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Neueste «Information» des Bundesrats

Und es gibt weiterhin eben doch kein «Impfziel»

Der Bundesrat sagt, was er nun doch nicht macht. Dazu gehört die verrückte Idee, Impfmissionaren ein Kopfgeld von 50 Franken zu zahlen. Aber worauf wir immer noch vergeblich warten: Ein klares Ziel der ganzen Übung.

Stefan Millius am 13. Oktober 2021

Wohin wollen wir eigentlich? Was ist das Ziel, wann haben wir es erreicht?

Der Bundesrat schafft es nicht, dieses Ziel in der grössten Krise des Landes – zugegebenermassen in einer selbst fabrizierten Krise – klar zu benennen. Kriegen wir eine Zahl? Wenigstens eine Grössenordnung?

Nein. Njet.

«Der Bundesrat setzt der Schweiz ein Impfziel», schreibt der «Blick», der verlängerte Arm des Bundesamts für Gesundheit, zwar prominent auf der Startseite. Aber wer den entsprechenden Artikel aufruft, sucht vergeblich nach diesem Ziel, das angeblich genannt werden soll. Eben nicht. Alles wird weiterhin von der «epidemiologischen Lage» abhängig gemacht. Und diese ist nie positiv. Selbst wenn sie sich sehr entspannt präsentiert wie aktuell, könnte sie ja jederzeit schlimmer werden. Also bloss keine klaren Ziele ausrufen.

Nirgends wird ein hartes Ziel wie eine bestimmte Impfquote benannt,

Aber warum wird dann behauptet, es gebe diese Ziele?

Das einzige, was wir wirklich kennen, ist eine Summe. Statt 150 Millionen Franken, wie ursprünglich geplant, sind es nun «nur» noch rund 100 Millionen Franken für die geplante Impfoffensive, die der Bund – pardon, die unfreiwilligen Steuerzahler – aufwerfen müssen.

Aber wohin genau wir mit diesem Geld steuern, das wissen wir nach wie vor nicht. Wie viele Prozent der Bevölkerung müssen «durchgeimpft» sein, bis der Bund zufrieden ist? Und wie wird dieser Prozentsatz berechnet? Weiterhin, indem man Menschen zwischen 0 und 12 Jahren, die gar nicht geimpft werden können, in die Gesamtrechnung einfliessen lässt? Oder neuerdings statistisch korrekt, aber immer noch ohne Zielvorgabe?

Es braucht schon viel Nerven, jede Woche vor die Öffentlichkeit zu treten und buchstäblich nichts zu sagen. Der Bundesrat und sein (ebenfalls von Steuerzahlern finanziertes) Heer von Beratern schafft das aber locker.

Wann hört es auf? Wann ist das diskriminierende Covidzertifikat Geschichte? Wir erfahren es nicht. Die einzige relevante Information bleibt ausgespart. Alles wird der «epidemiologischen Lage» untergeordnet. Dass diese zu keinem Zeitpunkt alarmierend war, ist nicht so wichtig. Sie könnte es ja irgendwann werden. Die Gallier kannten das Problem: Jederzeit kann einem der Himmel auf den Kopf fallen, darauf muss man doch vorbereitet sein.

Unterm Strich bleibt diese Erkenntnis. Der Bund, also wir Steuerzahler, gibt 100 Millionen Franken dafür aus, den störrischen Rest der Bevölkerung vom Vorteil einer Impfung zu überzeugen, die offensichtlich nicht schützt, sonst wäre ja die Zertifikatspflicht nicht nötig. 100 Millionen Franken, um Menschen zu einer Impfung zu bewegen, die so wenig bewirkt, dass man Geimpfte mittels Zertifikatspflicht weiterhin vor Ungeimpften schützen muss.

Das kann niemand erfinden. Hollywood würde die Storyidee ablehnen. Schlicht zu absurd, würden die Produzenten sagen. Aber die Realität kümmert sich nicht darum. Die «besten» Geschichten schreibt die reale Politik.

Wobei, Moment, da tauchen ja doch noch konkrete Zahlen auf! Auf 20min.ch heisst es:

Nach dem heutigen Kenntnisstand solle deshalb die Impfrate – ohne Einrechnung der bereits genesenen Personen – bei den über 65-Jährigen bei circa 93 Prozent und bei den 18- bis 65- Jährigen bei 80 Prozent liegen, damit die geltenden Massnahmen aufgehoben werden könnten.

Vor rund einer Woche waren es noch einige Prozentpunkte weniger,  die als Mass aller Dinge galten, in einer Woche werden es einige mehr sein. Zahlen ohne jede Relevanz. Hingeschmissen. Und wenn man sie näher anschaut: Einfach lächerlich. Ohne Einberechnung der Genesenen, also der Leute, die ohnehin am besten geschützt sind? Was will der Bundesrat? 120 Prozent der atmenden Bevölkerung? Oder 150 Prozent?

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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