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Gastbeitrag

Vom Corona- zum Klima-Lockdown

Kaum hat sich die ganze Problematik um das Coronavirus etwas entschärft und verflüchtigt, kommt das Klima wieder auf die Agenda. So brütet der Bund an weiteren Repressalien gegenüber dem MIV herum und posaunt die Verdoppelung der Marktanteile von Zug und Bus bis ins Jahr 2050 hinaus.

Manfred Trütsch am 08. Juni 2021

Auf dem Weg zur Klimaneutralität soll der Umstieg von der Strasse zur Schiene den grössten Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen leisten. Man geht davon aus, dass das nicht freiwillig passiert. Allein das Angebot des öV massiv hochfahren und verdoppeln, reicht nicht. Der Autoverkehr muss abgestraft werden mit möglichst vielen Unannehmlichkeiten: Zusätzliche Verknappung und Verteuerung der Parkplätze und ein Mobility Pricing, das eine Erhöhung des Modalsplits zugunsten des öV erreichen soll.

Da kann man nur sagen, gute Nacht Schweiz. Der jetzige Zugsverkehr vermag schon heute nicht mehr die Nachfrage in den Stosszeiten zu befriedigen. Es häufen sich Zugverspätungen, Ausfälle von ganzen Zügen, Stromausfälle, Kollisionen und so weiter; das Netz ist überlastet, das Netz verdoppeln liegt schlicht nicht drin. Und Mobility Pricing wird begrifflich missbraucht. Was der Bund beabsichtigt, ist Road Pricing, nur die Strassenkilometer sollen zusätzlich mit Abgaben belastet werden. Dabei meint der vom Bundesamt für Strassen ( ASTRA ) definierte Begriff « Mobility Pricing» nichts anderes, als dass jeder, der sich bewegen will, eine unterschiedliche Kilometerabgabe zahlt je nach Zeitpunkt und Nutzung der verschiedenen Verkehrsträger «Pay as you use».

Der Schweizer Autofahrer zahlt mit den Abgaben auf den Treibstoffen mit allen Zuschlägen, den Motorfahrzeugsteuern und der Vignette seine Strassen selber. Mit der Abstimmung über FABI ( Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur ) unterstützt er gar mit einem grossen Batzen deren Infrastruktur. Die Strassenkasse ist also prallvoll, wohingegen die Bahnbetriebe die grossen Löcher in die Staatskasse reissen. Es geht somit um die Kostenwahrheit. Die Bahntickets müssten um einiges teurer sein. Diesen öV jetzt verdoppeln, wo das Netz bereits überlastet ist, die Kosten aus dem Ruder laufen, der Zimmerbergtunnel ist im Planungsstadium schon 730 Millionen Franken teurer als ursprünglich geschätzt, die Anschlüsse ins benachbarte Ausland mehr schlecht als recht sind, zeugt nicht von vorausschauender Planung. Nicht berücksichtigt wird überdies die Tatsache, dass für fast drei Viertel der Fahrten im öV die Passagiere in ein Verkehrsmittel des öffentlichen Strassenverkehrs steigen.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manfred Trütsch

Manfred Trütsch ist Präsident des ACS St. Gallen – Appenzell. Der ACS bezweckt den Zusammenschluss der Automobilisten zur Wahrung der verkehrspolitischen, wirtschaftlichen, touristischen, sportlichen und aller weiteren mit dem Automobilismus zusammenhängenden Interessen wie Konsumenten- und Umweltschutz.

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