Gottesdienst in St.Gallen: «Etz lueg emol, die Press»

am 19. Sep 2023
Sabrina Sauder

Diese Ostschweizerin singt vor Ronan Keating

am 21. Sep 2023
Von «Die Ostschweiz»

Menschen, Emotionen, Hintergründe – Die neue Printausgabe ist erschienen

am 19. Sep 2023
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

«Die Ostschweiz» ist die grösste unabhängige Meinungsplattform der Kantone SG, TG, AR und AI mit monatlich rund einer halben Million Leserinnen und Lesern. Die Publikation ging im April 2018 online und ist im Besitz der Ostschweizer Medien AG.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.