Im Dokfilm kommen alle wichtigen Akteure zu Wort. (Bild: Screenshot Trailer)
Seit geraumer Zeit lebt und arbeitet der bekannteste Whistleblower der Schweiz, Christoph Meili, in der Ostschweiz. Nun widmet sich ein Dokumentarfilm den Vorkommnissen, die ab dem Januar 1997 ihren Lauf nahmen und weltweit für Beachtung sorgten.
Man sei auf der Suche nach einem möglichst strapazierfähigen Isolierklebeband, lässt man den Verkäufer im Fachmarkt auf dessen Hilfsangebot wissen.
Doch die eigentliche Frage, die man sich in diesem Moment stellt, ist: Kann es sein, dass einen hier gerade einer der bekanntesten Schweizer Persönlichkeiten der späten 1990er-Jahre berät?
Das Gesicht deutet darauf hin. Die unverwechselbare Stimme ebenso. Und als einem der Mann schliesslich eine Rolle Klebeband mit dem Hinweis in die Hand drückt, dass dieses Produkt gar bei den grossen Passagierflugzeugen in Amerika zur Anwendung komme – «er habe das selbst gesehen» –, sind schliesslich alle Zweifel ausgeräumt.
Christoph Meili erlangte im Januar 1997 praktisch über Nacht weltweite Bekanntheit, als er in seiner Funktion als Nachtwächter Unterlagen aus einem Schredder-Raum der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft entwendete.
Meili vermutete, dass es sich dabei um Belege über Bankbeziehungen mit jüdischen Holocaust-Opfern handelte und übergab diese in der Folge einer jüdischen Organisation, die sie schliesslich an die Kriminalpolizei weiterleitete.
Die weiteren Entwicklungen sorgten über mehrere Jahre hinweg für Schlagzeilen.
Für die einen war Meili ein Held, für die anderen schlicht ein Landesverräter.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich eröffnete ein Strafverfahren gegen Meili wegen Verstosses gegen das Bankgeheimnis.
Meili seinerseits erhielt politisches Asyl in den USA und wurde dort vom prominenten Anwalt Ed Fagan unterstützt. Das Ganze mündete in einer Vergleichszahlung der Schweizer Grossbanken in der Höhe von 1,25 Milliarden Dollar.
Ab dem 16. August kommt diese Geschichte unter dem Titel «Die Affäre Meili – Ein Whistleblower zwischen Moral und Milliarden» nun in die Kinos.
Bei der Premiere im Kino Arthouse La Paris in Zürich gibt es zudem eine Podiumsdiskussion, an der neben Christoph Meili und Regisseur Daniel von Aarburg auch der damalige Sonderbotschafter Thomas Borer anwesend sein wird.
Zusätzlich zum Film gibt es ab dem 12. August eine interaktive Webdokumentation unter www.meili-story.ch zu sehen. Eine TV-Kurzfassung des Dokfilms strahlt SRF 1 am 23. August aus.
Bereits der Trailer zeigt, dass im Film zahlreiche Akteure zu Wort kommen:
«Ich denke, es war gut. Ich konnte vielen Leuten helfen und bin definitiv in die Geschichtsbücher eingegangen» - Christoph Meili.
«Christoph Meili hat eine sehr wichtige Rolle gespielt. Leider für die Schweiz sehr negativ» - Thomas Borer, damaliger Sonderbotschafter.
«Was mir damals zu schaffen machte, war das Unwissen meiner Kollegen, was die Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs betraf.» - Ruth Dreifuss, ehemalige SP-Bundesrätin.
«Wir werden ‚verseckelt’ vom eigenen Staat» – Christoph Blocher, ehemaliger SVP-Bundesrat.
«Wenn Sie die These in den Raum stellen, dass uns Meili 100 Millionen gekostet hat, dann würde ich Ihnen nicht widersprechen.» – Thomas Borer.
Damit meldet sich Meili definitiv zurück.
Auch im neuen Migros-Magazin findet sich eine dreiseitige Geschichte. Denn aktuell arbeitet Meili an drei Samstagen pro Monat als Bohrmaschinenverkäufer im «Do it + Garden».
Meili, der 2009 aus den USA in die Schweiz zurückkehrte, wohnt heute in Wil und kämpft noch immer mit der Vergangenheit.
Gegenüber dem «Migros-Magazin» erläutert der 50-Jährige, wie schwer es sei, eine Arbeit zu finden. Die Tätigkeit bei «Do it + Garden» sei lediglich ein 15-Prozent-Pensum für monatlich 600 Franken. Seit eineinhalb Jahren stemple er. Einige Leute hätten im geraten, den Namen zu wechseln. «Aber ich muss mich nicht verstecken. Ich bin Christoph Meili und stehe dazu», sagt der heutige Ostschweizer gegenüber der Publikation.
Hier geht’s zum Artikel im «Migros-Magazin»
Den Trailer zum Dokfilm finden Sie hier
Im Dokfilm kommen alle wichtigen Akteure zu Wort. (Bild: Screenshot Trailer)
Als der Fall ins Rollen kam, war Meili 28-jährig. (Bild: Screenshot Trailer)
Marcel Baumgartner (*1979) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».
Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.