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«Abschied von der Pop-up-Euphorie»

Temporäre Marktstände: Detaillisten kritisieren Projekt zum «neuen» Marktplatz

Die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl in St.Gallen stösst bisher grösstenteils auf Zuspruch. Die «Marktgass-Gesellschaft» kritisiert nun aber ein Element: Die temporären Marktstände im unteren Bereich der Marktgasse. Sie seien ein Hindernis für die Ladengeschäfte. Anders klingt es bei der WISG.

Stefan Millius am 05. Februar 2019

Man kann der Marktgass-Gesellschaft, welche die Interessen der Detaillisten an der Marktgasse in St.Gallen vertritt, nicht unterstellen, sie sei besonders destruktiv. Man habe bisher «alle Initiativen zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl unterstützt», schreibt Cornel Hänni im Namen der Gesellschaft in einer Mitteilung. Das gelte auch für das neueste vorliegende Projekt.

Hänni ist mit seinem Juweliergeschäft Studer + Hänni zentral an der Marktgasse platziert und gehört damit zu den Direktbetroffenen jeder Umgestaltung. Trotz dem Zuspruch zum Projekt «Vadian» und den grossen Eckpfeilern mit den räumlichen Trennungen von Marktgasse, Marktplatz und Bohl haben er und seine Kollegen von der Marktgass-Gesellschaft aber einen Kritikpunkt ausgemacht.

Die vorgeschlagene Anordnung der temporären Marktstände im unteren Bereich der Marktgasse sei «nicht nachvollziehbar», heisst es in der Stellungnahme. Diese Lösung behindere die Ladengeschäfte in der Marktgasse - «und dies ohne Not». Hänni und seine Vorstandskollegen schlagen vor, einen attraktiven Markt rund um die acrevis Bank anzuordnen. Diese Lage habe keine Nachteile für Organisatoren.

Die Marktgass-Gesellschaft wirft den Verfassern des Siegerprojekts vor, von einer «Vision von Märkten, von Festen und Theatergastspielen im öffentlichen Raum» zu träumen und den stationären Einzelhandel dabei auszublenden. «Dabei wird übersehen, dass die Zukunft der Innenstadt letztlich nur von Einzelhändlern gesichert werden kann, die rund um die Uhr und vor allem das ganze Jahr im Stadtzentrum arbeiten», heisst es weiter.

In gelegentlichen weiteren Nutzungen sieht man «temporäre Schönwetter-Veranstaltungen», die eine wertvolle Ergänzung zum stationären Handel seien, aber mehr nicht. Man erwarte vom Stadtrat, dass er sich bei der Weiterbearbeitung es Projektes «von der Pop-up-Euphorie und der Fixierung auf temporäre Nutzungen verabschiedet und sich um diejenigen Einzelhändler kümmert, die langfristig in die Stadt investieren und Arbeitsplätze vor Ort schaffen.»

In eine ganz andere Richtung geht die Stellungnahme der «Wirtschaft Region St.Gallen», kurz WISG. Sie hat ihre Position wenige Stunden vor der Marktgasse-Gesellschaft kundgetan, doch im Nachhinein wirkt sie zufällig schon fast wie eine Antwort.

Die WISG sieht das vorgeschlagene Projekt «als gute Grundlage» und ruft das auf, nicht - wie in früheren Fällen - «auf die Ebene der Detaildiskussionen zurückzufallen.» In der Abstimmung im Jahr 2020 werde es um einen Rahmenkredit gehen, nicht um ein Ja zu einem detaillierten Konzept. Debatten zu einzelnen Elementen seien «wenig konstruktiv und zielführend».

Marktplatz

Visualisierung des Projektes «Vadian».

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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