logo

Brauerei Schützengarten

Was lange gärt...

... wird sicher gut: Slow Brewing ist der Bier-Trend im Bereich der schonenden Brauweise. Nicht nur geschmacklich liegen die Sorten vorne, sondern sie sagen den leidigen «Kopfwehbieren» und «Fusel» den Kampf an.

Manuela Bruhin am 17. März 2021

Alles muss schnell gehen. Noch schnell eine Mail schreiben. Noch schnell die Maschine einräumen. Noch schnell auf ein Feierabendbier gehen. Doch der neueste Trend bei der Bierherstellung funktioniert genau andersherum. Hier wird die Langsamkeit neu entdeckt. Slow Brewing, also das langsame Brauen, steht für die reinen und natürlichen Rohstoffe – und vor allem für die schonende Brauweise, die einen ganz besonderen Geschmack hervorbringt. «Wir bekennen uns bewusst zur langsamen, kalten Gärung und schonender Reifung - im Gegensatz zu den in Massen produzierten Industriebieren, die meist noch künstlich stabilisiert und nachträglich verdünnt werden», sagt Johannes Schmalzl, Erster Braumeister bei Schützengarten.

Minderwertige Alkohole

Das Slow Brewing-Gütesiegel ist das wohl konsequenteste am internationalen Biermarkt. Schützengarten hat als erste und bisher einzige Brauerei der Schweiz ein solches erhalten. Und die Anstrengungen dafür lohnen sich – nicht nur für das Unternehmen selber. Als negatives Beispiel nennt Schmalzl das «Kopfwehbier», welches bei Schellbrauverfahren entstehen kann. Bei der Vergärung der Bierwürze zum fertigen Bier entstehen viele unterschiedliche Alkohole. «Einige davon sind gewollt und geben dem Bier sein eigenes Aroma und Charakter. Aber je schneller, wärmer und forcierter der Brauprozess erfolgt, desto mehr minderwertige Alkohole entstehen – sogenannte Fuselalkohole. Die Hauptursache von lästigen Kopfschmerzen.» Somit würden die Slow Brewer nicht nur herausragende Biere, sondern auch Lebensqualität produzieren. «Nachhaltig und bewusst im Sinne der Umwelt und der Region, bewusst im Sinne der folgenden Generationen und bewusst im Sinne einer fairen Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitern», fasst es Schmalzl zusammen.

Das Beispiel der Eier

Aber wie gross ist der Unterschied in der Praxis? Würde man mit verbundenen Augen ein «Kopfwehbier» von einem Slow-Brewing-Bier unterscheiden können – und zwar sofort, und nicht erst am Tag danach? Schmalzl antwortet mit einer Gegenfrage. «Schmecken Sie einen Unterschied bei Eiern aus Käfighaltung und Freilandhaltung? Geschmäcker sind verschieden – somit kann man hier pauschal keine Antwort geben.» Was hingegen sicher sei, dass Bierspezialitäten, welche mit dem Slow Brewing Gütesiegel ausgezeichnet sind, bekömmlicher seien und somit besonders ausgereift und deutlich runder schmecken würden.

Die Anforderungen, das Gütesiegel zu erhalten, sind wie erwähnt gross. Jedes Jahr findet ein ein- bis zweitägiges Audit statt, in dem ein Fragen- und Anforderungskatalog von über 140 Seiten abgearbeitet wird. Die Brauerei Schützengarten erhielt bereits die Auszeichnung «Craft-Brauer des Jahres international» und gewann gleich elf der begehrten Awards. Als aufwendig beschreibt Schmalzl die diesbezüglichen Anforderungen, «aber wir lassen uns hier, wie auch beim Brauen, gerne Zeit.» Eben frei nach dem Motto «Gut Ding, bzw. Bier, will Weile haben» dauert in der Brauerei die Herstellung eines Biers zweieinhalb Monate – im Vergleich zu einem Monat bei einem herkömmlichen Bier. Dennoch sei man überzeugt davon, damit nachhaltig, bewusst und vor allem fair zu handeln. «Aus Respekt vor dem produzierten Bierspezialitäten, den Landwirten und Bauern, die unsere Rohstoffe anbauen, dem Kunden, den Lieferanten, den Mitarbeitern und der Natur.»

Bier und Gesundheit: Wie passt das zusammen?

Fitness, gesunde Ernährung, ein entsprechender Lifestyle: Unser Körperbewusstsein ist in der Vergangenheit gestiegen. Für viele passt Alkohol da nicht mehr hinein. Doch Biergenuss ohne Reue ist dank den alkoholfreien Sorten kein Wunschdenken mehr. Schützengarten hat verschiedene davon im Sortiment. «Bier kann das Herzinfarktrisiko senken, unser Immunsystem stärken und ist gut für Haut und Haare. Bier enthält Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und viel Hopfen. Dabei ist es vor allem der Hopfen, der gesund ist», so Johannes Schmalzl, Erster Braumeister bei Schützengarten.

Denn darin sind zum Beispiel Flavinoide und Xanthohumol enthalten – Stoffe also, denen eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkung nachgesagt sind. Gleichzeitig würden die Bitterstoffe im Hopfen Körper und Geist beruhigen. Zuviel Alkohol wirkt sich allerdings negativ auf den Körper aus.

«Somit ist alkoholfreies Bier dank seiner isotonischen Eigenschaften das ideale Getränk für zwischendurch, nach dem Sport oder auch zum Apéro», sagt Schmalzl.

Das alkoholfreie Bier von Schützengarten wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Für Schmalzl kommt das nicht von ungefähr: «Bei Blindverkostungen wurde unser ‘India Pale Alkoholfrei’ nie als ein alkoholfreies Bier erkannt. Es ist somit wirklich auch ein Genuss für den geübten Biergeniesser – einfach ohne Alkohol», bestätigt Schmalzl. Es passe gerade jetzt zur Grillsaison hervorragend.

Und für diejenigen, die wegen der Corona-Krise auf Reisen in exotische Länder und entsprechenden Biergenuss verzichten müssen, hier ein kleiner Trost: das «Gingerbeer Alkoholfrei» mit frischem Bio Ingwer, Chili und Kurkuma geht geschmacklich ganz neue Wege. Und welches ist das ganz persönliche Lieblingsbier vom Ersten Braumeister? «Ich komme ursprünglich aus Bayern – und somit das Weizen «Weisser Engel».»

Schützengarten
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.