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Verbessert sich der Ruf der Naturheilmittel?

«Die Wirkung wird immer wieder belächelt»

Dass das Pflanzenheilmittel «Echinaforce» gegen das Corona-Virus wirken könnte, sorgte für Wirbel. Gerade pflanzliche Mittel werden oft als «Humbug» abgetan. Laut Othmar Gisler, Präsident der Naturärzte Vereinigung der Schweiz, könnte sich dies nun ändern.

Manuela Bruhin am 16. September 2020

Die Nachricht sorgte für Schlagzeilen, dass das Pflanzenheilmittel Echinaforce gegen das Corona-Virus helfen könnte. Sind Sie als Fachperson über die Studie erstaunt?

Ich habe mich darüber gefreut, dass möglicherweise eine Pflanze oder Pflanzenextrakt einen wichtigen Beitrag im Zusammenhang mit Corona leisten könnte. Genaues wissen wir aber noch nicht. Ich bin realistisch genug, dass es noch einige Zeit und viele Versuchsanordnungen braucht, um verlässliche Resultat vorliegen zu haben.

Uns wurde eingebläut, dass Corona keine harmlose Erkältung sei. Nun soll jedoch genau ein solches Pflanzenheilmittel dagegen helfen. Ein Widerspruch?

Nein. Leider werden natürliche Heilmittel immer wieder mit der Haltung eingenommen, dass diese keine Nebenwirkungen haben, weil sie ja natürlich sind und daher auch keinen Schaden anrichten können. Das stimmt so nicht. Pflanzliche Wirkstoffe sind sehr wirkungsvoll und können auch bei ernsten Erkrankungen sehr hilfreich sein.

Die Wirkung am Menschen in Bezug auf das Virus wurde jedoch noch nicht nachgewiesen. Wie verhalten sich die Inhaltsstoffe im Körper?

Echinacea purpurea wird in der Naturheilkunde in verschiedenen Darreichungsformen angewendet. Hauptsächlich bei grippalen Infekten.

Nach Toilettenpapier und Mehl werden die neusten Meldungen wohl nun dafür sorgen, dass die Apotheken und Online-Stores in Stress geraten. Ist es sinnvoll, die Präparate zu kaufen?

Es macht keinen Sinn, jetzt diese Produkte zu kaufen und in der Absicht einzunehmen, Corona unschädlich zu machen. Man soll diese Produkte nur bei passenden Indikationen gemäss den Informationen des Herstellers einnehmen.

Lange Zeit wurden Naturheilmittel belächelt und als wirkungslos dargestellt. Könnten die neusten Meldungen nun dafür sorgen, dass die Heilkunde einen Schub erfährt? Und vielleicht von den Kritikern ernster genommen wird?

Die möglichen Wirkungen von pflanzlichen und natürlichen Mitteln werden immer wieder kritisiert und belächelt. Das ist leider so. Es gibt bezüglich Informationen und Datenlage zu Wirkungen von naturheilkundlichen Mitteln noch Nachholbedarf. Verschärfte Zulassungen durch die Swissmedic helfen indes indirekt mit, dies zu verbessern.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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