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Marcel Dobler und die Umwelt

Die erste Ständeratskandidatur: Und schon kommen die Kritiker

Kaum hat der St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler seine Ständeratskandidatur verkündet, geht es auch schon los mit den Stimmen gegen ihn. In einer ersten Welle stammen sie von Umweltaktivisten. Diesen entgegnet Dobler mit seiner eigenen Umweltbilanz.

Stefan Millius am 27. Mai 2019

Der FDP-Nationalrat Marcel Dobler will in den Ständerat; wir haben darüber berichtet und ihn näher vorgestellt.

Ganz ohne Widerstand geht das erwartungsgemäss nicht. Der erste Schuss kommt aus seiner eigenen Region.  Andreas Bisig, Präsident der GLP Rapperswil-Jona, twittert: «Wie will Marcel Dobler im Ständerat 'die jüngere Generation vertreten', wenn er 0% Umweltfreundlichkeit im Eco-Rating erreicht?»

Bisig bezieht sich auf das sogenannte «Ecorating», das Parlamentarier auf ihre Umweltfreundlichkeit abcheckt. Wobei umweltfreundlich hier heisst: Man muss als Mitglied des Nationalrates den Positionen von grünen Parteien folgen, sonst hat man verloren.

Marcel Dobler reagiert gewohnt schlagfertig und schreibt auf Twitter, wo das Ganze stattfindet, zurück: «Ich habe eine 25 kw Solaranlageanlage auf dem Dach, produziere 4 mal mehr Energie als ich brauche, habe eine Wärmepumpe, alles isoliert und habe ein Elektroauto. Und was tun sie?»

Als er daraufhin darauf hingewiesen wird, dass es nicht um persönliches Verhalten, sondern um das Stimmverhalten im Parlament gehe, erwidert Dobler: «Selbstverantwortung finde ich wichtig und lebe das auch. Bei diesem Ranking schneidet aber am besten ab wer für möglichst viele Verbote und Regulierungen ist.»

Ein Blick auf das Ranking zeigt: Die ersten dutzende von Einträgen besonders «umweltfreundlicher» Parlamentarier werden in der Tat eingenommen von Leuten aus SP, Grünen und GLP. Wer davon sich im Alltag entsprechend benimmt, ist naturgemäss nicht überliefert, entscheidend für die Rangliste ist lediglich, wer bei Umweltanliegen den «richtigen» Knopf drückt.

Erst irgendwo nach Rang 60 taucht mit den ersten BDP-Leuten so etwas wie eine bürgerliche Vertretung auf. Was zeigt: Das Ranking ist punkto Kriterien massgeschneidert für eine bestimmte Klientel. Mit Sicherheit nicht für Leute wie Dobler, die zwar ganz praktisch ein umweltfreundliches Verhalten an den Tag legen, nicht aber bei den Abstimmungen, wo sie auf Selbstbestimmung setzen.

Dinge wie diese dürften Marcel Dobler in den nächsten Monaten noch weit mehr erwarten.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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