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Appenzeller Edelbrand

«Wir möchten die Nähe zum Kunden behalten»

Den Appenzellern wird ein eher kritisches Gemüt nachgesagt – vor allem dann, wenn es um neue Produkte, Menschen oder Projekte geht. Und doch gründeten Thomas Gülünay, Sämi Maier und Barbara Müller genau im heimeligen Urnäsch die Appenzeller Edelbrand AG.

Manuela Bruhin am 05. November 2022

Im Gespräch verrät Barbara Müller, wie offen die Bevölkerung auf das Angebot schliesslich eingegangen ist.

Gin ist in den letzten Jahren bei vielen richtig beliebt geworden. Seid ihr schon länger «Gin-Liebhaber» - oder wie seid ihr auf den Gedanken gekommen, die Appenzeller Edelbrand AG zu gründen?

Die Idee entstand aus dem Bauch heraus. Auf unseren Reisen haben wir immer wieder Brennereien besucht. Die Brennkunst hat uns lange vor der Gründung von Appenzeller Edelbrand fasziniert. Ein guter Brand unter Freunden haben und geniessen wir immer noch sehr gerne. Aus dem Wunsch heraus, als Freunde mehr Zeit zusammen zu verbringen und etwas Eigenes aufzubauen, hinter dem man mit vollem Einsatz und Herzblut stehen kann, entstand schliesslich die Appenzeller Edelbrand AG. Die Geschichte mit dem Gin kam erst etwas später dazu. Anfangs haben wir nur Obstbrände produziert – bis wir schliesslich die Welt vom Gin entdeckt haben. Heute haben wir vier verschiedene Gin im Sortiment, deren Rezepte wir selber zusammengestellt haben und die bei uns im Haus gebrannt werden.

In der Ostschweiz gibt es einige grosse Konkurrenten. Und gerade die Appenzeller sind ja Neuem gegenüber häufig etwas kritisch. Hattet ihr da Bedenken, dass ihr daneben bestehen könnt? Oder wie seid ihr damit umgegangen?

Der Appenzeller hat so seinen Ruf (lacht). Aber etwas kritisch zu betrachten, kann auch gesund sein. Wir glauben, dass es für alle genug Platz hat und haben uns daher nie grosse Sorgen gemacht. Am Anfang wollten wir die Brennerei nur als Hobby betreiben – was sich dann schnell als schwieriges Unterfangen gezeigt hat. Vom Alkoholgesetz her müssen wir eine gewisse Menge produzieren. Trotzdem sind wir ein sehr kleines Unternehmen und möchten es auch bleiben. Das Persönliche und Menschliche ist uns sehr wichtig. Es macht Appenzeller Edelbrand aus.

Ihr habt es bereits angesprochen: Ihr setzt auf regionale Produkte, macht also die eher kleinere Grösse zu eurem Vorteil – beispielsweise, weil man dem Brennmeister auch mal über die Schulter schauen kann. Werden solche Events von den Kunden besonders geschätzt?

Seit wir diese Events anbieten, macht es einfach nur Spass. Die Leute kommen gerne, es ist immer eine super Stimmung. Unsere Besucher sind begeistert und einige kommen sogar mehrmals. Seinen eigenen Gin zu brennen, zu sehen, wie so etwas gemacht wird und die eigene, selbstgebrannte Falsche Gin mit nach Hause zu nehmen, das gefällt den Kunden sehr. Für uns ist es auch immer wieder ein tolles Erlebnis und sorgt für eine willkommene Abwechslung.

Ihr besteht seit 2017. Die Auflagen für eine Brennerei sind sehr streng. Welches waren rückblickend die grössten Herausforderungen, die ihr bestehen musstet?

