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Corona-Splitter (4)

Moral als politische Waffe

Bevor man wusste, was überhaupt passiert, wurde die Moral als Waffe in der Coronapolitik eingesetzt. Aber eine Gesellschaft darf sich nicht um ein einziges Problem kümmern. Teil 4 der Corona-Splitter von Rainer Fischbacher.

Rainer Fischbacher am 26. März 2021

Daniel Kahnemann konnte unsere moralischen Bedenken zerstreuen, können Sie das auch, Herr Berset?

Kahnemann hat uns im Splitter 2 gezeigt, dass die Moral erst zum Zuge kommen sollte, wenn alle Argumente mit hohem Realitätsbezug gründlich beleuchtet wurden.

Leider wurde im Fall Corona die Moral von Anfang an als politische Waffe benutzt, bevor auch nur annähernd klar war, was passiert.

Sämtliche Mittel werden nun für ein einziges Problem, Corona, aufgewendet. Das ist verantwortungslos gegenüber allen Opfern von anderen Problemen, eine Gesellschaft darf sich nicht nur um ein einziges Problem kümmern!

Und als Hausarzt kenne ich Corona sehr gut. Und kenne auch alle andern Probleme, die die Menschen haben, sehr gut. Sie sollten meine Worte nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn ich nicht mit tiefer Stimme einschüchternd zu Ihnen sprechen kann «Bleuben Sie zuhause»  und es mir somit an väterlicher Autorität fehlt.

Jene Menschen, die wir vor Corona gerettet haben, sterben nun an ihrem Krebsleiden, ersticken an ihrer COPD und verzweifeln an panischen Ängsten auf Grund ihrer Demenz. Viele von ihnen hätten lieber einen sanften Corona-Tod gewählt, wenn wir sie nicht zwangsgerettet hätten.

Schwedens Gesundheitsminister, der wohl weltweit den besten Job gemacht hat in der Corona-Krise, hat sich dafür entschuldigt, dass er nicht alles richtig gemacht hat. Haben Sie von unserer Regierung schon irgend ein Wort des Bedauerns gehört für all die Unwahrheiten, Widersprüche, Panikmache, sinnlosen Einschränkungen, Leid durch unnötige Vereinsamung und sinnlosen Finanzruin?

Ich weiss, manche von Ihnen denken: sie wollten doch nur das Gute, es war ja so schwer, andere haben es noch schlechter gemacht. Aber moralisch kann Herr Berset meine Bedenken nicht zerstreuen.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Rainer Fischbacher

Rainer Fischbacher ist Arzt in Herisau und ehemaliger Ausserrhoder Kantonsarzt.

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