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Corona-Splitter (12)

Wie das Hirn gewaschen wird

Was fällt uns heute als erstes ein, wenn wir «Pandemie» hören? Natürlich «Lockdown», nichts anderes. Das ist kein Zufall.

Rainer Fischbacher am 18. April 2021

Nobelpreisträger Daniel Kahnemann erzählt in «schnelles Denken-langsames Denken» von Priming-Effekten (wenn ich über alte Menschen nachdenke, bewege ich mich langsamer) und Availability-Effekten (eine oft gehörte Antwort kommt mir sofort in den Sinn).

Sagen Sie ganz schnell: «gibel gabel gubel……gibel gabel gubel… gibel gabel gubel…»

Womit essen Sie die Suppe? Natürlich mit der… Gabel!

Das ist ein schönes Beispiel einer Mischung aus Priming- und Availability-Effekt. Umgangssprachlich würde ich das Gehirnwäsche nennen.

Ich stelle Ihnen jetzt die Frage:

Wie geht man vor bei einer Pandemie? Und Ihnen kommt sofort in den Sinn: Lockdown. Es wurde uns so oft gesagt, dass wir schon gar nicht mehr wissen, welche Alternativen möglich gewesen wären. Es war die einzige moralische Alternative. Und seien wir ehrlich: Etwas anderes zu sagen ist beinahe ein Tabu, wer es wagt, riskiert Ablehnung, Entlassung aus dem Kantonsarztamt oder Schlimmeres.

Aber Achtung, eben dieser Kahnemann erklärt uns, dass Moral und Tabu als Argumente Hinweise sind für fehlenden Realitätsbezug und Entscheidungen, die aus ihnen abgeleitet werden, dürften einige Jahre später kaum noch verständlich sein. (vergleiche Splitter 1 und Splitter 2)

Wenn meine Regierung mir keine reelle Alternative zum Lockdown aufzeigt, kann sie nicht oder will sie nicht. Beides ist wissenschaftlich gesehen armselig. Wissenschaftlich wäre es, wenn wir den Lockdown mit seinen Alternativen vergleichen und uns die möglichen Probleme realitätsbasiert (und nicht Moralin-triefend) anschauen.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Rainer Fischbacher

Rainer Fischbacher ist Arzt in Herisau und ehemaliger Ausserrhoder Kantonsarzt.

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