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Für Fahrende

Thal steigt aus: Suche nach Durchgangsplätzen geht weiter

Die Suche nach provisorischen Durchgangsplätzen für Jenische und Sinti im Kanton St.Gallen gestaltet sich schwierig. Der Gemeinderat von Thal legt einen aussichtsreichen Standort ad acta. Nun müssen andere Lösungen her. Aber die sind schwer zu finden.

Stefan Millius am 27. Mai 2019

Dass der Widerstand gegen einen provisorischen Durchgangsplatz gross ist, war spätestens nach einer öffentlichen Informationsveranstaltung klar gewesen. Diesem hat der Gemeinderat von Thal nun offensichtlich nachgegeben. Wie das kantonale Baudepartement mitteilt, wird die Gemeinde den möglichen Standort für einen solchen Durchgangsplatz für Jenische und Sinti nicht weiterverfolgen. Das Baudepartement bedauere den Entscheid, «akzeptiert diesen jedoch.»

Der Entscheid erstaunt etwas, weil im Vorfeld der Veranstaltung auch der Thaler Gemeindepräsident Robert Raths, soeben zum Rorschacher Stadtpräsidenten gewählt, durchaus positiv über den vorgesehenen Standort gesprochen und die begleitenden Massnahmen lobend erwähnt hatte.

Vorgesehen war der provisorische Durchgangsplatz für Schweizer Jenische und Sinti im Fuchsloch in Thal. Aufgrund des Entscheides des Gemeinderates werde man diesen nun nicht nicht realisieren, so das Baudepartement. Die Standortsuche für provisorische Durchgangsplätze gehe weiter.

Der erwähnte Standort war stets als ideal für Schweizer Fahrende bezeichnet worden, vor allem aufgrund der Lage. 2014 war ein Versuch der Umzonung an der Urne gescheitert. Später kam die Idee auf, einen zweiten Versuch zu wagen, dieses Mal mit dem Wunsch, ein Provisorium zu realisieren. Was nun ebenfalls nicht geklappt hat.

Der Kanton macht das Ganze nicht aus eigenem Antrieb. Er hat den Auftrag, Durchgangsplätze für Fahrende bereitzustellen. Trotz intensiver Suche habe man bisher keinen definitiven Standort gefunden. Deshalb entschied man 2016, Standorte für provisorische Durchgangsplätze zu suchen.

Der Vorteil dabei: Solche provisorischen Plätze können in der Regel ohne Baubewilligung erstellt werden und sind zeitlich befristet. Und die Bevölkerung hat die Gelegenheit, das Leben mit den Fahrenden im Versuchsbetrieb zu erfahren. Damit wolle man den Leuten «mögliche Befürchtungen und Ängste nehmen.»

Wo der nächste Testpflock eingeschlagen werden soll, ist noch offen. Aber wahrscheinlich ist, dass auch dort Widerstand erwächst.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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