Du hast es bereits angesprochen, die Auflagen waren und sind sehr streng. Als wir die Idee hatten, haben wir ganz ehrlich nicht damit gerechnet. Wir haben nicht geahnt, was da alles auf uns zukommt. Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir es mit dem heutigen Wissen nochmals machen würden (lacht). Das Schwierigste war, Ansprechpersonen zu finden, mit Kompetenzen, die uns weiterhelfen konnten. Es wurde schon sehr lange keine neue Brennerei mehr aufgebaut. Die meisten existieren schon seit mehreren Generationen. Deshalb waren alle etwas überfordert, nicht nur wir.

Die vergangenen zwei Jahre waren wohl ohnehin für alle nicht einfach. Wie habt ihr die Zeit erlebt?

Uns ist es grundsätzlich gut ergangen. Wir hatten sehr viel Glück mit unseren Kunden, die uns unterstützt haben. Events gab es natürlich sehr wenige, aber unsere Produkte konnten wir online und in Form von Mitarbeitergeschenken für diverse Firmen gut verkaufen. 2019 hatten wir noch das Glück, dass die Alkoholverwaltung eine befristete Bewilligung erstellt hatte. Brennereien wie wir durften dadurch auch Desinfektionsmittel herstellen. Zu Beginn wollten wir das zwar nicht, aber wir haben so viele Anfragen von Heimen, Apotheken und Drogerien erhalten, dass wir am Ende doch darauf eingegangen sind. Für die Heime haben wir es zum Einstandspreis hergestellt. Wir wollten nichts daran verdienen. Ganz ohne Verdienst geht es ja aber auch nicht. Daher haben wir auf Firmen gelabelte Desinfektionsmittel gemacht und mit denen auch einen Teil der Kosten für die Heime gedeckt. Eine Win-Win-Situation sozusagen.

Die Appenzeller Edelbrand AG besteht aus euch im Dreier-Team. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit untereinander?

Ich arbeite seit etwas mehr als zwei Jahren 100 Prozent bei der Appenzeller Edelbrand AG und mache eigentlich fast alles: Ich verkaufe, erledige die Bestellungen, Lieferungen, Rechnungen, brenne Gin und konfektioniere alles von Hand. Thomas und Sämi betreiben es weiterhin als Hobby. Thomas ist der geborene Verkäufer und hilft im Verkauf, so gut er kann, und Sämi ist ein Tüftler sowie unser Brennmeister. Er macht alle Obstbrände und auch den Gin.

Gibt es bestimmte Ziele oder Projekte, die ihr unbedingt umsetzen wollt?

Wir möchten unsere Produkte noch weiter aus Urnäsch heraus verkaufen. Wir wachsen stetig und wollen unseren Bekanntheitsgrad noch erhöhen. Wichtig ist uns aber, dass wir klein und persönlich bleiben. Unsere Kunden sollen weiterhin unsere Begeisterung und unser Herzblut spüren. Diese Nähe zu den Kunden möchten wir so gut wie möglich bewahren.

Und zum Schluss: Welchen Gin könnt ihr besonders empfehlen und weshalb? Hast du uns einen Geheimtipp?

Die Frage ist schon fast etwas gemein (lacht), schliesslich haben wir ja vier Gin. Wir denken, der «richtige Gin» ist situationsbedingt. Wir trinken alle vier Gin sehr gerne, aber jeder zu einem anderen Zeitpunkt. Ich persönlich mag zum Beispiel den Beeri Gin, fruchtig und frisch, im Sommer mit einem Tonic oder Prosecco. Der klassische Ur Gin jedoch, schmeckt nicht nur lecker mit Tonic, sondern auch mit Ginger Beer, der passt immer sehr gut. Den Zimet Gin mag ich am liebsten als Glühgin im Herbst und Winter. Unser Glüeh-Gin-Gwörz aufgekocht im Süssmost und einem Schuss Gin. Der Gin mit seinen 51 verschiedenen Botanicals ist ein vollmundiges und vor allem unverwechselbares Gin Erlebnis. Den trinke ich am liebsten pur, aber auch mal mit einem Tonic.

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Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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