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Jazzfenster St.Gallen

«Wir wollen auf die Szene hinweisen»

Der Ostschweizer Jazz soll eine Bühne erhalten – im wahrsten Sinne des Wortes. Für das Projekt «Jazzfenster St.Gallen» wurde eine Crowdfunding-Aktion lanciert. Was man sich vom Projekt erhofft, erklärt Andreas B. Müller, Vereinspräsident gambrinus jazz plus.

Manuela Bruhin am 06. Mai 2021

Der St.Galler Jazzverein gambrinus jazz plus will durch das Jazzfenster St.Gallen einen neuen und ungewohnten Blick in die Ostschweizer Jazz-Szene schaffen. War die Idee bereits vor Corona in der Schwebe?

Grundsätzlich steht in den «Leitmedien» im Vergleich zum Sport der Kultur relativ wenig Platz zur Verfügung. Wenn es sich dann noch um Jazz handelt – obwohl eine «Trendkulturart», die ein neues, junges Publikum anspricht – wird es noch dünner mit der Medienpräsenz von (Ostschweizer) Musikerinnen und Musikern. Hinzu kam das Corona-Massnahmen-bedingte Konzertverbot, was zur Überlegung geführt hatte, wie denn der Szene eine andere, neue Möglichkeit geboten werden könnte, Öffentlichkeit zu erhalten.

Die Zusammenarbeit findet mit acht repräsentativen Ostschweizer Bands statt. Wie lief das Auswahlverfahren – und worauf wurde geachtet?

Bei einer Auswahl ist es immer schwierig, niemandem auf den Schlips zu treten. Es tut uns auch leid für alle anderen Formationen, die bei dieser ersten Durchführung nicht berücksichtigt werden konnten. Trotzdem: Es nehmen 35 Künstlerinnen und Künstler teil, die einen klaren Bezug zur Stadt oder Kanton St.Gallen und Umfeld haben sowie einen Stilmix repräsentieren, welche die aktuelle gambrinus-Programmschiene unterstützt. Hinzu kommt, dass wir jungen ebenso wie altgedienten Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform bieten möchten, sich einem breiten und hoffentlich auch neuen Publikum zu zeigen. Wir im Vorstand kennen ja die Ostschweizer Szene, weshalb wir aus rund zweidutzend Möglichkeiten eine Auswahl von acht herausgepickt haben.

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 113'000 Franken. Salopp gefragt, was unterscheidet es von herkömmlichen Streams, bei welchen sich die Bands vorstellen und portraitieren?

Bei herkömmlichen Streams werden Konzerte mit oder ohne Publikum meistens mit relativ einfachen Mitteln übertragen, und damit hat sich’s. Was wir machen sind erstens top-professionelle Video- und Aufnahmen für ein Fernsehformat, wie das beispielsweise die «Baloise Sessions» sind. Hinzu kommen Interviews, die zusammen mit den Liveaufnahmen zu richtigen Portraits zusammengeschnitten werden. Begleitend werden Text- wie Fotoportraits erstellt, und alles wird den Beteiligten kostenlos zur weiteren Verfügung gestellt. Dann kommt unsere «Multiplikationsleistung» hinzu: Wie wir mit diesem Interview sehen, können wir schon lange im Vorfeld auf das Projekt und auf die Szene hinweisen. Auf die acht Sendewochen werden wir ab August mit einer städtischen Kleinplakatkampagne, mit einem Flyersprint und über unsere Newsletter sowie über andere Kanäle wie mit dem Medienpartner Jazz’n’more, dem Schweizer Jazz- und Bluesmagazin, aufmerksam machen. Oder einfach gesagt: Wir machen ein Riesen«lärm», um allen Beteiligten mit hochprofessionellem Inhalt zu grösstmöglicher Aufmerksamkeit und damit der Ostschweizer Szene zu einem neuen Impuls zu verhelfen.

22'000 Franken sind offen und soll über die Crowdfunding-Aktion finanziert werden. Über 50 Prozent davon ist bereits geschafft. Hätten Sie damit gerechnet?

Gerechnet ist etwas viel gesagt… Gehofft natürlich. Ich persönlich habe auch nicht wenig Erfahrung mit Fundraising und schon andere Crowdfunding-Aktionen erfolgreich begleitet. Aber noch ist nicht das Ende der Aktion und wir müssen auf allen Kanälen Vollgas geben, denn beim Crowdfunding ist es ja so, dass «alles oder nüt» gilt. Die erste Hürde von 11'000 Franken ist Ziel, das wir erreichen, wenn sich alle Beteiligten an der Kommunikation beteiligen. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass wir 40 Prozent der ersten Hürde in weniger als einer Woche geschafft haben. Und zuversichtlich, dass wir weit mehr als das erste Ziel erreichen. Aber noch ist das Glas erst halb voll (lacht).

Die Sendungen werden wöchentlich ab 22. August 2021 bei TVO ausgestrahlt und sollen auch neues Publikum in die Jazz-Welt entführen. Was denken Sie, wie gross wird dieser Anteil im Endeffekt wirklich sein?

Carlo Lorenzi, Schlagzeuger aus dem Rheintal, sagte es letzthin so: Die Blasmusikerinnen und -musiker in seinem Umfeld schauen TVO, so werden sie jetzt wegen dem «Jazzfenster» auch seine andere, jazzige Seite kennenlernen… Die Sendungen auf TVO sind die Basis – überhaupt, dass wir mit TVO zusammenarbeiten, gibt dem Projekt eine neue Dimension: Es wird darüber geredet, wie jetzt hier. Natürlich wird ab dem 22. August nicht während acht Wochen Sonntag für Sonntag die ganze Ostschweiz zum Frühschoppen vor dem Fernseher sitzen… Aber wir werden, und das ist noch ganz neu, die acht Premieren ebenfalls live umsetzen und diese wiederum kommunizieren. Und die Sendungen sind ja dann abrufbar und werden durch unsere Newsletter etc. beworben und so weiter und so fort. Wieviele Zuschauerinnen und Zuschauer die Sendungen dann zur ersten Sendezeit tatsächlich auf TVO schauen, ist völlig offen, aber wir sind – zusammen mit den Musikerinnen und Musikern, mit denen wir das Projekt umsetzen – sehr zuversichtlich, dass dank dem Projekt die Ostschweizer Jazz-plus-Szene neu, besser, anders wahrgenommen wird. Wir werden sehen. Oder hören (lacht).

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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