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Celer Group

St.Gallen als Fundament und als Sprungbrett

Es ist eine besondere Familiengeschichte. Sie dreht sich um Unternehmertum, um Zusammenarbeit, um das Verbinden von Kompetenzen – und um die Liebe zu einer Stadt.

Die Ostschweiz am 09. Dezember 2020

Die drei Brüder Luca, Rafael und Elia Niederkofler haben völlig verschiedene Hintergründe. Doch getrieben werden sie von derselben Leidenschaft. Und das als Team.

Treffpunkt: Die «Sauceria» an der Engelgasse in St.Gallen. Ein noch junges Lokal, der geplante Start musste aufgrund des Lockdowns noch abgeblasen werden. Ende Mai ging es dann los. Ein besonderer Zeitpunkt, aber im Nachhinein ein guter, denn die St.Galler hatten ein grosses Nachholbedürfnis. «Wir sind sehr gut gestartet», stellt Rafael Niederkofler fest, der die Sauceria zusammen mit Arjeta Idrizi betreibt, «und wir verzeichnen bereits viele Stammgäste.»

Das Erfolgsrezept ortet der Gastronom im Konzept: Alles dreht sich «um die wahrscheinlich besten Saucen der Stadt», wie es in der Eigenwerbung heisst, und wird frisch im Haus produziert, nichts dazugekauft. Bewusst habe man das Ende des Lockdowns abgewartet und nicht etwa mit einem Take-away-Service begonnen, «denn das hätte nicht zu uns gepasst», wie Rafael Niederkofler sagt. Jedes Menü soll wie ein Gemälde wirken und den Gast überraschen – was «to go» nicht funktioniert hätte.

Inzwischen ist die Sauceria ein halbes Jahr alt. Rafael Niederkofler sitzt mit seinen beiden Brüdern an einem langen Tisch. Sie sind hier nicht nur für das Gespräch zu Gast, sondern kennen das Lokal bestens. Denn sie waren von Anfang an in die Planung und die Vorarbeiten einbezogen. Und das, obwohl sie aus ganz anderen Bereichen stammen. Elia Niederkofler ist selbstständiger Goldschmied und Designer, Luca Niederkofler ist Gründer eines der grössten Ostschweizer Start-ups in der Finanzbranche. Als es für die Sauceria um die Marktanalyse in der St.Galler Gastroszene ging, war Luca gefragt, Elia wiederum hat Akzente in der Inneneinrichtung gesetzt, Rafael war für den gastronomischen Teil zuständig.

Ein «Familiensystem»

Das Beispiel ist sinnbildlich für die Symbiose, welche die Familie bildet. Die «Sauceria» ist Ausdruck eines eigentlichen Systems, das zwischen den drei Brüdern gewachsen ist. «Unsere Kompetenzen ergänzen sich», erklärt Luca Niederkofler. Er selbst bringe das strukturelle Denken mit, Elia die kreative Ader, Rafael sei der zupackende Umsetzer.

Sichtbar wird das an kleinen Details. Zum Beispiel dem Rechaud in der Sauceria, das von Elia designt und produziert worden ist. Der jüngste der Brüder hat sich bereits mit 21 Jahren mit «Enoi» an der Hinterlauben in St.Gallen selbständig gemacht und schnell gemerkt: Um sich von anderen abzuheben, muss man eine eigene Handschrift, eine Wiedererkennung kreieren. Das habe einige Jahre gedauert, erklärt er, es sei eine Entwicklung gewesen, «aber heute bin ich auf diesem Stand und kann zu allem stehen, was ich mache». Dazu gehöre höchste Qualität bei Design und Herstellung sowie das Bekenntnis, alles von A bis Z selbst anzufertigen. Inzwischen hat er sein eigenes Label auch auf Projekte in Kunst am Bau und auf Inneneinrichtung ausgeweitet.

Risikoarme Anlagen

Auch wenn sich bei Luca Niederkofler alles um Zahlen dreht, gibt es Parallelen zum Goldschmied in der Familie. Hier findet sich die eigene Handschrift im «Celer Modell», einem innovativen Anlageprodukt, das er über mehrere Jahre hinweg mit einem Spezialistenteam entwickelte, zunächst für die eigene Familienholding. «Eine risikoarme Anlagealternative mit attraktiven Erträgen» sei das Ziel gewesen, eines, das viele anpeilen.

In seinem Fall zeichnete sich schnell ab, dass das Modell funktioniert. Der Gedanke lag nahe, sich für Dritte zu öffnen. Denn der Markt signalisierte grosses Interesse. Luca Niederkofler: «Es gibt einen riesigen Bereich mit Investoren, die nicht in risikoreiche Anlageklassen gedrängt werden wollen, und Obligationen werfen nichts mehr ab.» Mitte 2019 stand das Anlageprodukt auch Externen zur Verfügung, in diesem Jahr stiegen im Rahmen einer Finanzierungsrunde acht Investoren ein, die als Türöffner zu diversen Märkten fungieren sollen.

Drei Geschäftsideen, drei Herangehensweisen – und eine verbindende Philosophie. Mit Ausserordentlichem überzeugen, aus der Masse herausstechen, unverwechselbar sein, eine Nische geschickt besetzen: das ist das Ziel der drei Brüder in ihrem jeweiligen Bereich. Und ein weiteres Ziel vereint sie: Das Wachstum.

Die «Sauceria» von Rafael Niederkofler soll der Auftakt zu einer Kette von verschiedenen Themenrestaurants unter diesem Namen sein. Gewissermassen als erster Expansionsschritt entsteht in direkter Nachbarschaft an der Engelgasse ein zweites Lokal, das sich auf Seafood spezialisiert.

Elia Niederkofler setzt auf die Kraft der von ihm aufgebauten Marke, die über Schmuck hinaus sichtbar werden soll. Das Spektrum der Bereiche, die er mit seiner Kreativität bereichern kann, ist unerschöpflich. Und Luca Niederkofler sieht ein grosses Potenzial für sein erst kürzlich mit dem HSG-Spin-off-Label prämiertes Celer Modell.

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Familiensymbiose: Die drei Niederkoflers lassen ihre individuellen Kompe­tenzen zusammenfliessen.

Der Stadt etwas zurückgeben

Dass alle drei in der Stadt St.Gallen tätig sind, ist kein Zufall. Auf den Standort angesprochen, äussern sie sich wie aus einem Munde. Die Stadt sei für sie ein Sprungbrett gewesen, hier hätten sie die Schule absolviert, von hier aus seien sie in die berufliche Karriere gestartet. «Die Infrastruktur hier hat uns ein gutes Fundament geboten, und die Vorzüge von St.Gallen werden einem so richtig bewusst, wenn man eine Weile weg ist», sagt Luca Niederkofler, der in Grossbritannien studiert hat.

Die Voraussetzungen für Unternehmertum seien sehr gut. Unisono sagen die Brüder, dass es für sie auch eine Verpflichtung sei, der Region etwas zurückzugeben. «Frischen Wind in die Stadt bringen», nennt es sein Bruder Elia. Und Rafael Niederkofler weist darauf hin, dass es vorteilhaft sei, dort aktiv zu sein, wo man zu Hause ist: «Ich kenne die Leute hier, und sie kennen mich.»

Schon heute beschäftigen die drei Brüder gesamthaft 20 Angestellte, Tendenz steigend. «Unser Ursprung ist hier», sagt Luca Niederkofler, «und aus der regionalen Verankerung wollen wir nach aussen skalieren.» Das Zusammenspiel im Trio ist dabei eine Trumpfkarte. Das Know-how wird ausgetauscht, jeder wird dort beigezogen, wo er das entsprechende Wissen und die Erfahrung hat. Nicht im Rahmen von formalen Settings, aber in einem regelmässigen Austausch von Ideen und Rückmeldungen. Und das, ohne dass Geld fliesst. Oder wie es Luca Niederkofler ausdrückt: «Wenn man die eigenen Brüder unterstützen kann, ist das Lohn genug, und es geschieht ja immer gegenseitig.»

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man sich gut versteht. Sie hätten schon immer ein gutes Verhältnis zueinander gepflegt, sagen die Brüder, und niemals habe jemand gefragt, ob der eine mehr gebe oder nehme, man sehe sich als Einheit. Auch Meinungsverschiedenheiten gehören dazu, «aber die bringen uns weiter», ist Elia Niederkofler überzeugt.

Ein eigenes Unternehmen zu führen sei eine grosse Aufgabe, Tag für Tag alles selbst entscheiden zu müssen sei ein Kraftakt, «wir aber haben immer ein Gegenüber.» Das schafft Sicherheit.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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